Gonten
Volksmusik im Roothuus, Barfussweg durchs Gontenmoos und Kronbergbahn: Gonten mit Gontenbad und Jakobsbad entdecken.
Aktualisiert am

In diesem Artikel
In Gonten liegen Volksmusikarchiv, Moorlandschaft und Bergbahn im selben Hochtal. Das Dorf im Westen von Appenzell Innerrhoden bildet mit Gontenbad, Jakobsbad und verstreuten Höfen den Bezirk Gonten. Zwischen Hundwiler Höhe und Kronberg lässt sich der Ort zu Fuss und mit der Bahn erschliessen: vom Roothuus im Dorfkern über den Barfussweg bis zur Talstation in Jakobsbad.
Gonten ist zugleich Wohnort, Landwirtschaftsgebiet und Ausflugsziel. Wer nur zur Kronbergbahn fährt, sieht deshalb nur einen Teil des Bezirks. Für einen breiteren Eindruck lohnen sich auch das Dorf, die Geschichte des Torfabbaus und die Quellenlandschaft von Gontenbad.
Gonten auf einen Blick
| Kanton | Appenzell Innerrhoden (AI) |
|---|---|
| Verwaltungseinheit | Bezirk Gonten; entspricht der politischen Gemeinde |
| BFS-Nummer | 3102 |
| Einwohnerbestand | 1’473 am 31. Dezember 2025, kantonale Einwohnerkontrolle |
| Ortschaften | Gonten, Gontenbad und Jakobsbad; ausserdem Rapisau und Streusiedlungen |
| Verwaltung | Loretto 8a, 9108 Gonten · gonten.ch |
Der kantonale Einwohnerbestand schliesst Asylsuchende und Personen mit Schutzstatus S ein. Er ist nicht mit der ständigen Wohnbevölkerung nach BFS STATPOP gleichzusetzen.
Ein Hochtal mit drei verschiedenen Mittelpunkten
Das Strassendorf Gonten liegt zwischen den beiden Weilern: östlich Gontenbad in Richtung Appenzell, westlich Jakobsbad in Richtung Urnäsch. Im Dorf bündeln sich Schule, Kirche und Kultur. Gontenbad verbindet Mineralquelle, Gewerbe und Alterszentrum; Jakobsbad ist Ausgangspunkt zum Kronberg und Standort des Klosters Leiden Christi.
Zum politischen Bezirk gehört auch Rapisau nahe Appenzell. Schul- und Kirchgemeinde Gonten haben dort andere Grenzen. Diese Unterscheidung ist für Zugezogene wichtig: Aus einer Bezirkszugehörigkeit folgt nicht automatisch dieselbe Zuständigkeit für Schule und Pfarrei.
Im Roothuus wird Musik gesammelt – und weitergespielt
Das Roothuus Gonten an der Dorfstrasse 36 ist das Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik. Es bewahrt Noten, Instrumente, Bilder und Tonaufnahmen, erforscht mündliche Überlieferungen und vermittelt das Material in Kursen, Führungen und Konzerten. Die öffentlich zugängliche Onlinesammlung reicht über mehrere Jahrhunderte. Wer eine Melodie nachschlagen oder die Instrumentierung einer Kapelle verstehen möchte, kann damit schon vor dem Besuch beginnen.
Auch das Haus selbst verdient Aufmerksamkeit. Es stammt aus den 1760er-Jahren; im barocken Festsaal sind gemalte Säulen und Landschaftsmotive zu sehen. Sein Name erinnert an den einst roten Fassadenanstrich. Das Roothuus bietet Führungen an, darunter ein interaktives Angebot für Kinder und Jugendliche. Für einen Innenbesuch sind die aktuellen Besuchs- und Veranstaltungshinweise des Roothuus massgebend.
Gontenmoos und Barfussweg
Der Barfussweg Jakobsbad–Gonten–Gontenbad macht die Talsohle unmittelbar erfahrbar. Appenzellerland Tourismus beschreibt ihn mit 5,30 Kilometern, 69 Metern Aufstieg und 83 Metern Abstieg; die angegebene reine Wanderzeit beträgt 1½ Stunden. Wiesen, Wasser und kurze befestigte Abschnitte wechseln sich ab. Der Weg ist als T1 eingestuft, aber nicht kinderwagentauglich.

Beim «Toobeschopf» erinnern Werkzeuge und Bilder an den früheren Torfabbau im Gontenmoos. Dazu kommt ein Kneipp-Armbad. Im Dorf kann man die Wanderung beim Fusswaschbrunnen am Bahnhof unterbrechen. Die Tour lässt sich in beiden Richtungen gehen; für die Rückfahrt dienen die Appenzeller Bahnen. Auf dem ausgeschilderten Weg bleiben: Die angrenzenden Wiesen werden bewirtschaftet, und der Golfplatz ist kein Durchgangsweg. Route und Hinweise des Tourismusverbands.
Gontenbad: Quelle, Arbeitsort und Alterszentrum
In Gontenbad wird Mineralwasser abgefüllt. Die Goba bietet Betriebsbesichtigungen an; Teilnahme und Anmeldung richten sich nach dem aktuellen Angebot. Der Quellenstandort ist dadurch auch ein Zugang zur lokalen Wirtschaft. Kunst begegnet hier Technik: Roman Signers «Kleiner Wagen» im Denkhaus reagiert auf vorbeifahrende Züge der Appenzeller Bahnen. Die Installation wurde 2023 eingeweiht; laut Goba kann man sie während der Bürozeiten innen und durch das Fenster auch von aussen betrachten.

Das Alterszentrum Gontenbad hat eine andere Geschichte. Die Stiftung kaufte 1933 das frühere Kurhaus und nahm Anfang 1934 den Altersheimbetrieb auf. Das später wieder eingerichtete Natur-Moorbad wurde 2013 geschlossen. Es sollte deshalb nicht als heute zugängliches öffentliches Bad eingeplant werden. Die Stiftung konzentriert sich auf Wohnen und Betreuung im Alter. Geschichte des Alterszentrums.
Jakobsbad und der Kronberg
In Jakobsbad treffen Bahn, Luftseilbahn und Freizeitangebote zusammen. Die Kronbergbahn erschliesst den Berg; bei der Talstation liegen Bobbahn, Zipline-Park und Märliwelt. Das sind verschiedene Angebote mit eigenen Betriebsbedingungen. Vor der Anreise lohnt sich deshalb der Blick auf Betriebszustand und Öffnungszeiten, besonders bei wechselhaftem Wetter oder ausserhalb der Hauptsaison.

Einen ruhigeren Bezugspunkt bildet das Kloster Leiden Christi. Rosa Bättig gründete es 1851. Die Kapuzinerinnen stellen seit dem frühen 20. Jahrhundert eigene Kräuterprodukte her. Heute informiert die Gemeinschaft über Gottesdienste und den Klosterladen. Die Kirche und der Laden sind Besuchsziele; daraus ergibt sich kein freier Zugang zu den Wohn- und Klausurräumen. Informationen des Klosters.
Vom Einzelhofgebiet zum Dorf an der Bahn
Gonten erscheint um 1200 als «Gumbton» in den schriftlichen Quellen. Das ist eine Erstnennung, kein Gründungsdatum. Lange blieb die Gegend durch einzelne landwirtschaftliche Höfe geprägt; um 1800 zählte der Siedlungskern erst 21 Häuser. Die heutige neugotische Kirche St. Verena entstand 1863–1865. Die Pfarrei war bereits 1647 von Appenzell selbstständig geworden.
Der politische Bezirk entstand nach der kantonalen Neuordnung 1873 aus Gebieten der Rhode Gonten sowie der Halbrhoden Stechlenegg und Rinkenbach. Der Bahnanschluss 1886 und die 1963–1964 gebaute Kronbergbahn verbesserten die Erreichbarkeit. Gras- und Milchwirtschaft, Handstickerei als früherer Nebenerwerb und Holzverarbeitung zeigen, dass die Ortsgeschichte weit mehr umfasst als den Tourismus.
Schule, Dorfleben und Winterfreizeit
Die Schule Gonten führt Kindergarten und Primarschule; weiterführende Schulen liegen in Appenzell. Der betreute Mittagstisch steht auch Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschülern offen. Das Essen kommt aus der Küche des Alterszentrums Gontenbad. Familien sollten Anmeldung, Schulgrenzen und allfällige Transportfragen direkt mit der Schule klären.
Zum örtlichen Jahreslauf gehören Dorfchilbi, Fasnacht und Fronleichnam. Musik-, Sport- und andere Vereine tragen das gesellschaftliche Leben. Die Vereinsübersicht des Bezirks hilft beim Einstieg. Landwirtschaft, Holzverarbeitung und Baugewerbe gehören zu den örtlichen Arbeitsfeldern; daneben stehen Tourismus und auswärtige Arbeitsplätze.
Im Winter bietet der Loipe-Club Gonten klassische Loipen und Skatingstrecken sowie Vermietung und Unterricht an. Entscheidend ist der veröffentlichte Spur- und Betriebszustand. Eine sommerliche Wanderroute wird durch Schnee nicht automatisch zur präparierten Winterroute. Als redaktioneller Vorschlag für einen ersten Besuch eignet sich deshalb ein einfacher Schwerpunkt: Dorf und Roothuus bei Kulturinteresse, Barfussweg in der passenden Jahreszeit oder Jakobsbad mit einem vorher geprüften Bergbahnangebot.
Mit der Bahn durchs Tal
Gonten, Gontenbad und Jakobsbad liegen an der Strecke Gossau–Herisau–Appenzell–Wasserauen der Appenzeller Bahnen. Wer mehrere Orte besuchen möchte, kann die Bahn mit einzelnen Fusswegen verbinden. Fahrplan, mögliche Bauarbeiten und Zugänglichkeit der Haltestellen sind vor der Fahrt bei den Appenzeller Bahnen oder im SBB-Fahrplan zu prüfen. Für Bezirksangelegenheiten ist die Verwaltung in Gonten zuständig; ihre Website veröffentlicht auch Unterlagen und Ergebnisse der Bezirksgemeinde.
Quellen und weitere Informationen
Redaktionell geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerung: kantonaler Einwohnerbestand am 31. Dezember 2025.