Holderbank (AG)
Holderbank AG: Aare und Kestenberg, Kirche, Zementgeschichte und Dorfentwicklung sowie Schule und Kinderbetreuung.
Aktualisiert am

In diesem Artikel
Holderbank liegt zwischen der Aare und dem bewaldeten Kestenberg. Die Kirche erinnert an die frühere Verbindung zu den Herren von Wildegg; die Industriegeschichte führte den Dorfnamen später weit über die Schweiz hinaus. Heute treffen auf dem schmalen Gemeindegebiet ältere Siedlungsteile, neue Wohnbauten und Wege am Fluss aufeinander.
Holderbank (AG) auf einen Blick
| Kanton / Bezirk | Aargau / Lenzburg |
|---|---|
| Bevölkerung | 1’615 am 30. Juni 2026 Ständige Wohnbevölkerung gemäss kantonaler Bevölkerungsstatistik |
| Gemeindefläche | 2,32 km² |
| Waldfläche | 0,78 km² |
| Höhenlage | rund 365 m ü. M. |
| Postleitzahl | 5113 |
| Offizielle Website | holderbank.ch |
| BFS-Nr. | 4199 |
Aare und Kestenberg
Holderbank im Bezirk Lenzburg ist vom gleichnamigen Solothurner Dorf zu unterscheiden. Hier im Aargau säumen die Häuser die Verbindung von Wildegg Richtung Schinznach und Brugg. Der Gemeindebann zieht sich als schmaler Streifen zwischen Fluss und Berghang hin.
Die tiefer liegenden Siedlungsbereiche und die bewaldeten Höhen bieten unterschiedliche Eindrücke. Ein Spaziergang am Aareufer lässt sich mit einem Weg am Hang kombinieren. Der Aaresteg verbindet den Flussraum mit dem gegenüberliegenden Ufer. Für eine konkrete Rundtour werden die öffentliche Karte und die örtlichen Wegverbindungen verwendet.

Die Aussicht vom Hang umfasst auch Nachbarorte jenseits der Aare. Der ehemalige Sennhof Kernenberg liegt oberhalb des Dorfes und gehört zur Siedlungsgeschichte. Seine frühere Nutzung und spätere institutionelle Verwendung unterscheiden ihn vom eigentlichen Strassendorf.

Die Kirche von Samuel Jenner
Eine Pfarrkirche ist in Holderbank seit 1275 belegt. Die Herren von Wildegg nutzten sie als Grabstätte und bestimmten lange über die Besetzung der Pfarrstelle. Mit der Reformation von 1528 änderte sich das kirchliche Leben; später gehörte auch Möriken-Wildegg zur Kirchgemeinde.
Die heutige Kirche entstand 1701–02 nach Plänen von Samuel Jenner. Ein sandsteinerner Taufstein von 1475 blieb aus der älteren Ausstattung erhalten. Für einen Kirchenbesuch werden Gottesdienstzeiten und die Zugänglichkeit über die Kirchgemeinde abgeklärt.
Vom Holunder-Abhang zum Industrienamen
1259 wird Holderbank in einer Urkunde über Lehen der Abtei Murbach erwähnt. Die älteren Namensformen «Halderwang» und «Halderwanch» werden in der kommunalen Geschichte mit Holunder und einem Abhang erklärt. Im Mittelalter gelangten Rechte an die Habsburger und ihre Dienstleute auf Wildegg.
Das Dorf blieb lange klein. Landwirtschaft, Weinbau und später Textilverarbeitung bildeten wichtige Erwerbszweige. Die Aare beeinflusste nicht nur den Verkehr, sondern auch die Nutzung des Bodens: Hochwasser konnte Land am Ufer wegtragen.
1912 entstanden eine Kalkfabrik und die Aargauische Portlandcementfabrik. Das Zementunternehmen entwickelte internationale Tätigkeiten und trug den Namen Holderbank in viele Länder. Tonwaren und weitere Baustoffbetriebe ergänzten die industrielle Entwicklung.
Die Geschichte verlief nicht geradlinig. Die Tonwarenfabrik schloss 1974, und die Zementproduktion wurde in den folgenden Jahren schrittweise verlagert. Forschung, Beratung, andere Betriebe und neue Wohnbauten änderten die wirtschaftliche Struktur. Die alte Industriegeschichte bedeutet deshalb nicht, dass alle damaligen Werke heute noch produzieren.
Schümel und die Entwicklung des Dorfes
Das frühere Steinbruchgebiet Schümel trennte zwei Siedlungsteile voneinander. Ende der 1980er-Jahre beschloss die Gemeinde den Kauf des Areals. Ab 1990 wurde es mit Aushubmaterial aufgefüllt. Der Umgang mit dieser ehemaligen Abbaufläche gehört zu den wichtigen Kapiteln der Ortsplanung.
Die Bevölkerung wuchs in den letzten Jahrzehnten deutlich. Heute ist Holderbank neben seinem Gewerbe auch ein Wohnort im Raum Lenzburg und Brugg. Ältere Häuser, neue Quartiere und die begrenzte Breite des Talstreifens machen diesen Wandel sichtbar.
Waldhütte, Bibliothek und Vereine
Die Waldhütte kann über die Gemeindeverwaltung für private Anlässe reserviert werden. Sie bietet ungefähr fünfzig Plätze, eine Küche, ein Cheminée und Sitzmöglichkeiten im Aussenbereich. Die Nutzung richtet sich nach dem kommunalen Reglement.
Vereine und Bibliotheksangebote ergänzen die Möglichkeiten im Dorf und in der Region. Für einen Ausflug stehen eher die Landschaft und die Ortsgeschichte im Vordergrund als ein grosses touristisches Zentrum.
Schule und Betreuung
Holderbank gehört mit Möriken-Wildegg und Brunegg zur Kreisschule Chestenberg. Kindergarten und Primarschule werden örtlich geführt; die Primarstufe arbeitet teilweise in gemischten Klassen. Real-, Sekundar- und Bezirksschule befinden sich in Möriken-Wildegg.
Die Gemeinde veröffentlicht Mittagstisch, Randstundenbetreuung und Aufgabenhilfe. Anmeldungen werden bei der Schulleitung eingereicht. Konkrete Zeiten und die Durchführung der gewünschten Module werden dort abgeklärt. Die unterschiedlichen Angebote ergänzen den Unterricht und sind separat zu buchen.
Anreise mit der Bahn
Die Bahnlinie führt seit 1858 durch Holderbank; eine eigene Haltestelle erhielt das Dorf erst 1999. Sie ist heute der Ausgangspunkt für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der aktuelle Fahrplan zeigt Verbindungen und Anschlüsse.

Quellen und Orientierung
Weitere Ortsartikel finden sich in der Aargau-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
Redaktionell geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerungsstand: 30. Juni 2026, kantonale ständige Wohnbevölkerung. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.