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Klingnau

Klingnau: mittelalterliches Städtli, Schloss und Propstei, Stausee und Vogelbeobachtung sowie Schule und Tagesstrukturen.

Aktualisiert am

Kirchplatz mit historischen Häuserzeilen
Altstadt von Klingnau, August 2007. Foto: Badener · CC BY 3.0.

Das Städtli Klingnau erhebt sich auf einem Felsrücken zwischen Aarelandschaft und Achenberg. Zwei Häuserzeilen umschliessen den Kirchplatz, das Schloss erinnert an die mittelalterliche Stadtgründung. Westlich davon liegt der Klingnauer Stausee, dessen Wasserflächen und Uferzonen die Region zu einem wichtigen Ort der Vogelbeobachtung machen.

Klingnau auf einen Blick

Kanton / BezirkAargau / Zurzach
Bevölkerung3’709 am 30. Juni 2026
Ständige Wohnbevölkerung gemäss kantonaler Bevölkerungsstatistik
Postleitzahl5313
LageUnteres Aaretal, zwischen Stausee und Achenberg
StadtgründungTauschvertrag von 1239
Offizielle Websiteklingnau.ch
BFS-Nr.4309

Ein linsenförmiges Städtli

Klingnau gehört zum Bezirk Zurzach. Der mittelalterliche Kern liegt auf einem Rücken, der früher durch einen Seitenarm der Aare eine Insel bildete. Die beiden Häuserzeilen fassen den Kirchplatz linsenförmig ein. Dieses gut erkennbare Stadtbild unterscheidet Klingnau von den umliegenden Dörfern.

Als eigene Rundgangsidee lässt sich der Kirchplatz mit Schloss und Propsteiareal verbinden. Die Stadt bietet auch buchbare Führungen an. Dabei werden Geschichte und Gebäudezusammenhänge erläutert, die bei einem blossen Durchgang leicht übersehen werden. Zugang zu Innenräumen wird mit der jeweiligen Führung oder Veranstaltung geklärt.

Schloss, Kirche und Propstei

Der Schlossbau begann um 1240 und war zunächst Sitz der Herren von Klingen. Später residierten hier Vertreter des Bischofs von Konstanz. Nach dem Übergang an den Kanton und einer Versteigerung 1817 nutzten verschiedene Industriebetriebe das Gebäude. Erst im 20. Jahrhundert kam es in die Obhut einer Stiftung.

Schlossgebäude über den Dächern des Städtlis
Schloss Klingnau, April 2003. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Die katholische Kirche St. Katharina geht auf einen Bau von 1491 zurück und wurde 1968–69 erneuert. Die barocke Propstei entstand 1746–53 nach Plänen von Johann Caspar Bagnato. Sie erinnert an die Verbindung zum Kloster St. Blasien und gehört heute zum örtlichen Schulareal. Ein historischer Bau kann damit zugleich ein Ort des heutigen Alltags sein.

Kirche und Brunnen im Zentrum von Klingnau
Kirche St. Katharina, September 2009. Foto: Paebi · CC BY-SA 4.0.

Der Stausee als Lebensraum

Mit dem Kraftwerksbau in den 1930er-Jahren wurde die Aare aufgestaut. Wasserflächen, Flachwasserbereiche und Uferzonen entwickelten sich zu einem wichtigen Aufenthalts- und Überwinterungsraum für Vögel. Die Aarelandschaft umfasst mehrere Gemeinden; sie ist kein ausschliesslich Klingnauer Gemeindepark.

Für einen eigenen Ausflug können öffentliche Wege am See mit dem Städtli verbunden werden. Bei der Vogelbeobachtung bleibt man auf den vorgesehenen Wegen und respektiert die Schutzbereiche. Die Landschaft verändert sich mit Wasserstand, Jahreszeit und der Verlandung einzelner Uferflächen.

Ufervegetation vor dem Städtli und bewaldetem Hügel
Klingnau mit Ufervegetation des Stausees und Achenberg, Mai 2024. Foto: Arkelin · CC BY 4.0.

Das BirdLife-Naturzentrum Klingnauer Stausee liegt in Kleindöttingen, einem Ortsteil der Nachbargemeinde Böttstein. Ausstellungen und Erlebnispfad erklären die Entstehung des Sees, Auenlebensräume und Vogelzug. Sie sind an die Öffnungszeiten des Zentrums gebunden. Der Betreiber veröffentlicht Anreise, Zugang und saisonale Zeiten.

1239: ein Tausch legt die Grundlage

Ulrich von Klingen erwarb 1239 im Tausch mit dem Kloster St. Blasien das Gelände für seine Stadtgründung. Sein Sohn Walther verkaufte die Stadt 1269 an den Bischof von Konstanz. 1314 erhielt Klingnau städtische Freiheiten. Ab 1415 lag es unter eidgenössischer Oberhoheit in der Grafschaft Baden.

Die Entwicklung wurde durch Katastrophen unterbrochen. Beim Brand von 1586 wurden 84 Häuser zerstört. Pest und die Typhusepidemie von 1813–14 kosteten zahlreiche Menschen das Leben. Der kaiserliche Gottesacker erinnert an die vielen hier bestatteten Soldaten der gegen Napoleon durchziehenden Truppen.

Reben, Möbel und neue Wirtschaftszweige

Landwirtschaft, Handwerk und Weinbau bildeten lange die Erwerbsgrundlage. Die Rebflächen gingen nach dem Auftreten der Reblaus stark zurück und erholten sich später teilweise. Mit der Eisenbahnlinie Turgi–Koblenz von 1859 verbesserten sich die Voraussetzungen für Industriebetriebe.

Schuhe, Furniere, Möbel und Kinderwagen gehören zur Produktionsgeschichte der Stadt. Die Holz- und Möbelindustrie prägte Klingnau besonders im 20. Jahrhundert. Weitere Gewerbe- und Dienstleistungszweige kamen hinzu. Alte Beschäftigtenzahlen werden dabei nicht als aktuelle Wirtschaftsstatistik verwendet.

Schulen, Betreuung und Kultur

Der Kindergarten befindet sich im Gäntert, die Primarschule im Propsteiareal. Real- und Sekundarschule werden über die Oberstufe Unteres Aaretal gemeinsam mit Döttingen und Koblenz geführt. Die Bezirkschülerinnen und Bezirkschüler besuchen inzwischen Bad Zurzach; Klingnau war nur bis Sommer 2023 Standort dieses Schulzugs.

Die Tagesstrukturen Döttingen–Klingnau–Koblenz bieten Früh-, Mittags-, Nachmittags- und Abendmodule an. Das aktuelle Angebot enthält auch eine Randstunde für 2026/27. Die Durchführung setzt genügend Anmeldungen voraus; Ferienbetreuung wird separat gebucht. Zuständig ist der gemeinsame Betreuungsträger.

Regionalbibliothek, Ludothek und Vereine ergänzen das Angebot. Für aktuelle Veranstaltungen und Stadtführungen dient die Website der Stadt. Die Anreise erfolgt über den Bahnhof Klingnau und die regionalen Verbindungen im unteren Aaretal; der aktuelle Fahrplan hilft bei den Anschlüssen.

Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende. Grössere Karte öffnen. Beim Anzeigen wird die Karte von OpenStreetMap geladen.

Quellen und Orientierung

Weitere Ortsartikel finden sich in der Aargau-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Redaktionell geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerungsstand: 30. Juni 2026, kantonale ständige Wohnbevölkerung. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.