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Anwil

Ammel ist der östliche Eckpunkt des Baselbiets. Ein Dorf zwischen Hochfläche und Talweihern, mit eigener Schule, alten Bauernhäusern und Spuren der Seidenbandweberei.

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Anwil mit Bauernhäusern und Frühlingswiesen
Anwil im Frühling 2020. Foto: Barbara Steinemann · CC BY-SA 4.0.

Anwil liegt am östlichen Rand des Kantons Basel-Landschaft, zwischen den Hochflächen des Tafeljuras und dem oberen Ergolztal. Im Baselbieter Dialekt heisst das Dorf Ammel. Seine 558 Einwohnerinnen und Einwohner leben in einer kleinen Gemeinde mit eigener Primarschule, historischen Bauernhäusern und einer Landschaft, in der Ackerland, Obstbäume, Wald und Wasser nahe beieinanderliegen.

Viele Ausflügler kennen zuerst die Talweiher unterhalb des Dorfes. Zum Verständnis von Anwil gehört aber auch der Weg hinauf: vom bewaldeten Tal in die offene Landwirtschaftslandschaft und weiter zum alten Schulhaus und zum Gmeinihus. Hier zeigt sich, wie ein kleines Bauerndorf öffentliche Aufgaben organisierte und wie solche Gebäude heute weitergenutzt werden.

Anwil auf einen Blick

Kanton und BezirkBasel-Landschaft, Bezirk Sissach
DialektnameAmmel
Einwohner558, Stand 30. Juni 2026
Postleitzahl4469
Fläche3,96 km²
HöhenlageRund 614 m ü. M.
AusflugszieleTalweiher, Dorfkern, Wege durch den Tafeljura
Öffentlicher VerkehrBus 102 ab Gelterkinden

Wo liegt Anwil?

Anwil ist die östlichste Siedlung des Baselbiets. Der Ort liegt oberhalb der Ergolz auf einer Jura-Hochfläche; östlich schliesst der Raum Kienberg im Kanton Solothurn an. Nach Süden führt der Weg nach Oltingen, nach Westen in Richtung Rothenfluh und Gelterkinden. Das Dorf gehört politisch zum Bezirk Sissach.

Die Umgebung ist typisch für den Tafeljura: relativ weite, landwirtschaftlich genutzte Höhen wechseln mit eingeschnittenen Tälern und bewaldeten Hängen. Auf der Hochfläche öffnen sich Blicke über Wiesen, Felder und Obstbäume. Unten an den Talweihern bestimmen Wasser, Ufervegetation und Wald das Landschaftserlebnis.

Diese Höhenunterschiede sind für einen Besuch wichtiger als die kurzen Entfernungen auf der Karte. Wer bei den Weihern aussteigt und anschliessend den Dorfkern sehen möchte, hat einen Anstieg vor sich. Für einen Dorfspaziergang ist die Haltestelle im Ort der einfachere Ausgangspunkt; für einen Naturbesuch bietet sich die Haltestelle Talweiher an.

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Die Talweiher: das bekannteste Naturziel

Unterhalb von Anwil liegen der Obere und der Untere Talweiher. Obwohl die Gewässer heute selbstverständlich in die bewaldete Tallandschaft eingebettet wirken, sind sie künstlich entstanden. In den 1960er-Jahren wurden im Zusammenhang mit der Erschliessung des Waldes Dämme angelegt, hinter denen sich Wasser sammelte.

Seither entwickelten sich die Weiher zu wertvollen Lebensräumen. Wasserpflanzen, Amphibien, Fische und Vögel nutzen unterschiedliche Bereiche vom offenen Wasser bis zum Ufergehölz. Auch der Eisvogel kommt im Gebiet vor. Seine Anwesenheit lässt sich allerdings nicht wie eine Sehenswürdigkeit einplanen: Gute Beobachtungen brauchen Ruhe und etwas Glück.

Die Weiher benötigen Pflege. Eingeschwemmtes Material und Nährstoffe verändern mit der Zeit ihre Tiefe und Vegetation. Der heutige Naturwert ist deshalb auch das Ergebnis laufender Betreuung. Die Dokumentation von Regionatur erklärt diese Entwicklung und die Besonderheiten des Gebiets.

Oberer Talweiher bei Anwil mit Wasserpflanzen und bewaldetem Ufer
Der Obere Talweiher bei Anwil im August 2015. Foto: Tschubby · CC BY-SA 3.0.

Für einen Ausflug lohnt es sich, am Wasser Zeit zum Beobachten einzuplanen. Ein Fernglas ist hilfreicher als der Versuch, möglichst nah an Tiere heranzugehen. Die Wege und die Hinweise vor Ort geben den Rahmen für den Besuch vor. Ufer und Rückzugsräume sollten ungestört bleiben.

Die Weiher sind auch ein Lernort. Pro Natura Basel-Landschaft nutzt das Gebiet beispielsweise für Biberexkursionen mit Schulklassen. Dabei geht es um Spuren und Lebensräume, nicht um eine garantierte Begegnung mit einem Tier. Wer mit Kindern unterwegs ist, kann denselben Blick übernehmen: Welche Pflanzen wachsen im Wasser? Wo wechseln offenes Ufer und dichtes Gehölz? Was verraten angenagte Äste oder andere Spuren?

Ein Bach erhält wieder Platz

Ein kleineres, aber aufschlussreiches Naturprojekt ist das Hintermattbächli. Ein Abschnitt war während der landwirtschaftlichen Entwässerungen der 1970er-Jahre eingedolt worden. 2011 wurde der Bach auf rund 180 Metern wieder geöffnet. Pro Natura Basel-Landschaft und der Erlebnisraum Tafeljura begleiteten das Vorhaben.

Der Bach erhielt einen breiteren Bereich mit Ufervegetation. Die Pflege wird zwischen Landwirtschaft und Naturschutz aufgeteilt. Das Beispiel zeigt, wie sich die Landschaft verändert: Sie ist weder vollständig unberührt noch nur Produktionsfläche. Durch Vereinbarungen mit Grundeigentümern und eine angepasste Bewirtschaftung entstehen neue Lebensräume mitten im Kulturland.

Was im Dorfkern auffällt

Im alten Dorf stehen Wohn- und Wirtschaftsteile oft eng zusammen. Grosse Dächer, Scheunentore und unterschiedlich hohe Fenster erzählen von Landwirtschaft, Handwerk und Heimarbeit. Wer langsam durch die Dorfstrasse geht, erkennt mehr als bei einem kurzen Blick auf einzelne Fassaden.

Historisches Wohnhaus im Dorf Anwil
Historisches Wohnhaus in Anwil, Oktober 2005. Foto: Ikiwaner · CC BY-SA 3.0.

Das alte Schulhaus an der Dorfstrasse

Das Gebäude an der Dorfstrasse 6 war ursprünglich ein Bauernhaus. Seit 1822 wurde hier unterrichtet; 1828 kaufte die Gemeinde das Haus und liess es zum Schulhaus umbauen. Damit gehört es zu den frühen Baselbieter Beispielen eines Bauernhauses, das für den Schulbetrieb umgestaltet wurde.

Die frühere Nutzung ist von aussen noch ablesbar: Niedrigere Fenster im Erdgeschoss gehören zur einstigen Lehrerwohnung, grössere Fenster darüber zu den Schulräumen. Der kleine Dachaufbau mit den Glocken macht den Bau im Strassenbild besonders gut erkennbar. 2016 wurde das Äussere umfassend renoviert.

Heute ist das alte Schulhaus weiterhin ein Ort des Zusammenkommens. Der aktuelle Gemeindekalender nennt hier unter anderem den Chindertreff und den Mittagstisch des Frauenvereins. Das historische Gebäude bleibt damit Teil des Alltags, auch wenn die Primarschule längst an einer anderen Adresse arbeitet.

Das Gmeinihus

Das schmale Gmeinihus steht ebenfalls im alten Ortskern. Sein Bau wird an den Anfang des 19. Jahrhunderts eingeordnet. Zwischen 1850 und 1872 beherbergte es zwei Armenwohnungen. Nach einem zwischenzeitlichen Verkauf erwarb die Gemeinde das Haus 1888 zurück und baute es zum Gemeindehaus um.

Mit dem Tor im unteren Geschoss, der erhöhten Eingangstreppe und der Verzierung unter dem Dach ist es ein charakteristischer kleiner öffentlicher Bau. Es steht seit 1985 unter kantonalem Schutz. Wer heute ein Anliegen an die Verwaltung hat, muss jedoch zum Schulweg 79: Dort befindet sich die aktuelle Gemeindeverwaltung.

Historisches Gmeinihus im Dorf Anwil
Das historische Gmeinihus von Anwil im März 2026. Die heutige Gemeindeverwaltung befindet sich am Schulweg. Foto: Zwantzig · CC BY-SA 4.0.

Von der Grenzlage zum heutigen Wohndorf

Anwil erscheint 1276 erstmals in einer schriftlichen Quelle. Im Mittelalter wechselten die Herrschaftsverhältnisse mehrfach. Über die Grafen von Alt-Homburg und habsburgische Herrschaft gelangte der Ort schrittweise an Basel: 1400 teilweise, 1534 vollständig. Er gehörte zum Amt Farnsburg und war ein Zollort.

Die Geschichte verlief nicht geradlinig. 1592 zerstörte ein grosser Brand Teile des Dorfes. 1634 wurde Anwil während des Dreissigjährigen Krieges von kaiserlichen Truppen geplündert. Auch am Bauernkrieg von 1653 waren Bewohner beteiligt.

Neben der Landwirtschaft gewann später die Seidenbandweberei als Heimarbeit Bedeutung. 1856 standen im Dorf 54 Bandwebstühle, 1908 waren es 87. Die Arbeit zu Hause verband die ländlichen Haushalte wirtschaftlich mit der Region Basel. Das erklärt, weshalb die Dorfgeschichte über die Landwirtschaft hinausgeht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zusätzliche Wohnhäuser, und das Pendeln zu Arbeitsplätzen ausserhalb gewann an Gewicht. Der heutige Ort verbindet landwirtschaftliche Betriebe und lokales Gewerbe mit dieser Wohnfunktion. Die historischen Häuser sind dabei keine museale Kulisse, sondern überwiegend genutzte Gebäude.

Schule und Zusammenleben

Anwil besitzt eine eigene Primarschule. Die aktuelle Klassenübersicht führt einen Kindergarten sowie die Doppelklassen 1/2, 3/4 und 5/6. Schuladresse ist der Schulweg 79. Das ist ein wichtiger Unterschied zu manchen Nachbardörfern, die ihre Primarstufen auf mehrere Orte verteilen.

Zur Schulorganisation gehören auch Informationen über Bibliothek und Unterricht im Wald. Für Familien sind die Angaben der Schule zu Stundenplänen, Eintritt und Ansprechpersonen die verlässlichste erste Adresse. Bei weiterführenden Schulen und Betreuungsfragen hilft die Gemeinde mit den für den jeweiligen Jahrgang geltenden Zuständigkeiten.

Das Dorfleben wird unter anderem durch Vereine und wiederkehrende Begegnungen getragen. Im Gemeindekalender finden sich 2026 sowohl Angebote für kleine Kinder als auch gemeinsame Mittagessen. Die Veranstaltungen sind ein praktischer Einstieg für Menschen, die neu nach Anwil ziehen: Datum, Anmeldung und Veranstaltungsort lassen sich dort aktuell nachsehen.

Die Gemeinde betreibt zudem einen digitalen Dorfplatz für den lokalen Austausch. Für amtliche Anliegen bleibt die Gemeindewebsite mit Verwaltungskontakt, Mitteilungen und Online-Angeboten zuständig. Die unterschiedlichen Kanäle erfüllen verschiedene Aufgaben: ein Inserat aus der Nachbarschaft ersetzt beispielsweise keine amtliche Bekanntmachung.

Anreise, Einkaufen und Verpflegung

Anwil hat keinen Bahnhof. Die Buslinie 102 verbindet den Ort mit Gelterkinden und führt weiter Richtung Kienberg. In Gelterkinden bestehen Bahnanschlüsse in Richtung Sissach, Basel und Olten. Innerhalb von Anwil sind insbesondere die Haltestellen Dorf, Ausserdorf und Talweiher für die Reiseplanung relevant.

Für einen Ausflug sollte die Rückfahrt schon vor dem Start geprüft werden. Gerade bei einer Wanderung, die im Tal endet, ist die passende Haltestelle wichtiger als die allgemeine Suche nach dem Ortsnamen. Der aktuelle Fahrplan berücksichtigt den konkreten Reisetag und die Anschlüsse.

Bei der Verpflegung sind ältere Internetverzeichnisse mit Vorsicht zu lesen. Das langjährige Restaurant Jägerstübli schloss Ende Juni 2024. Ein alter Eintrag mit Speisekarte oder Öffnungszeiten belegt daher keinen heutigen Betrieb. Für einen längeren Aufenthalt ist es sinnvoll, Verpflegung mitzubringen oder eine aktuell bestätigte Einkehr in der Umgebung zu planen.

Für grössere Einkäufe und zusätzliche Dienstleistungen orientiert sich das Dorf auch an den umliegenden Zentren. Wer nach Anwil ziehen möchte, sollte die eigenen Alltagswege deshalb konkret prüfen: Arbeitsort, Einkauf, Schule und Freizeit führen nicht zwangsläufig in dieselbe Richtung.

Ein Besuch mit Dorf und Natur

Ein guter erster Rundgang beginnt im Dorf bei den historischen Häusern. Das alte Schulhaus und das Gmeinihus geben dem Spaziergang zwei gut erkennbare Stationen. Anschliessend lässt sich der Besuch über die ausgeschilderten Wege mit der offenen Landschaft oder den Talweihern verbinden.

Die Jahreszeiten setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Im Frühling fallen die Obstbäume und Wiesen auf, im Sommer bieten die bewaldeten Talabschnitte einen anderen Eindruck als die sonnige Hochfläche. Im Herbst treten die Formen von Feldern und Waldrändern stärker hervor. Bei nassem Wetter verdienen die Wege am Hang besondere Aufmerksamkeit.

Für eine weitere Erkundung bieten sich Oltingen mit seiner Kirchenanlage und Wenslingen auf der benachbarten Hochfläche an. So lässt sich Anwil als Teil einer zusammenhängenden Landschaft verstehen: kleine Dörfer mit eigener Geschichte, verbunden durch Landwirtschaft, Schul- und Arbeitswege sowie die Natur des Tafeljuras.

Dienstleistungen aus dem Baselbiet

Hier findest du aktuelle Inserate von schweiz.work aus dem Kanton Basel-Landschaft, etwa für Handwerk, Garten und weitere Dienstleistungen.

Quellen und weiterführende Informationen

Redaktioneller Stand: Oktober 2026. Einwohnerzahl: 30. Juni 2026.