Auw
Auw und Rüstenschwil am Lindenberg: Maria Bernarda Bütler, Barockkirche, Josefskapelle, Besinnungsweg sowie Geschichte, Schule und Anreise.
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Auw liegt im oberen Freiamt am Fuss des Lindenbergs. Die Gemeinde besteht aus den beiden Dörfern Auw und Rüstenschwil, umgeben von landwirtschaftlichen Flächen und Wald. Ihr bekanntester Name führt weit über den Aargau hinaus: Die Ordensgründerin Maria Bernarda Bütler wurde hier geboren und 2008 heiliggesprochen. Kirche, Geburtshaus und Besinnungsweg erinnern an ihr Leben.
Daneben lohnt sich der Blick auf die bäuerliche Baukultur und die Landschaft. In Rüstenschwil stehen eine spätbarocke Kapelle und ein alter Speicher nahe beieinander. Zwischen den Ortsteilen und den Hängen des Lindenbergs lässt sich Auw als gewachsener ländlicher Ort kennenlernen, dessen heutiger Alltag auch von Schule, Gewerbe und einem regen Vereinsleben geprägt ist.
Auw auf einen Blick
| Kanton / Bezirk | Aargau / Muri |
|---|---|
| Ortsteile | Auw und Rüstenschwil |
| Bevölkerung | 2’340 am 30. Juni 2026 Ständige Wohnbevölkerung gemäss kantonaler Bevölkerungsstatistik |
| Fläche | 8,56 km² gemäss Gemeindeangabe |
| Höhenlage | 489 m ü. M.; Gemeindegebiet von 455 bis 788 m |
| Postleitzahl / BFS-Nr. | 5644 / 4223 |
| Bekannte Persönlichkeit | Maria Bernarda Bütler (1848–1924) |
| Gemeindeverwaltung | Bergstrasse 2, 5644 Auw auw.ch |
Zwei Dörfer am Lindenberg
Auw und Rüstenschwil bilden gemeinsam eine politische Gemeinde. Die beiden Siedlungen haben jedoch eigene historische Kerne. Wer nach Rüstenschwil möchte, sollte deshalb im Fahrplan und bei Adressen auch diesen Ortsnamen verwenden. Für Gemeindeangelegenheiten ist die gemeinsame Verwaltung in Auw zuständig.
Die Lage am Lindenberg bringt einen deutlichen Höhenunterschied innerhalb des Gemeindegebiets mit sich. Die Gemeinde nennt 192 Hektaren Wald bei einer Gesamtfläche von 856 Hektaren. Nachbarn sind Beinwil im Freiamt, Mühlau und Sins im Aargau sowie Hohenrain im Kanton Luzern. Damit liegt Auw auch an einer Kantonsgrenze, während sich viele Verbindungen des Alltags am oberen Freiamt orientieren.
Das Historische Lexikon der Schweiz beschreibt beide Ortsteile als lockere Haufendörfer. Diese gewachsene Siedlungsform und die landwirtschaftliche Umgebung sind wichtige Merkmale des Orts. Die Namen Auw und Rüstenschwil stehen deshalb im Porträt nebeneinander, auch wenn die Gemeinde nach dem grösseren Dorf benannt ist.
Die barocke Pfarrkirche St. Nikolaus
Am südlichen Rand des Dorfs Auw steht die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus. Eine Kapelle ist hier seit 1331 überliefert. Der heutige Kirchenbau entstand ab 1705 und wurde 1710 geweiht; 1718 kam die Vorhalle hinzu. Die Pfarrei selbst war bereits 1638 durch eine Vereinbarung mit dem Kloster Engelberg entstanden.
Der Innenraum wird wesentlich von seiner spätbarocken und spätrokokozeitlichen Ausstattung geprägt. Hochaltar, Seitenaltäre, Kanzel und Deckengemälde machen die Kirche auch für kunsthistorisch interessierte Besucher sehenswert. Bei einzelnen Malereien sind die Zuschreibungen nicht eindeutig; die Pfarrei nennt dafür mögliche Urheber, statt jeden Namen als gesichert darzustellen.
In dieser Kirche wurde Maria Bernarda Bütler getauft. Seit ihrer Heiligsprechung erinnert auch eine Reliquie an sie. Das Gebäude wurde wiederholt restauriert, zuletzt aussen im Jahr 2022. Die historische Aufnahme im Artikel zeigt den Innenraum im Jahr 2009; sie ist keine Dokumentation des jüngsten Bauzustands. Gottesdienste und Veranstaltungen veröffentlicht der Pastoralraum Oberes Freiamt.

Maria Bernarda Bütler und ihr Geburtshaus
Maria Bernarda Bütler kam 1848 in Auw zur Welt und erhielt den Taufnamen Verena. Mit 19 Jahren trat sie in das Kapuzinerinnenkloster Maria Hilf in Altstätten ein. 1888 reiste sie mit weiteren Schwestern nach Ecuador. Später wirkte sie auch in Kolumbien und gründete die Gemeinschaft der Franziskaner-Missionsschwestern von Maria Hilf.
Zu ihrem Wirken gehörten Schulbildung, Krankenpflege und die Unterstützung armer Menschen. Sie starb 1924 in Cartagena. Am 12. Oktober 2008 sprach Papst Benedikt XVI. sie heilig. Für Auw wurde dieses Ereignis zu einem wichtigen Moment der jüngeren Ortsgeschichte, an den mehrere Erinnerungsorte anknüpfen.
Ihr Geburtshaus am Bachweg 4 liegt nahe der Pfarrkirche. Es ist ein konkreter Bezugspunkt zu ihrer Kindheit im Dorf. Wer eine Wallfahrt oder eine Besichtigung plant, sollte die aktuellen Informationen der Gemeinde beziehungsweise der kirchlichen Ansprechpartner nutzen; aus der Bedeutung des Hauses ergibt sich keine allgemeine freie Zutrittsmöglichkeit.

Ein Besinnungsweg mit fünf Stationen
2009 wurde zu Ehren Maria Bernardas ein rund einen Kilometer langer Besinnungsweg eröffnet. Fünf gestaltete Objekte laden dazu ein, sich mit Themen ihres Lebens und mit dem eigenen Handeln auseinanderzusetzen. Dazu gehören eine begehbare Spirale und eine Darstellung des Pendelprinzips: Bewegungen wirken weiter und können andere Menschen erreichen.
Nach der Gemeinde richtet sich der Weg an unterschiedliche Altersgruppen und Konfessionen. Er verbindet damit einen religiösen Erinnerungsort mit einem kurzen Aufenthalt im Freien. Ein Situationsplan und Erläuterungen zu den Stationen stehen auf der offiziellen Seite zum Besinnungsweg. Die angegebene Länge beschreibt diesen Weg, nicht eine grössere Wanderung über den Lindenberg.
Rüstenschwil: Kapelle und Speicher
Die Kapelle St. Josef ist der wichtigste kirchliche Bau in Rüstenschwil. Bereits 1644 bestand hier eine Kapelle; der heutige Bau trägt am Portal jedoch das Jahr 1755. Diese Unterscheidung erklärt die beiden Jahreszahlen, die in Beschreibungen des Orts auftauchen.
Zur Innenausstattung von 1792 gehören das Stuckgewölbe und Fresken von Joseph Keller. Der Bau besitzt einen dreiseitig geschlossenen Chor und ein Zwiebeltürmchen. Die kantonale Denkmalpflege führt ihn als geschütztes Kulturgut. Neben der Kapelle steht ein Speicher von 1618, den die Gemeinde 2002 erwarb und sanierte. Gemeinsam vermitteln die beiden Bauten einen Eindruck vom religiösen und bäuerlichen Leben des Ortsteils.
Auch ausserhalb der Dorfkerne gibt es historische Spuren. Die Gemeinde nennt mehrere Wegkreuze und die sogenannte Reusseggmauer im Wald zwischen Auw und Reussegg. Diese Reihe grosser Findlinge gibt bis heute Rätsel auf. Ihr ursprünglicher Zweck ist nicht eindeutig geklärt; eine bestimmte prähistorische Funktion sollte deshalb nicht als erwiesene Tatsache erzählt werden.
Geschichte und wirtschaftlicher Wandel
Auw erscheint in mittelalterlichen Quellen als «Houva» und später als «Owe». Das Historische Lexikon der Schweiz nennt für «Houva» das Jahr 924. Die Gemeindechronik ordnet den zugrunde liegenden Fraumünster-Zinsrodel dagegen bereits dem späten 9. Jahrhundert zu. Sicher ist die lange Verbindung der Gegend mit klösterlichem Besitz, unter anderem von Muri und Engelberg.
Ein schwerer Einschnitt war der Dorfbrand vom 8. Februar 1715. Nach der Gemeindechronik gingen 43 Gebäude verloren; 25 Familien wurden obdachlos. Mit der Bildung des Kantons Aargau 1803 wurden Auw und Rüstenschwil zu einer Einwohnergemeinde verbunden. Die noch getrennten Bürgergemeinden wurden erst 1908 vereinigt.
Landwirtschaft, Obstdörrerei und Handwerk prägten die Erwerbsgeschichte. Heute gehören auch Industrie, Handel und Dienstleistungen dazu. Die Gemeindeübersicht weist für 2023 insgesamt 144 Arbeitsstätten mit 620 Beschäftigten aus. Zugleich ist der Ort gewachsen: Ende 2010 zählte die Gemeinde 1’684 Menschen, Ende 2025 waren es 2’330. Die kantonale Zahl für Mitte 2026 liegt bei 2’340.

Schule, Betreuung und Vereinsleben
Die Schule Auw führt Kindergarten sowie die Primarstufe bis zur sechsten Klasse. Die aktuelle Klassenübersicht zeigt jahrgangsgemischte Gruppen der ersten und zweiten, dritten und vierten sowie fünften und sechsten Klasse. Musikunterricht ist über die Musikschule Region Sins angebunden. Für Fragen zum Übertritt oder zu besonderen Förderangeboten ist die Schulverwaltung die passende Anlaufstelle.
Die modularen Tagesstrukturen ergänzen die Blockzeiten der Schule. Sie stehen Kindergarten- und Primarschulkindern während der Schulwochen zur Verfügung; die Schulferien sind ausdrücklich ausgenommen. Die Module sind kostenpflichtig und bedürfen einer Anmeldung. Aktuelle Unterlagen veröffentlicht die Gemeinde im Schulbereich.
Zu den örtlichen Vereinen gehören unter anderem die Brass Band, der Kirchenchor, die Theatergruppe, die Bäuerinnen und Landfrauen Auw-Rüstenschwil und der Verein Maria Bernarda. Hinzu kommen Angebote für Kinder und Familien sowie Sportvereine. Wer Anschluss sucht oder einen Anlass besuchen möchte, findet im kommunalen Vereinsverzeichnis und im Veranstaltungskalender die aktuellen Kontakte und Termine.
Anreise nach Auw und Rüstenschwil
Die beiden Ortsteile sind unterschiedlich an den öffentlichen Verkehr angebunden. Die ZVB-Linie 347 bedient in Auw die Haltestellen Oberdorf, Mitteldorf, Unterdorf und Altersheim und verbindet den Ort mit dem Bahnhof Sins. Für Rüstenschwil, Kreuzung nennt die Gemeinde die PostAuto-Linie 344 mit Verbindung Richtung Muri.
Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Sins und Mühlau. Für eine konkrete Fahrt sollte das tatsächliche Ziel gewählt werden: Ein Besuch der Pfarrkirche in Auw und ein Ausflug zur Josefskapelle in Rüstenschwil führen nicht zur gleichen Haltestelle. Die kommunale Verkehrsseite verlinkt die Betreiber und den aktuellen Fahrplan. Feste Reisezeiten oder einen durchgehenden Takt setzt dieses Porträt nicht voraus.
Quellen und weiterführende Informationen
Redaktionell geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerungsstand: 30. Juni 2026, kantonale ständige Wohnbevölkerung. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.
- Statistik Aargau: Bevölkerung der Gemeinden
- Zahlen / Fakten – Auw
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