Jaun
Jaun und Im Fang im Greyerzerland: Wasserfall, geschnitzte Holzkreuze, Cantorama und Gastlosen – mit Schule, Dorfleben, Anreise und saisonalen Ausflugstipps.
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In Jaun tritt ein Wasserfall direkt aus dem Fels, auf dem Friedhof erzählen geschnitzte Holzkreuze von einzelnen Menschen, und über dem Tal stehen die Kalkwände der Gastlosen. Das Bergdorf auf der Freiburger Seite des Jaunpasses ist die einzige deutschsprachige politische Gemeinde des Bezirks Greyerz. Zum Gemeindegebiet gehört auch das weiter talabwärts gelegene Dorf Im Fang.
Der amtliche Name ist Jaun; in französischen Texten begegnet auch Bellegarde. Die Lage zwischen dem französischsprachigen Greyerzerland und dem Berner Simmental prägt den Ort. Das zeigt sich in den Verkehrswegen, im eigenen Jaundeutsch und im Schulalltag, in dem auch Französisch seinen Platz hat.
Jaun auf einen Blick
| Kanton | Freiburg (FR) |
|---|---|
| Bezirk | Greyerz / Gruyère |
| Amtlicher Name | Jaun; französisch auch Bellegarde |
| BFS-Nr. | 2138 |
| Bevölkerung | 659 am 31. Dezember 2025; zivilrechtliche Bevölkerung gemäss kantonaler Statistik |
| Dörfer und Siedlungen | Jaun, Im Fang sowie unter anderem Kappelboden, Weibelsried und Zur Eich |
| Sprache | Deutsch; örtlicher Dialekt Jaundeutsch |
| Höhenlage | Dorf Jaun rund 1’050 m ü. M. |
| Gemeindeverwaltung | Dorfstrasse 10, 1656 Jaun |
| Offizielle Website | Gemeinde Jaun |
Die Einwohnerzahl umfasst die ganze politische Gemeinde einschliesslich Im Fang. Sie folgt der kantonalen Definition der zivilrechtlichen Bevölkerung.
Zwei Dörfer im oberen Jauntal
Jaun liegt am westlichen Zugang zum Jaunpass. Die Talstrasse führt über Charmey in Richtung Bulle und auf der anderen Seite des Passes nach Boltigen im Simmental. Im Fang liegt rund drei Kilometer talabwärts vom Dorf Jaun und heisst auf Französisch La Villette. Es ist ein Ortsteil derselben Gemeinde. Kappelboden, Weibelsried, Zur Eich, verstreute Höfe und Alpgebäude ergänzen die Siedlungsstruktur.
Wiesen und bewaldete Hänge rahmen den Talboden ein; darüber liegen die felsigen Voralpen. Die Nachbargemeinden sind Val-de-Charmey und Plaffeien im Kanton Freiburg sowie Boltigen und Saanen im Kanton Bern. Dorf, Pass und Gastlosen sind verschiedene Ziele: Ein Aufenthalt im Ortskern ist anders zu planen als eine Wanderung an der Felskette oder eine Weiterfahrt über den Pass.

Der Marker bezeichnet die Gemeindeverwaltung an der Dorfstrasse. Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende. Grössere Karte öffnen.
Wasserfall und Musik in der alten Kirche
Der Wasserfall von Jaun liegt gegenüber dem Dorfkern. Sein Wasser kommt aus einer Felsöffnung und fällt über die bewachsene Felsstufe zum Jaunbach. Ein oberirdischer Zufluss ist hier nicht zu sehen. Die Tourismusorganisation beschreibt eine unterirdische Verbindung zum Gebiet Les Morteys beim Vanil Noir, die durch einen Färbeversuch nachgewiesen wurde. Wie kräftig die Kaskade fliesst, hängt von den Wasserverhältnissen ab.
Am Wasserfall lässt sich ein Dorfbesuch beginnen oder abschliessen. Er liegt nahe bei der alten Kirche; dafür ist keine Bergbahnfahrt nötig. Vor Ort sind die vorgesehenen Wege und Abschrankungen zu beachten. Die Besuchsseite von La Gruyère Tourisme ordnet das Naturmotiv in die unmittelbare Dorfumgebung ein.
Die alte Kirche hat heute eine kulturelle Aufgabe. Seit 1992 ist sie als Cantorama Konzertort für Chöre, Instrumentalensembles und weitere Musikschaffende. Neben klassischer Musik gehören regionales Liedgut, Volksmusik und Jazz zum Programm. Die historische Orgel von 1786 wurde rekonstruiert und 2011 wieder eingeweiht.
Für einen Konzertbesuch gelten die jeweiligen Veranstaltungstermine. Besichtigungen ausserhalb der Konzerte richten sich nach den vom Cantorama publizierten Öffnungen oder einer Vereinbarung. Die heute genutzte Konzertkirche ist von der höher im Dorf stehenden Pfarrkirche St. Stephan zu unterscheiden. Auch die Deckenmalereien im Cantorama haben eine eigene Geschichte: Die Werke Gottfried Lochers wurden aus der abgebrochenen Kirche von Villarepos hierher übertragen.
Holzkreuze als Erinnerungen an ein Leben
Bei der 1910 geweihten Kirche St. Stephan liegt der Friedhof mit seinen gedeckten Holzkreuzen. Ihre Schnitzereien zeigen nicht nur religiöse Motive. Sie greifen auch Berufe, Tätigkeiten und Interessen der Verstorbenen auf. So werden persönliche Lebensgeschichten in einer gemeinsamen handwerklichen Form sichtbar.

Die Gestaltung geht wesentlich auf den Jauner Schnitzer Walter Cottier zurück. Nach seinem Tod 1995 wurde die Arbeit von Nachfolgern weitergeführt. Die Kreuze gehören zu einem benutzten Friedhof; bei einem Besuch sind Bestattungen, Angehörige und die Ruhe des Ortes zu respektieren. Mehr zum örtlichen Handwerk bietet die Information zu Friedhof und Holzschnitzerei.
Unterwegs an den Gastlosen
Südlich von Jaun bestimmen die Gastlosen mit ihren hellen, steilen Kalkwänden das Bergbild. Der Gastlosen-Express erschliesst das Wandergebiet von Jaun aus. Die Bergbahnen unterscheiden mehrere Angebote: einen Panoramaweg, einen Erlebnisweg, einen geologischen Pfad mit zwölf Beobachtungsposten und die grössere Gastlosenrunde. Diese Möglichkeiten haben unterschiedliche Anforderungen und sollten nicht als gleich lange Spaziergänge behandelt werden.

Die von La Gruyère Tourisme beschriebene Gastlosen-Tour beginnt bei der Bergstation Musersbergli. Sie führt über das Soldatenhaus und den Übergang Wolfsort auf die andere Seite der Felskette und über die Alp Grat zurück. Der Anbieter führt sie als anspruchsvolle Bergwanderung. Für die Streckenwahl, den aktuellen Verlauf und die Begehbarkeit sind die Routenbeschreibung und die Wanderinformationen der Bergbahnen massgebend. Die weitere Gastlosenkette erstreckt sich über die Umgebung hinaus; sie gehört nicht vollständig zur Gemeinde Jaun.
Die Sommersaison am Berg folgt der Schneelage und dem Bahnbetrieb. Die Höhe der Runde reicht weit über das Dorf hinaus, und Schneereste können auch dann noch eine Rolle spielen, wenn im Tal bereits Wanderwetter herrscht. Die letzte geplante Talfahrt sollte vor dem Aufbruch feststehen. Im Winter bietet das Gebiet Ski- und Snowboardpisten sowie weitere Schneeaktivitäten. Geöffnete Anlagen und ausgeschilderte Winterwege sind auf der Betreiberseite zu prüfen; aus einer Sommerroute lässt sich keine freigegebene Winterwanderung ableiten.
Im Fang: Jaunbach, Kirche und Langlauf
Im Fang besitzt mit der Kirche St. Joseph einen eigenen kirchlichen Mittelpunkt. Der Bau entstand 1868–1870 und wurde 1871 geweiht. Das Dorf gehört politisch zu Jaun, hat aber eigene Vereins- und Sporttraditionen. Besonders sichtbar wird das beim Langlauf: Der SC Im Fang baute bereits 1970 eine Nachtloipe und entwickelte den nordischen Sport im Tal mit.

Heute liegt das Langlaufzentrum Nordic Jogne am Gassaweg 16 in Im Fang. Sein Loipennetz verbindet Abschnitte entlang des Jaunbachs zwischen Charmey, Im Fang und Jaun. Angeboten werden klassische Loipen und Skatingstrecken; eine beleuchtete Strecke gehört ebenfalls dazu. Welche Abschnitte präpariert und offen sind, zeigt der aktuelle Loipenbericht. Schnee und Temperatur bestimmen die Saison, auch wenn technische Beschneiung einzelne Abschnitte unterstützt.
Im Sommer verändert sich derselbe Talraum: Der Bach, die Brücken und die bewirtschafteten Wiesen stehen im Vordergrund. Die Aufnahme des Stegs bei Fangers-Au zeigt einen solchen Bachübergang in Im Fang.
Dorfbesuch oder Bergtag
Redaktioneller Vorschlag für das Dorf: Von der Haltestelle Jaun, Dorf lassen sich Dorfstrasse, Kirche St. Stephan mit Friedhof sowie Wasserfall und Cantorama zu einem Rundgang verbinden. Für das Cantorama wird ein passender Konzert- oder Besichtigungstermin eingeplant.
Für einen eigenen Bergtag: Als Ziel dient die Haltestelle Jaun, Bergbahnen. Von dort richtet sich der weitere Ablauf nach dem Betrieb des Gastlosen-Express und der gewählten Wanderung. Wer nur einen kurzen Aufenthalt bei der Bergstation möchte, wählt aus den dort beschriebenen Wegen. Die vollständige Gastlosenrunde verlangt eine eigene Tagesplanung mit Rückfahrt und Wetterreserve.
Jaundeutsch, Primarschule und Dorfleben
Der örtliche Dialekt, häufig Jaundeutsch oder Jùutütsch genannt, gehört zur Identität des Tals. Die Gemeinde verweist auf Gemeinsamkeiten mit den Mundarten des Berner Oberlands und des Sensebezirks. Ihr Vereinsverzeichnis nennt auch den Förderverein Jùutütsch. Deutschsprachigkeit bedeutet hier zugleich Alltag an einer Sprachgrenze.
Die Primarschule Jaun an der Dorfstrasse 8 führt im Schuljahr 2026/2027 die kombinierten Klassen 1/2H, 3/4H, 5/6H und 7/8H. Die 3/4H und 7/8H erhalten den Unterricht in Sport und Bildnerischem Gestalten auf Französisch. Dazu kommen Unterricht im Freien, Schwimmen in Charmey und Wintersport, wenn die Schneeverhältnisse es zulassen. Die Schulbibliothek wird von den Klassen genutzt und bietet zusätzliche Ausleihzeiten.
Für die Orientierungsschule gehört Jaun zum Schulkreis der Deutschsprachigen Orientierungsschule Freiburg. Der Übergang bedeutet damit auch einen Wechsel vom Dorf in die Kantonshauptstadt. Anmeldungen, Schulwege und die konkrete Organisation erklärt die Schule. Wer eine Betreuung ausserhalb der Unterrichtszeit benötigt, klärt das passende Angebot direkt mit Schule und Gemeinde.
Das Vereinsleben reicht vom Kirchenchor Jaun–Im Fang und dem Jodlerklub Chörblifluh bis zu Ski- und Velosport. Die Schafscheid verbindet die Alpwirtschaft mit dem Dorf: Die Schafe kommen von der Sömmerung zurück, Tiere werden zum Verkauf angeboten, und örtliche Vereine tragen zum Fest bei. Termine und Kontakte stehen im Vereinsverzeichnis der Gemeinde und bei den Veranstaltern.
Zwischen Herrschaft, Passverkehr und Bergwirtschaft
1228 erscheint der Ort als Balavarda in den schriftlichen Quellen; 1397 ist Youn belegt. Solche Nennungen datieren Dokumente, nicht die Gründung des Dorfes. Aus dem Herrschaftsgebiet der Herren von Corbières wurde im 13. Jahrhundert eine eigene Herrschaft. Freiburg erwarb sie 1502 und 1504 in zwei Teilen. Bis 1798 war Jaun eine Freiburger Vogtei.
Ein Brand zerstörte 1711 einen grossen Teil des östlichen Dorfes. Seit 1831 besteht die politische Gemeinde; 1848 wurde sie endgültig dem Bezirk Greyerz zugeteilt. Der spätere Ausbau der Verbindung nach Bulle verstärkte den Austausch talabwärts. Holzverarbeitung gewann im späten 19. Jahrhundert an Bedeutung, der Tourismus seit der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Die heutige Nutzung der Landschaft lässt sich an konkreten Einrichtungen ablesen: bewirtschaftete Alpweiden und Schafscheid, Bergbahnen und Wintersport, Gasthäuser und das Kulturprogramm des Cantorama. Für die Gemeinde sind dabei das Leben im Tal und der saisonale Besucherverkehr eng verbunden.
Mit dem Bus ins Dorf oder zu den Bergbahnen
Jaun hat einen Busanschluss an das regionale Bahnnetz. Die TPF-Linie 260 verbindet im Fahrplan 2026 Gruyères über Broc-Village und Charmey mit Im Fang und Jaun. Für das Dorf ist Jaun, Dorf ein anderer Haltepunkt als Jaun, Bergbahnen. In Im Fang bedient die Linie unter anderem Dorf, Zur Eich und La Bochenaz. Die Linie 245 verbindet Freiburg über La Roche und Charmey mit Jaun.
Über den Jaunpass führt die Linie 259 zwischen Jaun, Bergbahnen und dem Bahnhof Boltigen. Ihre Fahrten unterscheiden sich nach Wochentag und Saison. Für die Anreise aus dem Raum Bulle kommen je nach Verbindung Bahnanschlüsse in Broc-Village oder Gruyères infrage. Die genaue Umsteigefolge, der gewünschte Halt und die Rückfahrt sind für das Reisedatum im TPF-Fahrplan oder im SBB-Fahrplan zu wählen.
Mit dem Auto führen die Zufahrten durch das Jauntal oder über den Jaunpass. Bei winterlicher Witterung sind die aktuellen Strassenbedingungen zu beachten. Der Parkplatz an den Bergbahnen ist kostenpflichtig; Details veröffentlicht der Bergbahnbetreiber. Ein Dorfbesuch und ein Start an der Talstation haben unterschiedliche Zielpunkte.
Gemeindeversammlung und Verwaltung
Der Gemeinderat besteht in der Amtsperiode 2026–2031 aus sieben Mitgliedern. Die Gemeindeversammlung behandelt unter anderem Budget, Rechnung und kommunale Vorlagen. Wer sich über konkrete Projekte oder Ausgaben informieren möchte, findet Einladungen und Unterlagen auf der Gemeindeseite zur Gemeindeversammlung. Für Anmeldungen und Verwaltungsfragen ist die Gemeindeverwaltung an der Dorfstrasse 10 zuständig.
Quellen und weiterführende Informationen
- Gemeinde Jaun: Ortsbild, Im Fang, Sprache, Sehenswürdigkeiten und Gemeindeleben.
- BFS-Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 1. Oktober 2026; kantonale zivilrechtliche Bevölkerung, Stichtag 31. Dezember 2025, publiziert am 26. August 2026.
- Jean-François Steiert: Jaun, Historisches Lexikon der Schweiz, Version von 2000, bearbeitet 2013; französische Fassung unter Bellegarde.
- Cantorama und La Gruyère Tourisme: Kultur, Wasserfall und örtliche Besuchsziele.
- Primarschule Jaun, Schuljahr 2026/2027; DOSF: Schule und Schulkreis.
- Jaun Gastlosen Bergbahnen, Nordic Jogne und TPF: Saisonbetrieb und Anreise.
Quellen geprüft am 1. Oktober 2026. Für Fahrten, Bergbetrieb, Wege und Besichtigungen gelten die aktuellen Angaben der verlinkten Betreiber. Aufnahmejahr und Bildrechte stehen bei den Fotos.