Kallnach
Strassendorf, Wasserkraft und Eichenfuhr: Kallnach mit Niederried und Golaten zwischen Grossem Moos und Aare. Mit Dorfgeschichte, Kirche, Naturschutz, Schule und Karte.
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Kallnach verbindet ein langgezogenes Strassendorf am Grossen Moos mit zwei Dörfern über der Aare: Niederried und Golaten. Zwischen Gemüsefeldern, bewaldeten Hügeln und dem Stausee liegt eine Landschaft, die vom Wasserbau stark verändert wurde. Die Dorfkirche, das alte Maschinenhaus des Kraftwerks und die nur in grossen Abständen veranstaltete Eichenfuhr geben dem Ort ein eigenes Gesicht.
Die heutige politische Gemeinde im Berner Seeland umfasst seit 2013 Niederried bei Kallnach und seit 2019 Golaten. Beide waren zuvor selbstständige Gemeinden. Ihre Geschichten und Ortsbilder gehören heute zu Kallnach, bleiben aber deutlich unterscheidbar.
Kallnach auf einen Blick
| Kanton und Verwaltungskreis | Bern (BE); Verwaltungskreis Seeland |
|---|---|
| Bevölkerung | 2’238 am 31. Dezember 2025; ständige Wohnbevölkerung gemäss BFS STATPOP |
| Fläche | 17,98 km² |
| Ortsteile | Kallnach, Niederried bei Kallnach und Golaten; zu Golaten gehören auch Lachen sowie die Hofgruppen Mannewil und Wittenberg |
| Postleitzahlen und BFS | 3283 Kallnach und Niederried bei Kallnach; 3207 Golaten; BFS 304 |
| Gemeindeverwaltung | Schmittenrain 2, 3283 Kallnach kallnach.ch |
Vom Grossen Moos zur Aare
Kallnach erstreckt sich am Fuss eines Moränenhügels. Auf der einen Seite öffnet sich die Ebene des Grossen Mooses, auf der anderen steigt das Gelände an. Die Lage entlang der Strasse ist im Dorf gut erkennbar. Ältere Häuser, Gewerbe und jüngere Wohnquartiere stehen nebeneinander; der Bahnhof erschliesst das Hauptdorf.
Niederried bei Kallnach liegt über dem linken Aareufer. Der Kallnachwald trennt das Dorf und sein hügeliges Umland von den Flächen in Richtung Grosses Moos. Am Rand des Orts liegt der Stausee. Wasserbau und Meliorationen veränderten im 20. Jahrhundert die Umgebung, während sich mit der Neumatt ab 1972 ein zusätzliches Wohnquartier entwickelte. Gemeint ist hier ausdrücklich Niederried bei Kallnach; Niederried bei Interlaken ist eine andere Berner Gemeinde.
Golaten liegt weiter südlich auf einer Terrasse über dem Stausee und dem Zusammenfluss von Saane und Aare. Zum früheren Gemeindegebiet gehörten das Dorf, Lachen sowie Mannewil und Wittenberg. Die Landwirtschaft prägt die offene Umgebung. Eine Gesamtmelioration von 1942 bis 1946 ordnete die Grundstücke neu und verbesserte die Bewirtschaftungswege. Golaten war vor der Fusion dem Verwaltungskreis Bern-Mittelland zugeordnet; heute gehört es mit Kallnach zum Seeland.

Kirche, Pfarrhaus und Schürstube
Am Kirchweg 7 steht die reformierte Kirche. Zusammen mit dem Pfarrhaus und der früheren Pfrundscheune, heute Schürstube genannt, bildet sie eine historische Gebäudegruppe im Dorfzentrum. Der Zugang über die Treppe, die weissen Mauern und der schlanke Dachreiter unterscheiden sie von einem grossen städtischen Kirchenbau.
Die Kirche trägt am Chor die Jahrzahl 1607; am Chorbogen steht 1627. Spätere Veränderungen ergänzten den Bau. Eine Besonderheit lässt sich ausserhalb entdecken: In einem ebenerdigen Glockenstuhl neben der Kirche hängen seit 1973 die beiden früheren Glocken von 1487 und 1691. Die Kirchgemeinde erläutert ihre Geschichte und die Ausstattung des Kirchenraums.
Die Kirchgemeinde beschreibt die Kirche ausdrücklich als offene Kirche für Stille und persönliche Besuche. Bei Gottesdiensten, Trauungen und anderen Anlässen hat die kirchliche Nutzung Vorrang. Für organisierte Besuche oder eine Reservation sind die Kontakte der Kirchenseite zuständig.
Wie das Aarewasser nach Kallnach gelangt
Das Kraftwerk Kallnach nutzt eine Verbindung, die man an der Oberfläche nur teilweise sieht. Wasser wird bei Niederried gefasst und durch einen unterirdischen Stollen zum Wasserschloss in Kallnach geführt. Von dort gelangt es über eine Druckleitung zur Turbine und anschliessend durch den Kallnachkanal zurück in den Hagneckkanal. Die BKW beschreibt diesen Wasserweg in ihrer Kraftwerksdarstellung.

Das alte Maschinenhaus mit seinen hohen Fensterflächen ist ein markanter Zeuge der Industrialisierung des Seelands. Die Anlage entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und wurde um 1980 technisch erneuert. Eine Aussenansicht bedeutet dabei keine freie Zugänglichkeit der Betriebsräume; ein unangemeldeter Innenbesuch wird hier nicht als Ausflugsangebot vorausgesetzt.
Der Stausee Niederried ist zugleich ein wichtiger Lebensraum. Das kantonale Schutzgebiet Niederried-Oltigenmatt umfasst am Zusammenfluss von Saane und Aare Auen, Feuchtgebiete und Lebensräume von Amphibien und Wasservögeln. Es reicht über die Grenzen der Gemeinde Kallnach hinaus.
Für einen Besuch gelten klare Regeln: Auf den bezeichneten Wegen bleiben; Velos sind nur auf der markierten Veloroute zugelassen. Baden ist im Schutzgebiet grundsätzlich untersagt, mit Ausnahmen ausschliesslich in bezeichneten Bereichen vom 1. Juli bis 30. September. Feuerstellen und Stellen zum Ein- und Auswassern sind ebenfalls begrenzt. Vor einer Tour helfen die kantonale Schutzgebietskarte und die Besuchsregeln.
Alte Siedlungsspuren und veränderte Grenzen
Römische Siedlungsspuren und ein frühmittelalterliches Gräberfeld belegen eine Nutzung des Gebiets lange vor den mittelalterlichen Ortsnennungen. Die Gemeinde nennt 1225 «de Callaho»; das Historische Lexikon der Schweiz führt die Form 1231 «apud Calnachon» an. Beide Angaben sind schriftliche Belege, keine Gründungsdaten.
Bern erwarb die Gerichtsrechte über Kallnach und Niederried 1521/1522. Die beiden Dörfer bildeten ab 1530 eine eigene Kirchgemeinde. Golaten hatte dagegen historische Verbindungen zur Herrschaft Oltigen, zur Landvogtei Laupen und kirchlich zu Kerzers. Diese Unterschiede erklären, weshalb die heutige politische Gemeinde mehrere historische Räume zusammenführt.
Die Juragewässerkorrektion und spätere Bodenverbesserungen machten aus weiten Feuchtflächen intensiv genutztes Kulturland. Mit dem Bahnanschluss von 1876 sowie Kraftwerk und Gewerbebetrieben kamen weitere Erwerbsmöglichkeiten hinzu. Die kommunalen Zusammenschlüsse von 2013 und 2019 vergrösserten schliesslich das Gemeindegebiet.
Die Eichenfuhr und das Kulturleben
Die Eichenfuhr ist ein besonderer Dorfanlass, der in der neueren Tradition ungefähr alle zwanzig Jahre stattfindet. Im Mittelpunkt stehen eine geschmückte Eiche, der Umzug und das gemeinsame Fest. Die Ausgabe 2026 fand vom 28. bis 31. Mai statt. Die Burgergemeinde stellte die Eiche aus ihrem Wald zur Verfügung und unterstützte den Anlass. Ihr Rückblick auf die Eichenfuhr dokumentiert auch die anschliessende Versteigerung des Baums.
Zwischen solchen Grossanlässen gestaltet der Kultur- und Bibliotheksverein ein kleineres, regelmässiges Programm. Dazu gehören Spielabende, Lesenächte und Geschichtenangebote. Für 2026 wird auch ein Escape Room rund um Bücher angeboten; verfügbare Termine und Anmeldung sind direkt beim Verein zu klären. Die Bibliothek unterscheidet bei ihren Öffnungszeiten zwischen Schulzeit und Ferien.
Turnvereine, das FamilienForum, der Jodlerklub Schneeglöggli und der Frauenverein Niederried zeigen die Breite des örtlichen Vereinslebens. Kontakte und weitere Angebote stehen im Vereinsverzeichnis der Gemeinde.
Schule, Betreuung und kommunaler Alltag
Die Schule Kallnach führt Kindergarten, jahrgangsgemischte Primarklassen und drei Oberstufenjahrgänge. Ihr Standort liegt im Oberfeld. Für Familien aus den verschiedenen Ortsteilen sind neben der Klassenzuteilung auch die veröffentlichten Schulbusinformationen wichtig.
Die Tagesschule am Oberfeld 18 ergänzt den Unterricht mit Betreuung. Die Schule verlinkt eine eigene Tagesschulwebsite mit den Elterninformationen für 2026/27 sowie Anmeldung und Betriebskonzept. Für Anmeldung und Betreuungsumfang sind diese Elterninformationen massgebend.
Zur Schul- und Mehrzweckanlage gehören Hallen, Bühne, Hart- und Rasenplatz. Die Anlage wird unter festgelegten Bedingungen vermietet, unter anderem an Schulen, Parteien und Vereine. Private Anlässe sind laut Betreiber ausgeschlossen. Seit Mai 2026 ist zudem der neue Spielplatz neben dem Gemeindehaus geöffnet.
Die Gemeinde führt eine Gemeindeversammlung und einen sechsköpfigen Gemeinderat. Die Gemeinderatsseite nennt Zuständigkeiten und Sitzungstermine. Für Zuzug, Entsorgung und weitere Verwaltungsfragen dient die Gemeindeverwaltung am Schmittenrain 2 als Anlaufstelle.
Anreise und ein erster Rundgang
Der Bahnhof Kallnach liegt an der S35 zwischen Kerzers und Lyss. In Richtung Lyss folgt Bargen, danach Aarberg. Die Verbindung ist im BLS-Netzplan verzeichnet. Für Ziele in Niederried oder Golaten muss der letzte Wegabschnitt gesondert geplant werden; ein Bahnanschluss des Hauptdorfs erschliesst nicht automatisch jede Wohnadresse.
Unser redaktioneller Vorschlag für einen ersten Spaziergang verbindet Bahnhof, Strassendorf und die Gebäudegruppe am Kirchweg. Wer danach in Richtung Stausee weitergeht, orientiert sich an den bezeichneten Wegen und am Schutzplan.
Aktueller Hinweis für Ausflüge ins Grosse Moos: Die Walperswilbrücke über den Hagneckkanal ist seit dem 28. September 2026 für sämtliche Verkehrsteilnehmenden gesperrt. Die Sanierung soll voraussichtlich bis Juni 2027 dauern; während der Arbeiten gibt es dort auch keine alternative Fussgängerquerung. Massgebend ist die aktuelle Mitteilung zur Brückensperre.
Quellen und weiterführende Informationen
Geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerung: BFS STATPOP, ständige Wohnbevölkerung am 31. Dezember 2025. Aktuelle Gemeindezuordnung nach dem verfügbaren amtlichen BFS-Verzeichnis vom 1. Januar 2026.
- Gemeinde Kallnach: Gemeindeporträt, Zahlen, Behörden, Vereine und aktuelle Mitteilungen.
- BFS-Gemeindeverzeichnis; Kanton Bern: STATPOP-Bevölkerungsbilanz 2025.
- Anne-Marie Dubler im Historischen Lexikon der Schweiz: Kallnach, Niederried bei Kallnach und Golaten.
- Kirchgemeinde Kallnach-Niederried, Schule Kallnach und Burgergemeinde: Eichenfuhr 2026.
Bildquellen und Lizenzen stehen direkt bei den Fotos. Weitere Ortsartikel: Kanton Bern.