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Känerkinden

Ein kleines Dorf mit einem ungewöhnlichen Kunstschatz: Känerkinden zwischen Diegter- und Homburgertal, das Walter-Eglin-Museum, das historische Untervogthaus und der Alltag auf der Jurahöhe.

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Känerkinden auf der grünen Jurahochfläche oberhalb von Buckten
Känerkinden auf der Höhe und Buckten im Vordergrund, aufgenommen im Mai 2012. Foto: Minnou · CC BY-SA 3.0.

Känerkinden liegt auf der Höhe zwischen dem Diegtertal und dem Homburgertal. Das kleine Dorf im oberen Baselbiet ist von Wiesen, Feldern und Wald umgeben. Seine Geschichte zeigt sich an einem stattlichen Untervogthaus, an ehemaligen Bauernhäusern und an den Spuren der Seidenbandweberei. Einen besonderen Zugang zum Ort eröffnet der Künstler Walter Eglin: Er wurde hier geboren, gestaltete das Gemeindewappen und hat im ehemaligen Gemeindehüsli ein eigenes Museum.

Wer Känerkinden besucht, findet seine interessantesten Gebäude nahe beieinander. Wer hier wohnen möchte, sollte dagegen über die Dorfgrenze hinausblicken: Schule, Bahnanschluss und viele Einkaufsmöglichkeiten liegen in Nachbargemeinden. Beides gehört zu Känerkinden – ein überschaubarer Dorfkern und ein Alltag, der eng mit der Umgebung verbunden ist.

Wo Känerkinden liegt

Die Gemeinde gehört zum Bezirk Sissach im Kanton Basel-Landschaft. Im Dialekt heisst sie Chänerchinde. Sie liegt in einer flachen Mulde des Tafeljuras, westlich oberhalb von Buckten. Auf der anderen Seite führt die Landschaft zum Tal von Diegten. Wittinsburg, Buckten, Läufelfingen und Diegten bilden die Nachbargemeinden.

Anders als die Dörfer unten im Homburgertal liegt Känerkinden nicht direkt an der Bahnlinie. Das erklärt seine ruhigere Lage, aber auch die Bedeutung der Busverbindungen. Der Wechsel zwischen Tal und Höhe ist für die Orientierung entscheidend: Ein naher Bahnhof auf der Karte bedeutet nicht automatisch einen ebenen Fussweg.

Kanton / BezirkBasel-Landschaft / Sissach
Bevölkerung542 Einwohnerinnen und Einwohner · Stand 30. Juni 2026
Fläche1,48 km²
Höhenlage554 m ü. M.
Postleitzahl / BFS-Nummer4447 / 2850
GemeindezentrumHauptstrasse 30
Offizielle Websitekaenerkinden.ch

Der ältere Dorfkern und die jüngeren Wohnquartiere liegen nahe am offenen Kulturland. Die Gemeinde beschreibt sich heute vor allem als Wohnort mit Einfamilienhäusern und Gärten. Zum Dorf gehören aber ebenso landwirtschaftliche Flächen und die Wege zwischen ihnen. Diese Mischung lässt sich bereits bei einem kurzen Spaziergang vom Gemeindezentrum zum Siedlungsrand erkennen.

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Vom Bauerndorf zum Wohnort auf der Höhe

Die erste schriftliche Nennung stammt aus dem Jahr 1359; damals wurde der Name als Kennichingen geschrieben. Der Ortsname weist auf eine ältere alemannische Siedlung hin. Eine genaue Gründungszeit lässt sich daraus jedoch nicht ablesen.

Im Mittelalter gehörte das Dorf zur Herrschaft Homburg. Diese kam 1305 an den Bischof von Basel und 1400 an die Stadt Basel. Die politischen Verbindungen führten also zur Burg über Läufelfingen und nach Basel; das örtliche Gericht befand sich im nahen Buckten. Seit 1814 gehört Känerkinden zum Bezirk Sissach, seit der Kantonstrennung von 1833 zu Basel-Landschaft.

Lange lebten die Menschen von der Landwirtschaft und einem zusätzlichen Erwerb im eigenen Haus. Vom 18. Jahrhundert bis in die 1920er-Jahre war die Seidenbandweberei wichtig. Noch 1908 standen im Dorf 41 Bandwebstühle. Die Arbeit für die Basler Bandindustrie verband auch diesen kleinen Ort mit einem weit über die Region hinausreichenden Gewerbe.

Das Wachstum zum heutigen Wohnort setzte vergleichsweise spät ein. 1950 zählte Känerkinden erst 211 Menschen, im Jahr 2000 bereits 484. Neue Häuser veränderten das Dorf, während viele Arbeitswege über die Gemeindegrenze hinausführten. Die alten Bauernhäuser erzählen deshalb nur einen Teil der Geschichte. Die jüngeren Quartiere zeigen, wie aus dem landwirtschaftlich geprägten Ort ein Wohnort für Menschen mit unterschiedlichen Berufen wurde.

Das Untervogthaus: ein Gebäude mit mehreren Jahrhunderten

Das Untervogthaus an der Ueligasse 2, auch Haus Tschan genannt, fällt durch seinen hohen Giebel auf. Es steht mit der Giebelseite zur Hauptstrasse und unterscheidet sich dadurch von den übrigen alten Häusern. Die Treppe führt zum erhöhten Eingang; darunter liegt das Kellergeschoss.

Eine baugeschichtliche Untersuchung während der Fassadensanierung brachte seine Entwicklung genauer ans Licht. Die ältesten untersuchten Hölzer erlauben einen Baubeginn frühestens nach dem Winter 1554/55. Der ursprüngliche Bau hatte einen annähernd quadratischen Grundriss. Später wurde er verbreitert und erhielt ein neues Dach.

Auch am kleinen Vordach unter dem Giebel lässt sich Geschichte ablesen. Seine geschnitzten Zugbänder mit sternförmigen Enden gehen auf Holz aus dem Winter 1619/20 zurück. Am Kellertor steht die Jahreszahl 1632. Die Forschenden vermuten Zusammenhänge mit den damaligen Dorfbränden. Die grosse Erweiterung des Hauses erfolgte im 18. Jahrhundert.

Für einen Dorfrundgang genügt der Blick von der öffentlichen Strasse. Das Haus ist kein Museum mit regulärer Innenbesichtigung. Gerade im Vergleich mit dem viel kleineren Gemeindehüsli wird sichtbar, wie unterschiedlich die alten Gebäude des Dorfes waren.

Historisches Untervogthaus in Känerkinden mit hohem Giebel und verziertem Vordach
Das Untervogthaus an der Ueligasse, aufgenommen im Juni 2021. Sein Kern reicht ins 16. Jahrhundert zurück. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Walter Eglin und sein Museum

Ein Künstler aus Känerkinden

Walter Eglin lebte von 1895 bis 1966. Sein Name ist besonders mit Holzschnitten und Natursteinmosaiken verbunden. Er beschäftigte sich mit Landschaften, Menschen, Tieren, Erzählungen und religiösen Motiven. In seinen Arbeiten begegnen regionale Themen einer Bildsprache, die weit über ein reines Heimatbild hinausgeht.

Ein wichtiger Erfolg war der 1938 gewonnene Wettbewerb für das Mosaik am Kollegienhaus der Universität Basel. Das Werk Sendung erstreckt sich über eine rund dreissig Meter lange Wand. Weitere Arbeiten entstanden an öffentlichen Gebäuden und Kirchen. Eglin lebte und arbeitete später in Diegten; sein Geburtsort Känerkinden bewahrt heute einen eigenen Zugang zu seinem Werk.

Das Museum ist deshalb ein guter Ausgangspunkt für eine kleine Entdeckungsreise durch das Baselbiet. Wer danach öffentliche Gebäude oder Kirchen mit Arbeiten Eglins besucht, erkennt Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Techniken. Holzschnitt, Mosaik und Sgraffito sind keine austauschbaren Bezeichnungen: Beim Holzschnitt wird eine Druckform geschnitten, beim Mosaik entsteht das Bild aus einzelnen Stücken, beim Sgraffito durch das Bearbeiten verschiedenfarbiger Putzschichten.

Was im Museum zu sehen ist

Das Walter-Eglin-Museum befindet sich an der Hauptstrasse 35, gegenüber dem Gemeindezentrum. Es wurde 1995 zu Eglins hundertstem Geburtstag im ehemaligen Gemeindehüsli eröffnet und 2001 um das Erdgeschoss erweitert.

Oben stehen die Biografie und Holzschnitte im Mittelpunkt, darunter Ansichten von Baselbieter Dörfern, Porträts und Sagenmotive. Im Erdgeschoss sind Mosaike und Holzmonotypien zu sehen. Ein eingerichteter Arbeitsplatz veranschaulicht die Bearbeitung der Steine. Dadurch bleibt der Museumsbesuch nicht beim fertigen Bild stehen: Auch die handwerkliche Arbeit dahinter wird verständlich.

Regulär geöffnet ist das Museum am ersten Sonntag des Monats von 10 bis 12 Uhr; der Eintritt ist frei. Besuche ausserhalb dieser Zeit sind nach Vereinbarung möglich. Vor der Anreise lohnt sich ein Blick auf die Gemeindeseite, auf der auch der aktuelle Museumskontakt steht. Für die Zugänglichkeit der beiden Stockwerke sollte man bei Bedarf vorab nachfragen.

Walter-Eglin-Museum in Känerkinden mit Sgraffito an der Fassade
Das Walter-Eglin-Museum im ehemaligen Gemeindehüsli an der Hauptstrasse, aufgenommen im Mai 2019. Foto: EinDao · CC BY-SA 4.0.

Warum Sonne und Pflug im Wappen stehen

Auch das Gemeindewappen stammt von Walter Eglin. Sein Entwurf entstand im Zusammenhang mit der Landesausstellung von 1939 in Zürich. Dort sollten die Schweizer Gemeinden mit ihren Wappen vertreten sein. Känerkinden brauchte dafür ein eigenes Zeichen.

Die Sonne verweist auf die sonnige Lage des Dorfes, der Handpflug auf den damals wichtigen Acker- und Gemüsebau. Damit erzählt das Wappen sehr unmittelbar vom Ort: Es verbindet die Lage auf der Höhe mit der Arbeit auf dem Land. Wer die Felder rund um das Dorf gesehen hat, versteht diese Bildidee ohne lange Erklärung.

Spaziergänge und Ausflüge rund um Känerkinden

Ein Rundgang durch das Dorf

Für einen ersten Besuch eignet sich das Gemeindezentrum als Ausgangspunkt. Das Museum liegt gegenüber, das Untervogthaus ist ein weiterer Halt im alten Dorfbereich. Dazwischen lohnt der Blick auf Brunnen, Dachformen und die Übergänge zwischen älteren Häusern und neuer Bebauung.

Wer einen geöffneten Museumssonntag wählt, kann Kunst und Dorfgeschichte in einem Vormittag verbinden. Für den anschliessenden Spaziergang führen Wege hinaus ins Landwirtschaftsland und zum Wald. Die Gemeinde nennt auch Spielplatz und Grillstellen als Freizeitmöglichkeiten. Bei einem längeren Aufenthalt ist ein eigenes Picknick praktisch; die Auswahl an Verpflegung sollte man vorab klären.

Zwischen den beiden Tälern unterwegs

Die Umgebung lässt sich gut als Verbindung mehrerer Dörfer erleben. Auf der Homburger Seite liegen Buckten und Rümlingen, auf der anderen Seite Diegten. Eine Wanderung kann dadurch an einem anderen Bus- oder Bahnhalt enden, statt zum Ausgangspunkt zurückzuführen.

Die Höhenunterschiede bleiben auch bei kurzen Distanzen spürbar. Für die konkrete Strecke helfen die markierten Wanderwege und eine aktuelle Karte. Feldwege sind zudem Arbeitswege der Landwirtschaft. Auf bewirtschafteten Flächen bleiben Besucherinnen und Besucher auf den Wegen; Wiesen und Obstgärten sind keine frei verfügbare Picknickfläche.

Der Chilpen bei Diegten

Ein lohnendes Naturziel in der Nachbarschaft ist das Naturschutzgebiet Chilpen oberhalb von Diegten. Es liegt nicht in Känerkinden, ergänzt einen Aufenthalt in dieser Gegend aber gut. Auf engem Raum wechseln trockene und zeitweise sehr nasse Böden. Dadurch gedeihen dort Pflanzen, die man sonst selten unmittelbar nebeneinander findet.

Besonders bekannt ist das Gebiet für seine Orchideen. Die wichtigste Blütezeit reicht je nach Art und Wetter von April bis Anfang Juli; im Spätsommer folgt eine weitere Blütephase anderer Wiesenpflanzen. Tafeln erklären die Lebensräume. Die Blumen lassen sich vom Weg aus beobachten und fotografieren. Pflücken und Betreten der empfindlichen Wiesen würden gerade das beeinträchtigen, was den Ort besonders macht.

Schule, Vereine und Dorfleben

Känerkinden gehört zur Kreisschule Homburg. Seit 2015 organisieren Buckten, Häfelfingen, Känerkinden, Rümlingen und Wittinsburg die Schule gemeinsam. Für Känerkinder Kinder bedeutet das: Kindergarten sowie erste und zweite Primarklasse befinden sich in Wittinsburg, die dritte bis sechste Klasse in Rümlingen.

Diese Aufteilung ist für Familien eine der wichtigsten Informationen zum Wohnort. Schule im Gemeindeverbund heisst, dass Schulweg und Tagesablauf mehrere Dörfer einbeziehen. Die Gemeindeseite zur Schule verweist auf die aktuelle Organisation. Fragen zu Mittagstisch, Betreuung und Schultransport sollten mit der Kreisschule für das betreffende Schuljahr geklärt werden.

Im Dorf selbst bilden Sport und Vereine wichtige Treffpunkte. Die Mehrzweckhalle Dörlimatt wird unter anderem für Fit & Fun und gemischtes Volleyball genutzt. Dazu kommen Frauenturnen, die Floorballcrew K03, der Schützenverein und der Frauenverein. Das Vereinsverzeichnis führt die jeweiligen Kontakte und Angebote zusammen.

Mehrzweckhalle Känerkinden mit grosser verglaster Front
Die Mehrzweckhalle in Känerkinden im Juni 2021. Sie wird unter anderem von den örtlichen Sportvereinen genutzt. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Der Jahreslauf hat einige feste Bezugspunkte. Im Mai steht ein Maibaum beim Gemeindezentrum. Alle zwei Jahre führt der Banntag an einem Teil der Gemeindegrenze entlang und endet mit einem gemeinsamen Anlass. Die Bundesfeier findet je nach Planung am 31. Juli oder am 1. August statt. In der Adventszeit organisiert der Frauenverein einen begehbaren Adventskalender, am 6. Dezember gehört der Santichlaus zum Dorfleben.

Historisch ist Känerkinden mit der reformierten Kirchgemeinde Rümlingen verbunden. Im Dorf gibt es ausserdem die Viva Kirche am Neuackerweg. Die kleinen Distanzen zwischen den Gemeinden bedeuten auch beim gesellschaftlichen und kirchlichen Leben, dass die eigenen Angebote durch Einrichtungen in der Umgebung ergänzt werden.

Anreise und Alltag ohne eigenen Bahnhof

Die wichtigsten Bushaltestellen heissen Känerkinden, Dorf und Känerkinden, Turnhalle. Die Linie 108 verbindet die Gegend mit Sissach und Wittinsburg. Der Bahnhof Buckten an der S9 liegt unterhalb des Dorfes; Sissach bietet die weiterführenden Bahnverbindungen.

Mit dem Fahrplan 2026 wurde das Abendangebot ausgebaut. Ergänzend zur Linie 108 bedient die Linie 110 am Abend die Verbindung von Buckten Bahnhof über Känerkinden nach Wittinsburg. Da die Linie 110 auch andere Äste im Homburgertal fährt, sollte man das konkrete Ziel und die Uhrzeit im SBB-Fahrplan eingeben. Eine Liniennummer allein reicht für die Reiseplanung nicht.

Mit dem Auto führt der Zugang zur A2 über den Anschluss Diegten. Für Einkäufe verweist die Gemeinde auf Diegten und Buckten sowie auf die grösseren Zentren Gelterkinden, Sissach und Liestal. Damit ist Känerkinden als Wohnort gut regional eingebunden, besitzt aber nicht die gleiche Auswahl unmittelbar vor der Haustür wie ein grösseres Dorfzentrum.

Wer einen Umzug erwägt, sollte deshalb den eigenen Tagesablauf einmal konkret durchgehen: Weg zur Haltestelle, Arbeitsverbindung, Schulstandort und regelmässige Besorgungen. Die Lage auf der Höhe bietet Nähe zu Landschaft und Spazierwegen; sie verlangt zugleich, Wege zwischen den Dörfern einzuplanen.

Dienstleistungen aus der Region

Handwerk, Gartenpflege und weitere Angebote aus Basel-Landschaft finden sich in den folgenden Inseraten von schweiz.work. Die Übersicht umfasst den ganzen Kanton und nicht ausschliesslich Känerkinden.

Häufige Fragen zu Känerkinden

Was lohnt sich in Känerkinden anzuschauen?

Das Walter-Eglin-Museum und das historische Untervogthaus sind die wichtigsten Stationen im Dorfkern. Dazu passen Spaziergänge durch die Felder und Wälder zwischen Homburger- und Diegtertal.

Kann man das Walter-Eglin-Museum jederzeit besuchen?

Nein. Regulär öffnet es am ersten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr. Weitere Besuche sind nach Vereinbarung möglich. Der Eintritt ist frei.

Hat Känerkinden einen Bahnhof?

Nein. Im Dorf fährt der Bus. Der nahe Bahnhof Buckten liegt im Homburgertal unterhalb der Gemeinde.

Wo gehen Kinder aus Känerkinden zur Schule?

In der Kreisschule Homburg: Kindergarten und erste beiden Primarklassen in Wittinsburg, dritte bis sechste Primarklasse in Rümlingen.

Redaktionell geprüft: Oktober 2026. Öffnungszeiten und Verbindungen vor einem Besuch bei den verlinkten Stellen prüfen.

Quellen und weiterführende Informationen