Boswil
Boswil im Freiamt: Künstlerhaus, Alte Kirche, St. Pankraz und Feldenmoos. Mit Geschichte, Ortsmuseum, Schule, Kinderbetreuung und Anreise.
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Boswil liegt im Freiamt am Osthang des Lindenbergs und in der Ebene der Bünz. Das Dorf verbindet ein ländlich geprägtes Ortsbild mit Gewerbe, Schulen und einem Kulturort von überregionaler Bedeutung: dem Künstlerhaus rund um die Alte Kirche. Am 30. Juni 2026 lebten in der Gemeinde im Bezirk Muri 3’247 Menschen.
Zwei Kirchtürme geben Orientierung, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Die Alte Kirche gehört heute zum Musik- und Kulturleben, während die neugotische Pfarrkirche St. Pankraz weiterhin kirchlich genutzt wird. Hinzu kommen Ausflugsziele wie die Feldenmoos-Weiher und Wege durch die Bünzlandschaft.
Boswil auf einen Blick
| Kanton / Bezirk | Aargau / Muri |
|---|---|
| Bevölkerung | 3’247 am 30. Juni 2026 Ständige Wohnbevölkerung gemäss kantonaler Bevölkerungsstatistik |
| Gemeindefläche | 11,78 km²; davon 259 Hektaren Wald gemäss aktueller Gemeindeseite |
| Landschaft | Bünztal und Osthang des Lindenbergs |
| Weitere Siedlungen | Weissenbach und Sentenhof |
| Postleitzahl / BFS-Nr. | 5623 / 4228 |
| Gemeindeverwaltung | Zentralstrasse 12, 5623 Boswil boswil.ch |
| Bahnanschluss | Bahnhof Boswil-Bünzen |
Vom Lindenberghang in die Bünzebene
Die Gemeinde reicht vom Talboden in die Hänge des Lindenbergs. Zur historischen Besiedlung gehören die Bereiche um die Kirche und entlang des Wissenbachs. Ältere Holzhäuser erinnern an Landwirtschaft und Handwerk, während Bahnhof, Betriebe und neuere Wohnbauten andere Entwicklungsschichten sichtbar machen.
Zum Gemeindegebiet gehören auch Weissenbach, ein Weiler in einer Geländemulde bei Buttwil, und der Sentenhof, ein ehemaliger Gutsbetrieb des Klosters Muri. Beide liegen ausserhalb des eigentlichen Dorfkerns. Die Gemeinde lässt sich deshalb räumlich nicht auf den zusammenhängend bebauten Ort beschränken.
Für einen Besuch bieten sich verschiedene Ausgangspunkte an: der Bahnhof für einen Gang zu den Kirchen, das Dorfzentrum für einen Blick auf die ältere Bebauung oder die höher gelegene Landschaft für eine längere Wanderung. Die Karte zeigt den Zusammenhang zwischen Boswil, dem Lindenberg und der offenen Ebene.
Alte Kirche und Künstlerhaus
Die Alte Kirche steht auf einem Moränenhügel am Dorfrand. Ihr Turm mit dem steilen Satteldach unterscheidet sich deutlich vom hohen Spitzhelm der jüngeren Pfarrkirche. Das Ensemble gehört heute zum Künstlerhaus Boswil an der Flurstrasse 21.

1953 gründeten Willy Hans Rösch und Albert Rajsek eine Stiftung, um die Alte Kirche und das frühere Pfarrhaus zu erhalten und ein Heim für betagte, mittellose Kunstschaffende einzurichten. Benefizveranstaltungen halfen, das Vorhaben zu finanzieren. Zu den Unterstützenden gehörten etwa Pablo Casals, Clara Haskil und Yehudi Menuhin.
1960 zogen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner ein. Gleichzeitig entwickelte sich ein Betrieb mit Veranstaltungen, Kursen und künstlerischem Austausch. Nach dem Tod der letzten Pensionärin 1991 wurde die Ausrichtung neu bestimmt: Aus dem Künstlerheim entstand ein Künstlerhaus mit einem breiteren Kulturprogramm.
Heute bildet Musik den Schwerpunkt. Das Programm umfasst die Boswiler Meisterkonzerte, Kinderkonzerte und das Festival Boswiler Sommer. Die Akademie bietet Weiterbildung für professionelle und nichtprofessionelle Musikerinnen und Musiker. Mit dem Jugendorchester Freiamt und dem Jugend-Sinfonieorchester Aargau sind auch zwei Nachwuchsorchester am Ort verankert.
Die Nutzung der historischen Gebäude lässt sich damit am besten bei einer Veranstaltung erleben. Für einen Konzertbesuch sind Programm und Ticketangaben des Künstlerhauses massgebend. Ein spontaner Rundgang durch das Dorf und ein geplanter Konzertabend ergänzen einander, verlangen aber unterschiedliche Zeitplanung.
Die Pfarrkirche St. Pankraz
Die heutige Pfarrkirche entstand, als die ältere Kirche für die Gemeinde zu klein geworden war. Der Solothurner Architekt Wilhelm Tugginer entwarf den neugotischen Neubau im Oberdorf. Bischof Leonhard Haas weihte ihn am 21. Oktober 1890 ein.

Der hohe Turm, die Spitzbogenfenster und die grossen gegliederten Fassaden setzen im Dorfbild einen anderen Akzent als die Alte Kirche. Die Aufnahme vom Mai 2017 zeigt die Längsseite des Gebäudes und den schlanken Turm. Von den Hängen oberhalb des Dorfes ist die Kirche ebenfalls ein auffälliger Bezugspunkt.
Die Geschichte beider Kirchen bleibt miteinander verbunden. Nach dem Neubau wurde die ältere Anlage schliesslich einer anderen Nutzung zugeführt. Der Glasmaler Richard Arthur Nüscheler verwendete sie als Atelier, bevor daraus der spätere Kulturort wurde. Boswil besitzt so zwei nahe beieinanderliegende Zeugnisse derselben Pfarreigeschichte mit heute unterschiedlichen Aufgaben.
Feldenmoos, Bünz und Wege ins Freiamt
Das Feldenmoos ist ein Ausflugsziel mit drei Weihern. Der Fischerverein Boswil ist Pächter der Anlagen und der Fischenz. Rund um die Weiher stehen Bänke; am ersten Weiher gibt es zwei Feuerstellen und einen grossen Steintisch. Die Anlage eignet sich damit für einen Spaziergang mit einer längeren Pause.

Die Aufnahme von 2023 zeigt zwei Stockenten auf einem der Gewässer. Spiegelungen, Uferpflanzen und Gehölze vermitteln den geschützten Charakter dieses kleinen Landschaftsraums. Zum Angeln ist er jedoch nicht allgemein freigegeben: Der Verein erlaubt das Fischen nur Mitgliedern mit gültiger Angelkarte.
Weitere Wege führen entlang der Bünz und auf den Freiämterweg. Die Gemeinde nennt die Kneippanlage Chlostermatte als örtliches Erholungsangebot. Für einen Familienausflug verweist sie zudem auf das benachbarte Murimoos mit Tieren und Spielmöglichkeiten. Dieses regionale Ziel ist vom eigentlichen Dorfspaziergang zu unterscheiden.
Wer vor allem Landschaft erleben möchte, kann den Aufenthalt zwischen Talboden und Hang aufteilen. Unten dominieren Bünz und offene Flächen; in Richtung Lindenberg verändert sich das Gelände. Für Feuerstellen und Aufenthaltsplätze sind die jeweils angeschlagenen Regeln und die aktuelle Waldbrandlage zu beachten.
Geschichte eines geteilten Dorfes
Die erste schriftliche Nennung Boswils wird auf den Zeitraum 874 bis 887 datiert. Bedeutender Grundbesitz gehörte dem Zürcher Fraumünster. Dessen Kelnhof bildete ein wirtschaftliches und gerichtliches Zentrum. Später prägten die Habsburger und das Kloster Muri die örtlichen Herrschaftsverhältnisse.
1415 kam Boswil unter eidgenössische Herrschaft. Besonders einschneidend war die Neuordnung nach dem Zweiten Villmergerkrieg von 1712. Eine gerade Grenzlinie zwischen der Kirche Lunkhofen und dem Hochgericht Fahrwangen trennte die Oberen von den Unteren Freien Ämtern. Sie verlief mitten durch Boswil und brachte unterschiedliche Zuständigkeiten innerhalb des Dorfes mit sich.
Die Gemeindechronik nennt erhaltene Marchsteine, unter anderem bei der Burlistrasse, vor dem Gasthof Sternen und in der Nähe der Salve-Regina-Kapelle. Diese unscheinbaren Objekte machen eine politische Grenze sichtbar, die auf heutigen Strassenkarten nicht mehr als Gemeindegrenze erscheint.
Auch die Landschaft wurde stark verändert. Zwischen 1870 und 1882 wurde das Bünzermoos entwässert; später wurde dort Torf gewonnen, während der Weltkriege auch in grösserem Massstab. 1875 erhielt Boswil Anschluss an die Südbahn. Landwirtschaft, Verkehr und neue Betriebe veränderten damit gemeinsam die Erwerbsstruktur und den Talraum.
Ortsmuseum und Kultur im Dorf
Der Kulturverein Boswil sammelt und bewahrt Gegenstände, Fotos und Dokumente mit örtlichem Bezug. Im Dorfmuseum zeigt er eine Auswahl dieser Bestände. Für eine Besichtigung bittet der Verein um Terminvereinbarung oder um einen Besuch während seiner veröffentlichten Öffnungszeiten.
Der Verein entstand 2004 aus den Kommissionen «Geschichte Boswil» und «Alt Boswil», die bereits zuvor tätig gewesen waren. Neben der Sammlung gehören Publikationen, die Erforschung lokaler Ereignisse und die Pflege des Brauchtums zu seinen Aufgaben. Das Museum ergänzt die sichtbaren Bauten um Geschichten des früheren Alltags.
Die kommunale Kulturübersicht nennt ausserdem das Chillout und das Bahnhöfli Pub als Veranstaltungsorte. Das Spektrum reicht damit über die klassische Musik hinaus. Für konkrete Veranstaltungen lohnt sich der Blick in die jeweiligen Programme und den Gemeindekalender.
Schule und familienergänzende Betreuung
Boswil führt Kindergarten, Primarschule sowie Real- und Sekundarschule. Die Schule übernimmt auch regionale Aufgaben: Kinder und Jugendliche aus Besenbüren, Bünzen und Kallern besuchen hier die Einschulungsklasse beziehungsweise die Oberstufe. Die Bezirksschule liegt in Muri.
Die Schule beschreibt sich mit rund 390 Schülerinnen und Schülern und etwa 50 Lehrpersonen. Diese Angaben verdeutlichen ihre Bedeutung über die eigene Gemeinde hinaus. Für Stundenpläne, Klassenorganisation und aktuelle Mitteilungen ist der Schulbereich der Gemeindewebsite zuständig.
Die Spieloase bietet in Boswil sowohl Kleinkinderbetreuung als auch einen Hort. Im Hort werden Kindergarten- und Schulkinder vor, zwischen und nach den Unterrichtsstunden betreut. Gemeinde und Anbieter nennen eine für Eltern kostenlose Randstundenbetreuung von 6 bis 9 Uhr; Mittagstisch und Nachmittagsbetreuung sind gesonderte, kostenpflichtige Angebote.
Der Hort beschreibt eine Betreuung am Nachmittag bis 18 Uhr und buchbare Ganztagesangebote während der Schulferien. Für Anmeldung, freie Plätze und die tatsächlich benötigten Module ist direkt mit dem Anbieter zu planen. Ergänzend vermittelt die Familienberatung des Bezirks Muri Tagesfamilien. Die Gemeinde veröffentlicht Unterlagen zu möglichen Betreuungsbeiträgen.
Anreise und praktischer Besuch
Der Bahnhof heisst Boswil-Bünzen. Von dort nennt das Künstlerhaus einen Fussweg von ungefähr zwölf Minuten zur Alten Kirche. Braune Wegweiser führen zur Anlage; an der Flurstrasse steht unterhalb der Kirche ein Parkplatz zur Verfügung.
Für Gäste mit eingeschränkter Mobilität beschreibt das Künstlerhaus einen Zugang zur Kirche über einen Kiesweg und bietet Unterstützung nach Kontaktaufnahme an. Wer einen Konzertabend plant, kann die Anreise mit einem vorherigen Rundgang zu den beiden Kirchen verbinden. Für Feldenmoos oder die weiter entfernten Weiler sollte zusätzliche Zeit eingeplant werden.
Quellen und weiterführende Informationen
Redaktionell geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerungsstand: 30. Juni 2026, kantonale ständige Wohnbevölkerung. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.
- Statistik Aargau: Bevölkerung der Gemeinden
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