Kaiseraugst
Kaiseraugst: römisches Kastell und Rheinthermen, Kirchen, Industriegeschichte und Kraftwerksprotest, dazu Schule und Betreuung.
Aktualisiert am

In diesem Artikel
Römische Mauern stehen in Kaiseraugst mitten im heutigen Dorf. Am Rhein überlagern sich die Spuren des spätantiken Kastells, die Kirchen des alten Ortskerns und das Leben einer wachsenden Gemeinde im Basler Wirtschaftsraum. Der Ort ist auch mit einer jüngeren Geschichte verbunden: dem Widerstand gegen ein Kernkraftwerk, das hier geplant, aber nie gebaut wurde.
Kaiseraugst auf einen Blick
| Kanton / Bezirk | Aargau / Rheinfelden |
|---|---|
| Bevölkerung | 5’944 am 30. Juni 2026 Ständige Wohnbevölkerung gemäss kantonaler Bevölkerungsstatistik |
| Gemeindefläche | rund 4,90 km² |
| Höhenlage | 272 m ü. M. |
| Postleitzahl | 4303 |
| Region | Fricktal und Agglomeration Basel |
| Offizielle Website | kaiseraugst.ch |
| BFS-Nr. | 4252 |
Rheinufer und Dorfkern
Kaiseraugst gehört zum Aargauer Bezirk Rheinfelden und liegt unmittelbar neben Augst im Kanton Basel-Landschaft. Die heutige Grenze teilt einen historisch zusammenhängenden Siedlungsraum. Am Rhein bleiben ältere Häuser, Kirchen und archäologische Reste dicht beieinander; weiter südlich liegen neuere Wohn- und Arbeitsgebiete.
Für einen ersten Ortsbesuch bietet sich als eigene Spaziergangsidee der Weg durch den Dorfkern zum Fluss an. Er lässt sich mit einem Blick auf die Kastellmauer verbinden. Die Uferlage öffnet den Blick zur deutschen Rheinseite und macht die grenzüberschreitende Lage des Ortes unmittelbar erfahrbar.

Das Kastell Castrum Rauracense
Um 300 n. Chr. errichtete das römische Militär hier ein Kastell zur Sicherung des Rheinübergangs. Das Castrum Rauracense umfasste ungefähr 3,6 Hektaren. Die rund vier Meter dicke Befestigungsmauer besass mindestens siebzehn quadratische Türme. Teile dieser Anlage sind als Heidenmauer im heutigen Dorf erhalten.
Das Kastell entstand auf dem Gebiet der Unterstadt von Augusta Raurica. Die ältere Oberstadt lag überwiegend im heutigen Augst BL. Wer Kaiseraugst besucht, sollte deshalb zwischen dem hiesigen Kastell und den Sehenswürdigkeiten der benachbarten Römerstadt unterscheiden. Museum, Römerhaus und Theater werden nicht als Gebäude im Kaiseraugster Dorfkern beschrieben.

In Kaiseraugst liegen auch die Rheinthermen. Erhaltene Becken und die Reste der Bodenheizung zeigen, wie die Badeanlage funktionierte. Die Besucherinformationen von Augusta Raurica erklären den Zugang. Geschützte Monumente haben Öffnungszeiten; die freie Zugänglichkeit des Freilichtgeländes gilt nicht automatisch für jeden Innenraum.
Kirchen und die Teilung von Augst
Nach dem Ende der römischen Herrschaft blieb das Kastell besiedelt. Es war zeitweise ein Bischofssitz; im 7. Jahrhundert wurde dieser nach Basel verlegt. Archäologische Funde einer frühen Kirche mit Taufanlage gehören zu den Zeugnissen dieser Epoche.
1442 wurde die ältere Siedlung Augst geteilt. Der östliche Teil blieb im habsburgischen Herrschaftsraum und erhielt später den Namen Kaiseraugst. Die Zugehörigkeit zum Fricktal und zu Vorderösterreich unterschied ihn lange vom westlichen Nachbarn. 1803 kam Kaiseraugst zum Kanton Aargau.
Die Galluskirche wurde 1749 neu gebaut und liegt über einer langen kirchlichen Vorgeschichte. Im 19. Jahrhundert ging sie an die christkatholische Gemeinde. Daneben entstand um 1900 eine römisch-katholische Kirche. Die verschiedenen Kirchen gehören zur konfessionellen Geschichte des Dorfes; Gottesdienstzeiten und Innenraumzugang werden bei den jeweiligen Gemeinden geprüft.

Industrie, Wachstum und ein verhindertes Kraftwerk
Aus dem Fischer-, Flösser- und Bauerndorf wurde im 19. Jahrhundert auch ein Industriestandort. Eine Saline bestand von 1843 bis 1909, eine frühe Zellulosefabrik von 1888 bis 1930. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Gemeinde stark und wurde Teil des Basler Wohn- und Wirtschaftsraums.
Seit den 1960er-Jahren wurde Kaiseraugst als Standort eines Kernkraftwerks diskutiert. Die Besetzung des Baugeländes 1975 machte den Ort zu einem Symbol der schweizerischen Antiatombewegung. 1988 einigten sich Bund und Kraftwerksgesellschaft auf den Bauverzicht. Das geplante Kernkraftwerk gehört damit zur politischen Geschichte, nicht zur heutigen Energieproduktion des Ortes.
Schule, Betreuung und Freizeit am Rhein
Die örtliche Schule führt Kindergarten und Primarstufe. Die Oberstufe ist in der Kreisschule Unteres Fricktal organisiert, die Real-, Sekundar- und Bezirksschule sowie weitere Angebote umfasst. Die konkrete Zuteilung wird über die Schule abgeklärt.
TaBeKa bietet Kinderkrippe, Tagesstrukturen und Tagesfamilien an. Die Tagesstruktur richtet sich an Kinder ab vier Jahren; der Betreiber nennt fünf Betreuungstage pro Woche und einen Rahmen von 6.30 bis 18 Uhr. Plätze, Module und Anmeldungen werden über TaBeKa vereinbart.
Das Schwimmbad und der Campingplatz am Rhein ergänzen die Freizeitangebote. Sie sind eigenständige Anlagen mit ihren jeweiligen Betriebsbedingungen. Saison, Zugang und Reservation werden auf der Gemeindeseite geprüft; daraus ergibt sich kein allgemeiner Badezugang an jeder Stelle des Flusses.
Anreise und Orientierung
Der Bahnhof Kaiseraugst verbindet den Ort mit Basel und dem Fricktal. Für Anschlussbusse und die passende Verbindung dient der aktuelle Fahrplan. Wer die Römerstätten beider Gemeinden besuchen möchte, plant Kaiseraugst und Augst als zusammenhängenden Ausflug mit mehreren Standorten.
Quellen und Orientierung
Weitere Ortsartikel finden sich in der Aargau-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
Redaktionell geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerungsstand: 30. Juni 2026, kantonale ständige Wohnbevölkerung. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.