Haut-Intyamon
Vier Dörfer im oberen Saanetal: Lessocs Brunnen, Montbovons Bahnen und Wasserkraft, Albeuve und Neirivue. Mit Karte, Geschichte, Schule und Wanderung.
Aktualisiert am

In diesem Artikel
Haut-Intyamon verbindet vier Dörfer im oberen Saanetal: Albeuve, Lessoc, Montbovon und Neirivue. Der gedeckte Brunnen von Lessoc, der Bahnknoten Montbovon und die nach grossen Bränden wiederaufgebauten Dörfer Albeuve und Neirivue geben der Gemeinde sehr unterschiedliche Gesichter. Zwischen ihnen liegen Wiesen, Flussläufe und historische Brücken; an den Hängen führen Wege zu den höheren Siedlungen und Alpweiden.
Die französischsprachige Gemeinde gehört zum Bezirk Gruyère / Greyerz im Kanton Freiburg. Sie entstand am 1. Januar 2002 durch den Zusammenschluss der vier früheren Gemeinden. Haut-Intyamon ist der gemeinsame politische Name; im Alltag bleiben die einzelnen Dorf- und Stationsnamen entscheidend.
Haut-Intyamon auf einen Blick
| Kanton und Bezirk | Freiburg (FR), Gruyère / Greyerz |
|---|---|
| BFS-Nr. | 2121 |
| Bevölkerung | 1’772 am 31. Dezember 2025; zivilrechtliche Bevölkerung gemäss kantonaler Statistik |
| Dörfer | Albeuve, Lessoc, Montbovon und Neirivue |
| Weitere Siedlungen | Unter anderem Les Sciernes-d’Albeuve, Allières und Le Buth |
| Sprache | Französisch |
| Verwaltung | Rue du Moléson 19, 1669 Albeuve |
| Offizielle Website | Commune de Haut-Intyamon |
Die Einwohnerzahl gilt für die gesamte heutige Gemeinde. Sie ist nicht mit einer einzelnen Dorfbevölkerung gleichzusetzen.
Zwischen Greyerzerland, Pays-d’Enhaut und Genfersee
Haut-Intyamon liegt im südlichen Teil des Intyamon-Tals zwischen der Region Bulle und dem waadtländischen Pays-d’Enhaut. Die Sarine / Saane bildet die Talachse. Albeuve, Neirivue und Montbovon liegen auf ihrer linken Seite; Lessoc liegt rechts des Flusses am Hang. Zur Gemeinde gehören auch die höher gelegenen Siedlungen Les Sciernes-d’Albeuve oberhalb von Albeuve und Allières an der Verbindung Richtung Col de Jaman.
Die Lage zwischen verschiedenen Landschaftsräumen zeigt sich auch an den Häusern. Das Historische Lexikon der Schweiz beschreibt sowohl alpine Holzbauten als auch dicht aneinandergebaute Steinhäuser. Landwirtschaft und Holzverarbeitung gehören zur Wirtschaftsgeschichte des Tals; Bahn und Wasserkraft prägten besonders Montbovon.
Marker: Gemeindeverwaltung in Albeuve. Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende. Grössere Karte öffnen.
Albeuve: Wiederaufbau nach dem Dorfbrand
Albeuve hatte innerhalb des Greyerzerlands eine besondere Herrschaftsgeschichte. Als Besitz des Bischofs von Lausanne lag es inmitten des Gebiets der Grafen von Greyerz. Nach dem Übergang an Freiburg 1537 gehörte Albeuve zur Landvogtei Bulle, während die anderen heutigen Gemeindedörfer erst 1555 mit der Grafschaft Greyerz freiburgisch wurden.
Der grosse Brand vom 20. Juli 1876 zerstörte das Dorf weitgehend. Auch Kirche und Pfarrhaus waren betroffen. Die Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption wurde in den Jahren 1876 bis 1883 wiederaufgebaut. Das Ereignis ist deshalb ein Schlüssel zum Verständnis des heutigen Ortsbilds. Die Holzverarbeitung entwickelte sich später mit Chaletbau, Möbeln und Kücheneinrichtungen zu einem wichtigen örtlichen Gewerbezweig.
Zu Albeuve gehört historisch Les Sciernes, heute meist Les Sciernes-d’Albeuve genannt. Die Siedlung liegt oberhalb des Talbodens; ihr Bahnanschluss «Les Sciernes» befindet sich an der MOB-Strecke Richtung Montreux. Wer dorthin reist, sollte sie von der TPF-Station Albeuve im Tal unterscheiden.
Lessoc: ein Brunnen aus örtlichem Stein
In Lessoc steht der gedeckte achteckige Brunnen von 1796 im Mittelpunkt des Dorfes. Sein Stein stammt aus dem örtlich gewonnenen, als «Marmor von Lessoc» bezeichneten Kalkstein. Früher wurden hier auch Tuff und weitere Baustoffe abgebaut. Die Steinbrüche waren bis ungefähr 1920 in Betrieb.
Die bekannte Sage vom Brunnen erzählt von einem Bauern, dessen Pferd scheinbar den im Wasser gespiegelten Mond verschluckt. Ein Dach habe künftig solche Vorfälle verhindern sollen. Diese Erzählung gehört zum lokalen Sagenschatz; sie ist keine historische Erklärung des Brunnenbaus.

Zur weiteren Baugeschichte gehören die Kirche Saint-Martin, die Kapelle Notre-Dame-des-Neiges im Weiler Le Buth von 1684 und die gedeckte Holzbrücke über die Saane von 1667. Lessoc wurde 1643 eine eigene Pfarrei. Das Dorf, seine Kapellen und die Flussquerungen lassen sich damit als zusammenhängende Kulturlandschaft verstehen.
Montbovon: Bahnen und Wasserkraft
In Montbovon treffen die Strecke aus Bulle und die Montreux–Berner Oberland-Bahn (MOB) zusammen. Die Bahnverbindungen entstanden hier 1903; die MOB wurde im folgenden Jahr bis Château-d’Oex und Gstaad verlängert. Schon vorher war Montbovon ein Ausgangspunkt für die Verbindung über den Col de Jaman zum Genfersee. Hotels und Bahn machten den Ort zu einem Reise- und Aufenthaltsort.
Die Wasserkraftanlage von 1896 gehört zur frühen Elektrifizierung der Region. Sie versorgte verschiedene Industriebetriebe, deren Ansiedlungen allerdings nicht alle dauerhaft Bestand hatten. Das Kraftwerksareal ist eine technische Anlage; eine Besichtigung des Betriebsinneren wird hier nicht als frei zugängliches Angebot vorausgesetzt.

Im Dorf steht die heutige Kirche Saint-Grat von 1897. Zur ehemaligen Gemeinde Montbovon gehörten zahlreiche Weiler, darunter Allières, Vers-les-Pichon, Vers-les-Jordan und Vers-les-Moret. Die Kapelle Sainte-Marie-Madeleine in Allières wurde 1990 durch einen Murgang zerstört und 1995 wiederaufgebaut. Das verdeutlicht, wie stark Naturereignisse auch die jüngere Geschichte der höher gelegenen Siedlungen geprägt haben.
Neirivue: Dorfgeschichte und heutiger Schulstandort
Neirivue ist im Historischen Lexikon der Schweiz 1277 als «Nigra aqua» belegt; der historische deutsche Name lautet Schwarzwasser. Mehrere Brände trafen den Ort, zuletzt 1904. Auch die Kirche Saint-François-d’Assise musste danach wiederaufgebaut werden. Zur Wirtschaftsgeschichte gehören Viehzucht, Strohflechterei, Holzverarbeitung und Möbelherstellung.
Heute erfüllt Neirivue eine zentrale Aufgabe für die ganze Gemeinde: Seit Januar 2025 besuchen die Kinder von Haut-Intyamon das neue Schulhaus in Neirivue. Die Anlage besteht aus zwei Gebäuden aus lokalem Holz und liegt bei der Turnhalle. Mehrere Spielplätze gehören dazu.
Nach dem kommunalen Schulwegkonzept reisen die Kinder aus den anderen Dörfern mit dem Zug an. Zwischen Bahnhof und Schule begleitet ein «Péditrain» die Kinder; Aufsichtspersonen sind auch im Zug dabei. Die schulergänzende Betreuung AES für die Stufen 1H bis 8H befindet sich ebenfalls im neuen Schulgebäude. Ihre Module und Öffnungszeiten richten sich nach der Jahresplanung und den Anmeldungen.
Rund um den Lac de Lessoc
Der Stausee von Lessoc bietet einen gut umrissenen Zugang zur Tal- und Flusslandschaft. La Gruyère Tourisme beschreibt den «Tour du lac de Lessoc» als vier Kilometer lange Rundwanderung mit ungefähr einer Stunde Gehzeit und 105 Höhenmetern Aufstieg. Der Einstieg ist vom Bahnhof Montbovon zu Fuss erreichbar.
Die Route führt durch Wiesen und Wald und an historischen Brücken vorbei. Der Anbieter empfiehlt den Beginn über das linke Ufer, um den Durchgang hinter dem Kraftwerk zu vermeiden. Auf der Routenseite sind Verlauf, GPX-Datei und Hinweise zum Zustand der Wanderwege verlinkt. Für einen längeren Aufenthalt bietet sich als redaktioneller Vorschlag zusätzlich ein Rundgang durch Lessoc mit Brunnen und Kirche an.
Für die Anreise den Dorfnamen verwenden
Die TPF-Bahnlinie Bulle–Montbovon bedient die Stationen Neirivue, Albeuve, Lessoc und Montbovon. In Montbovon bestehen Verbindungen mit der MOB Richtung Montreux sowie über Château-d’Oex Richtung Gstaad und Zweisimmen. Allières und Les Sciernes sind eigene Halte an der Bergstrecke Richtung Montreux.
Der passende Halt hängt deshalb vom Ziel innerhalb der Gemeinde ab. Massgebend sind die aktuellen Verbindungen der Verkehrsunternehmen; bei der MOB helfen zudem die Betriebsmeldungen. Die Hauptstrasse führt von Bulle durch das Intyamon-Tal nach Montbovon und weiter ins Pays-d’Enhaut.
Quellen und Datenstand
Redaktioneller Stand: 1. Oktober 2026. Bevölkerung: 31. Dezember 2025; kantonal veröffentlicht am 26. August 2026.
- Gemeinde Haut-Intyamon: Gemeinde und Lage, Geschichte sowie die oben verlinkten aktuellen Schul- und Betreuungsinformationen.
- Historisches Lexikon der Schweiz: Haut-Intyamon, Albeuve, Lessoc, Montbovon und Neirivue.
- Kanton Freiburg: zivilrechtliche Bevölkerung und statistische Definition.
- La Gruyère Tourisme: oben verlinkte Brunnenlegende und See-Rundwanderung.
- MOB: Netz und Bahngeschichte; offizielle Fahrplanfelder 120 und 253, Fahrplanjahr 2026.