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Leibstadt

Leibstadt am Hochrhein: geteilte Dorfgeschichte, St. Fridolin, Loretokapelle Bernau und Kernkraftwerk sowie Schule und Betreuung.

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Leibstadt mit Kirche vor einem bewaldeten Hang
Leibstadt mit Dorfkirche, April 2003. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Leibstadt liegt zwischen Rhein und Wandfluh. Der weithin sichtbare Kühlturm macht die Gemeinde bekannt, doch ihre Geschichte reicht weit über das Kernkraftwerk hinaus: Ein Bach trennte einst zwei Herrschaftsgebiete, die Dorfkirche prägt den Ortskern, und in Bernau steht eine geschützte Loretokapelle.

Leibstadt auf einen Blick

Kanton / BezirkAargau / Zurzach
Bevölkerung1’664 am 30. Juni 2026
Ständige Wohnbevölkerung gemäss kantonaler Bevölkerungsstatistik
LageHochrhein, zwischen Wandfluh und Rhein
GemeindeteileLeibstadt und Bernau
Postleitzahl5325
Vereinigung von Ober- und Unterleibstadt1866
Offizielle Websiteleibstadt.ch
BFS-Nr.4311

Ein Dorf mit zwei historischen Hälften

Leibstadt gehört zum Bezirk Zurzach. Das Dorf liegt südlich des Rheins vor dem bewaldeten Höhenzug der Wandfluh. Bernau schliesst unmittelbar an den Siedlungsraum an. Felder, ältere Häuser und neuere Wohngebiete stehen hier neben einer der bedeutendsten Energieanlagen der Schweiz.

Der Name «Leibesteit» erscheint um 1240 in den Quellen. Nach der eidgenössischen Eroberung des Aargaus 1415 wurde der Dorfbach zur Grenze zwischen der Grafschaft Baden und dem österreichischen Fricktal. Oberleibstadt gehörte zur eidgenössischen Seite, Unterleibstadt blieb österreichisch.

Mit dem Kanton Aargau verschwand 1803 die Landesgrenze. Der Bach trennte zunächst aber weiterhin zwei Gemeinden und Bezirke. Erst 1866 wurden Ober- und Unterleibstadt vereinigt und dem Bezirk Zurzach zugeordnet. Erhaltene Grenzsteine erinnern an diese ungewöhnliche Ortsgeschichte.

Kirche St. Fridolin und Loretokapelle

Die katholische Kirche steht mitten im Dorf und prägt das Ortsbild. Sie entstand 1879–80, nachdem die ältere Dorfkapelle 1871 abgebrannt war. 1880 wurde Leibstadt eine eigene Pfarrei. Zuvor war es kirchlich mit Leuggern verbunden.

Kirche St. Fridolin mit hohem Turm
Kirche St. Fridolin im Dorfzentrum, Dezember 2011. Foto: Rauenstein · CC BY-SA 3.0.

Ein anderer historischer Bezugspunkt ist die Loretokapelle in Bernau. Das kantonale Denkmalschutzinventar führt den Bau von 1672 unter der Adresse Bernau 9. Das kleine Gebäude mit Dachreiter und geschützter Ausstattung steht für die ältere religiöse Landschaft des Ortes. Für einen Besuch des Innenraums sind die Angaben der Pfarrei beziehungsweise der Betreuung der Kapelle massgeblich.

Loretokapelle mit Dachreiter zwischen Bäumen
Loretokapelle in Bernau, Dezember 2011. Foto: Rauenstein · CC BY-SA 3.0.

Die reformierten Einwohner gehören kirchlich zu Koblenz. Die Gemeindeseite zu den Kirchen stellt Kontakte zu den zuständigen Kirchgemeinden bereit.

Vom Landwirtschaftsdorf zum Kraftwerksstandort

Leibstadt war noch weit ins 20. Jahrhundert hinein stark landwirtschaftlich geprägt. Bereits 1323 werden zwei Mühlen erwähnt. 1892 erhielt der Ort eine Station an der Eisenbahnlinie Koblenz–Stein-Säckingen. Seit der Einstellung des Personenverkehrs auf diesem Streckenabschnitt 1993 übernehmen Busse die öffentliche Erschliessung.

1973 wurde die Kernkraftwerk Leibstadt AG gegründet, 1984 ging die Anlage in Betrieb. Der Kühlturm ist heute ein weithin sichtbarer Orientierungspunkt am Hochrhein. Historische Produktions- und Beschäftigungszahlen beschreiben die damalige Entwicklung; aktuelle Betriebsinformationen gibt der Betreiber heraus.

Leibstadt mit Rhein und Kühlturm im Hintergrund
Leibstadt und Kernkraftwerk am Hochrhein, Februar 2021. Foto: Achilaos · CC BY-SA 4.0.

Das Kraftwerk kennenlernen

Das KKL bietet angemeldete Führungen an, die eine Einführung im Informationszentrum mit einem Rundgang im Werk verbinden. Die gesamte Führung dauert laut Betreiber rund drei Stunden und ist kostenlos. Für Gruppen ist eine Anmeldung ungefähr zwei Wochen im Voraus vorgesehen.

Ein Werksbesuch ist ein organisiertes Angebot mit eigenen Teilnahmebedingungen. Wer Interesse hat, informiert sich auf der offiziellen Führungsseite über Gruppen-, Schul- und Einzelbesuche. Ein Spaziergang im Dorf oder entlang der öffentlichen Wege am Rhein lässt sich davon unabhängig planen.

Schule in Leibstadt und Full-Reuenthal

Die beiden Dorfschulen bilden seit 2022 die Kreisschule Leibstadt und Full-Reuenthal. Kindergarten und Primarschule bleiben an den örtlichen Standorten. Nach der sechsten Klasse wechseln die Kinder an die Oberstufe Kirchspiel mit den Schulstandorten Leuggern und Kleindöttingen. Die beiden Gemeinden bleiben politisch eigenständig, auch wenn sie Schule und Informationsportal gemeinsam organisieren.

Die Tagesstrukturen ergänzen den Unterricht mit Frühbetreuung, Mittagstisch und Nachmittagsmodulen. Sie werden in Leibstadt, Full-Reuenthal und Schwaderloch angeboten. Für die Durchführung eines Moduls sind mindestens vier Anmeldungen nötig. Ferienbetreuung erfolgt im Rahmen eines Leistungsvertrags in Klingnau.

Plätze werden über das Betreuungsangebot der Kreisschule angemeldet. Die Gemeinde prüft auf Gesuch einkommensabhängige Beiträge an die familienergänzende Betreuung.

Vereine und Anreise

Vereine und Veranstaltungen ergänzen das Dorfleben. Für einen Besuch sind die Busverbindungen im Raum Leuggern, Koblenz und Laufenburg wichtig. Leibstadt besitzt einen historischen Bahnhof, aber keinen heutigen Personenbahnhalt. Der aktuelle Fahrplan zeigt die passenden Busanschlüsse.

Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende. Grössere Karte öffnen. Beim Anzeigen wird die Karte von OpenStreetMap geladen.

Quellen und Orientierung

Weitere Ortsartikel finden sich in der Aargau-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Redaktionell geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerungsstand: 30. Juni 2026, kantonale ständige Wohnbevölkerung. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.