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Grellingen

Grellingen an der Birs: das Chessiloch mit seinem Wappenfels, Wege ins Chaltbrunnental und die Geschichte von Papier, Seide und Eisenbahn. Mit Fotos und Karte.

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Häuser von Grellingen oberhalb der Birsbrücke
Blick von der Birsbrücke in Grellingen, Juli 2013. Foto: Michielverbeek · CC BY-SA 3.0.

Grellingen liegt an der Birs im östlichen Laufental. Das Dorf verbindet eine lange Industriegeschichte mit einem ungewöhnlichen Ausflugsziel: Im Chessiloch hinterliessen Soldaten während des Ersten Weltkriegs farbige Wappen an den Felsen. Vom Bahnhof gelangt man in den alten Ortskern, zu den Uferwegen und weiter ins Chaltbrunnental oder auf die bewaldeten Jurahöhen.

Wer Grellingen nur vom Zugfenster kennt, sieht einen Teil des Orts: Bahnlinie, Gewerbe und Birs liegen nahe beieinander. Darüber stehen die Kirche und Wohnhäuser am Hang. Diese verschiedenen Ebenen erzählen, wie aus einem bäuerlichen Dorf ein Industrieort und schliesslich eine Wohngemeinde mit guter Verbindung nach Basel und Laufen wurde.

Grellingen auf einen Blick

Kanton und BezirkBasel-Landschaft · Laufen
Postleitzahl4203
Bevölkerung2'015, Stand 30. Juni 2026
Gemeindeflächerund 3,3 km²
GewässerBirs
Erste Erwähnung1274 als Grellingen
GemeindeverwaltungBaselstrasse 6, 4203 Grellingen
Offizielle Websitegrellingen.ch

Zwischen Flusstal und Jurahängen

Grellingen liegt westlich von Duggingen und östlich des eigentlichen Laufener Beckens. Die Birs durchquert den Talraum, während sich die bebauten Flächen auch an den Hängen ausbreiten. Zu den Nachbargemeinden gehören Brislach, Duggingen, Nenzlingen und Pfeffingen sowie das solothurnische Himmelried.

Damit befindet sich Grellingen an einer kantonalen Kontaktzone. Ein Waldspaziergang kann rasch aus dem Baselbiet ins Schwarzbubenland führen. Für die Orientierung helfen die Birs im Tal und die Eggflue oberhalb der Siedlung; die Gemeindegrenzen sind in der Landschaft weniger offensichtlich.

Wasser, Strasse und Eisenbahn beanspruchen den engen Talboden gemeinsam. Das erklärt sowohl die früheren Fabrikstandorte als auch die Bedeutung der Verkehrswege. Auf den höher gelegenen Wegen verändert sich der Eindruck deutlich: Dort treten Wald, Fels und der Blick über das Laufental in den Vordergrund.

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Ein Dorf mit mehreren politischen Zugehörigkeiten

Die schriftliche Ortsgeschichte beginnt 1274. Siedlungsspuren sind wesentlich älter: Beim Wachtfels wurden Hinterlassenschaften aus der späten Altsteinzeit und der Mittelsteinzeit entdeckt. Auch römische Mauerreste sind überliefert. Menschen nutzten diesen Talraum somit lange vor der Entstehung der heutigen Gemeinde.

Im Mittelalter gehörte Grellingen zum Herrschaftsbereich des Basler Bischofs und zur Vogtei Pfeffingen. Nach dem Ende der alten fürstbischöflichen Ordnung kam es 1793 unter französische Herrschaft. 1815 wurde das Laufental dem Kanton Bern zugeteilt.

Seit dem 1. Januar 1994 gehört Grellingen mit dem Bezirk Laufen zu Basel-Landschaft. Wer in älteren Dokumenten eine bernische Gemeinde Grellingen findet, hat deshalb nicht den falschen Ort vor sich. Der Kantonswechsel ist ein wesentlicher Teil der jüngeren Ortsgeschichte.

Wie die Birs Grellingen zum Industrieort machte

Die Kraft des Wassers wurde schon früh genutzt. Mühlen und eine Säge sind für das späte 16. und frühe 17. Jahrhundert belegt. Die Birs war damit nicht bloss ein Hindernis, das überquert werden musste, sondern eine wirtschaftliche Grundlage.

Im 19. Jahrhundert kamen grössere Betriebe hinzu. 1860 entstand die Papierfabrik, 1864 eine Florettspinnerei. Florettseide wird aus kürzeren Seidenfasern hergestellt, die beim Verarbeiten der Kokons anfallen. Die örtliche Textilgeschichte unterschied sich damit von der Seidenbandweberei vieler Dörfer im oberen Baselbiet.

Die Fabriken schufen Arbeitsplätze und veränderten das Dorf. Um 1900 entstanden Arbeiterwohnungen. Der Alltag orientierte sich zunehmend an industriellen Arbeitszeiten, während Bahnanschluss und Güterverkehr für die Versorgung der Betriebe wichtig wurden.

Die Spinnerei stellte ihren Betrieb 1972 ein. Auch die frühere Papierproduktion gehört inzwischen zur Geschichte. Gebäude und Anlagen bleiben jedoch wichtige Spuren dieser Entwicklung. Sie helfen zu verstehen, weshalb Grellingen dichter und industrieller geprägt ist als manche benachbarte Hanggemeinde.

Grünes Industriegebäude der früheren Papierfabrik hinter Bäumen
Gebäude der früheren Papierfabrik in Grellingen, April 2022. Foto: EinDao · CC BY-SA 4.0.

Fluss, Stau und Trinkwassergeschichte

Die industrielle Nutzung veränderte auch die Birs selbst. Beim Kraftwerk der Papierfabrik entstand 1945 ein Staubereich. Ruhigere Wasserflächen und stärker strömende Abschnitte liegen deshalb in diesem Talraum nahe beieinander.

Eine weitere Verbindung führt nach Basel: Seit 1865 wurde Wasser aus dem Grellinger Gebiet zur Versorgung der Stadt genutzt. Die Gemeinde war somit nicht nur über Bahn und Warenverkehr mit dem städtischen Zentrum verbunden, sondern auch durch eine grundlegende Infrastruktur des Alltags.

Heute lässt sich die Flusslandschaft besonders gut zu Fuss wahrnehmen. Brücken bieten Einblicke in den Lauf der Birs; Uferwege verbinden bebaute und grünere Abschnitte. Kraftwerksanlagen und Wehre sind dabei keine Badeplätze. Wer ans Wasser möchte, beachtet die örtlichen Hinweise und die aktuellen Verhältnisse.

Das Chessiloch und sein Wappenfels

Das bekannteste historische Ausflugsziel liegt beim Chessiloch. Während des Ersten Weltkriegs bewachten hier Truppen die wichtigen Eisenbahnbrücken. In ihrer freien Zeit bemalten Soldaten die Felsen mit Kantons- und Truppenwappen sowie weiteren Darstellungen.

So entstand ein Denkmal, das sich deutlich von einem einzelnen Standbild auf einem Platz unterscheidet. Seine Bilder gehören unmittelbar zum Fels und zum Ort des damaligen Wachdiensts. Die Wappen erzählen von den Einheiten und Herkunftsregionen der Männer, die hier stationiert waren.

Auch im Zweiten Weltkrieg wurden die Verkehrsverbindungen bewacht. Für den Besuch lohnt es sich, die militärgeschichtliche Bedeutung mit der Landschaft zusammenzudenken: Gerade die Bündelung von Flussquerungen und Bahnstrecke machte diesen Punkt strategisch wichtig.

Zum Chessiloch gehören Felsüberhänge und geschützte Nischen. Die folgende Aufnahme zeigt einen solchen Landschaftsausschnitt; die berühmten bemalten Wappen sind darauf nicht abgebildet. Vor Ort sollte man die Malereien aus respektvollem Abstand betrachten und die Felsflächen nicht berühren.

Felsüberhang mit einer niedrigen Steinmauer im Chessiloch
Felsüberhang im Chessiloch bei Grellingen, Juni 2006. Die Aufnahme zeigt einen Landschaftsausschnitt, nicht die Wappenmalereien. Foto: Roland Zumbühl · CC BY-SA 3.0.

Durch das Chaltbrunnental und hinauf zur Eggflue

Vom Chessiloch aus lässt sich ein Ausflug ins Chaltbrunnental verbinden. Der schattige Bachraum, Felsen und Wald geben der Wanderung einen anderen Charakter als den offenen Höhenwegen. Höhlen und Überhänge machen ausserdem verständlich, weshalb das Gebiet für die Urgeschichtsforschung interessant ist.

Eine mögliche Fortsetzung führt in Richtung Meltingerbrücke und weiter ins Schwarzbubenland. Wer eine Streckenwanderung plant, sollte den Rückweg oder eine Busverbindung vorab festlegen. Ein Spaziergang mit Rückkehr nach Grellingen lässt sich dagegen an Zeit und Kondition anpassen.

Die Eggflue ist ein anderes Ausflugsziel: Hier geht es um den Aufstieg und die Aussicht über die Region. Die Gemeinde nennt daneben Wege in Richtung Pfeffingen, Nenzlingen und zu den Rebhängen bei Blauen. Für solche Touren sind die markierten Wanderwege die bessere Grundlage als eine direkte Linie auf der Karte.

St. Laurentius über dem Dorf

Die katholische Kirche St. Laurentius wurde 1835 errichtet. Ihr heller Baukörper und der Turm setzen einen deutlichen Akzent über dem Tal. Die Lage macht sie zu einem guten Orientierungspunkt beim Rundgang.

Die kirchliche Geschichte reicht über das Gebäude hinaus. Grellingen gehörte lange zur Pfarrei Pfeffingen und wurde 1845 eine eigene Pfarrei. Zwischen 1874 und 1935 bestand eine gemeinsame kirchliche Organisation mit Duggingen und Nenzlingen.

Ein Besuch im Umfeld der Kirche lässt sich mit dem alten Dorf und den Verbindungen hinunter zur Birs kombinieren. Dabei fällt auf, wie eng unterschiedliche Nutzungen beieinanderliegen: Wohnen, Verkehr, ehemalige Industrie und kirchliches Zentrum lassen sich innerhalb eines überschaubaren Ortsraums erkunden.

Kirche St. Laurentius mit heller Fassade und Treppenaufgang
Kirche St. Laurentius in Grellingen, Juli 2013. Foto: Michielverbeek · CC BY-SA 3.0.

Die Eisenbahn und der Weg aus dem Durchgangsverkehr

Am 23. September 1875 wurde die Bahnverbindung durch das Birstal eröffnet. Sie brachte Grellingen einen Anschluss an die Strecke Basel–Delémont und band die örtliche Industrie an überregionale Märkte an. Die Linie war zeitweise auch für internationale Verbindungen von Bedeutung.

Mit der Eröffnung des Grenchenbergtunnels 1915 veränderten sich die grossräumigen Verkehrsströme. Für Grellingen blieb die Bahn trotzdem zentral. Heute ist sie vor allem für den Alltag zwischen Wohnort, Arbeitsplatz, Ausbildung und den grösseren Zentren wichtig.

Eine zweite Entlastung brachte der Strassenbau: Im Mai 1999 wurde der Umfahrungstunnel eröffnet. Ein erheblicher Teil des Durchgangsverkehrs konnte damit am Dorf vorbeigeführt werden. Die enge Ortslage und ihre Verkehrsgeschichte lassen sich ohne diesen Wandel kaum richtig einordnen.

Für die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr ist «Grellingen» das Bahnziel. Die aktuellen Verbindungen stehen im SBB-Fahrplan. Bei Wanderungen über die Höhen empfiehlt sich zusätzlich eine Suche nach dem vorgesehenen Zielort, damit die Rückfahrt nicht erst unterwegs geklärt werden muss.

Schule, Freizeit und Informationen aus dem Dorf

Kindergarten und Primarschule befinden sich in Grellingen. Für die Sekundarschule orientiert sich die Gemeinde nach Zwingen, für das Gymnasium nach Laufen. Familien finden die aktuellen Angaben zum örtlichen Unterricht bei der Schule Grellingen.

Beim Greslyhof gibt es Möglichkeiten für Bewegung und Begegnung, darunter eine Finnenbahn, Beachvolleyball und einen Spielplatz. Das ergänzt die ausgedehnten Wandergebiete um Angebote nahe am Dorf.

Das Eggflue-Echo informiert über das Gemeindeleben. Für amtliche Geschäfte, Veranstaltungen und aktuelle Mitteilungen ist die Gemeindewebsite die erste Anlaufstelle. Die Verwaltung befindet sich an der Baselstrasse 6.

Angebote aus dem Baselbiet

Wer Unterstützung für Haus, Garten oder andere Arbeiten sucht, findet hier Inserate aus dem Kanton Basel-Landschaft. Die Angebote können auch aus benachbarten Gemeinden stammen.

Häufige Fragen zu Grellingen

Wofür ist Grellingen bekannt?

Besonders bekannt ist das Chessiloch mit seinem Wappenfels. Zur Identität des Orts gehören ausserdem die Birs, die frühere Papier- und Seidenindustrie sowie der Bahnhof an der Strecke Basel–Delémont.

Gehört Grellingen zu Bern oder Baselland?

Heute gehört Grellingen zu Basel-Landschaft. Von 1815 bis Ende 1993 war es eine bernische Gemeinde; der Wechsel erfolgte gemeinsam mit dem Laufental.

Kann man vom Bahnhof aus wandern?

Ja. Grellingen eignet sich als Ausgangspunkt für Wege zum Chessiloch, ins Chaltbrunnental und auf die umliegenden Höhen. Je nach Route kommen deutliche Steigungen hinzu.

Quellen und weiterführende Informationen