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Lengnau (AG)

Lengnau AG im Surbtal: Synagoge, Jüdischer Kulturweg und vier Weiler, dazu Geschichte, Doppeltür, Schule und Betreuung.

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Lengnau mit Kirche und Häusern zwischen Feldern
Lengnau im Surbtal aus der Luft, September 2018. Foto: Lutz Fischer · CC BY-SA 4.0.

Lengnau im Surbtal besitzt ein aussergewöhnliches kulturelles Erbe. Synagoge, Wohnhäuser mit doppelten Eingängen und der gemeinsame jüdische Friedhof mit Endingen erzählen von Ausgrenzung, Zusammenleben und Gleichberechtigung. Rund um das Dorf liegen Felder, Wälder und vier Weiler, die eine zweite, ländliche Seite der Gemeinde zeigen.

Lengnau (AG) auf einen Blick

Kanton / BezirkAargau / Zurzach
Bevölkerung2’927 am 30. Juni 2026
Ständige Wohnbevölkerung gemäss kantonaler Bevölkerungsstatistik
Gemeindefläche12,67 km²
Waldfläche4,66 km²
Höhenlage Dorfzentrum415 m ü. M.
WeilerDegermoos, Husen, Himmelrich und Vogelsang
Postleitzahl5426
Offizielle Websitelengnau-ag.ch
BFS-Nr.4312

Dorfzentrum und Surbtal

Lengnau gehört zum Bezirk Zurzach. Das Dorfzentrum liegt an der Surb, die durch das Tal nach Westen fliesst. Die Gemeinde reicht über den engeren Siedlungsraum hinaus zu Feldern, bewaldeten Höhen und den Weilern Degermoos, Husen, Himmelrich und Vogelsang. Ihr höchster Punkt liegt laut Gemeinde auf dem Gländ am Siggenberg bei 613 Metern.

Die katholische Kirche und die Synagoge bilden zwei weithin erkennbare Bauwerke. Gewerbe und Dienstleistungen ergänzen die Landwirtschaft. Eine geplante Surbtalbahn wurde nicht verwirklicht; die öffentlichen Verkehrsverbindungen werden durch Busse hergestellt.

Kirchturm und Kirchenschiff in Lengnau
Katholische Kirche in Lengnau, April 2003. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Jüdische Geschichte in Lengnau

798 erscheint Lengnau in einer Besitzübertragung des Klosters St. Gallen. Nach 1415 gehörte es zur Grafschaft Baden. Besonders prägend wurde die Ansiedlung jüdischer Familien im Surbtal. Lengnau und Endingen waren am Ende des 18. Jahrhunderts die einzigen Orte der Schweiz, an denen sich Juden dauerhaft niederlassen und eigene Gemeinden bilden durften.

Diese Sonderstellung war mit Einschränkungen und Ausgrenzung verbunden. Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts kam die rechtliche Gleichstellung. Sichtbare Zeugnisse des Zusammenlebens sind die Synagogen, Ritualbäder und Häuser mit getrennten Eingängen für jüdische und christliche Bewohner.

Synagoge und Jüdischer Kulturweg

Die Lengnauer Synagoge wurde 1846–48 erbaut und steht am Dorfplatz. Der Jüdische Kulturweg verbindet historische Stätten in Lengnau und Endingen. Tafeln erläutern in Deutsch und Englisch unter anderem Wohnhäuser, Schulgebäude, Ritualbäder und den Friedhof zwischen beiden Dörfern.

Fassade der Synagoge von Lengnau
Synagoge am Dorfplatz von Lengnau, März 2023. Foto: VBLby9 · CC BY-SA 4.0.

Der Kulturweg ist kein einzelner geschlossener Rundweg. Wer beide Dorfzentren und den Friedhof besuchen möchte, plant entsprechend mehr Strecke ein. Ein Faltprospekt und reservierbare Führungen helfen bei der Orientierung. Für Synagogen und Friedhof gelten gesonderte Besuchsregelungen; Besichtigungen werden vorab organisiert. An Samstagen sind laut Gemeinde keine Führungen beziehungsweise Besichtigungen möglich.

Das kommunale Kulturweg-Angebot nennt die zuständigen Kontakte. Die Gebäude und der Friedhof sind religiöse und historische Orte, deren Nutzung sich nach diesen Regeln richtet.

Doppeltür: Vermittlung heute und ein geplantes Zentrum

Der Verein Doppeltür vermittelt die jüdisch-christliche Geschichte des Surbtals durch Veranstaltungen, Führungen und Unterrichtsmaterialien. Das geplante Zentrum in Lengnau soll nach aktuellem Betreiberstand 2028 eröffnen. Es ist deshalb noch kein regulär geöffnetes Besucherzentrum.

Bereits bestehende Angebote sind der Kulturweg und Veranstaltungen zu den historischen Stätten. Das aktuelle Programm und der Projektstand stehen auf doppeltuer.ch. So lässt sich ein Besuch mit einem konkreten Termin verbinden.

Die Weiler rund um Lengnau

Die vier Weiler umfassen mehrere Höfe und zeigen die landwirtschaftliche Umgebung des Dorfes. Vogelsang liegt als eigener Siedlungsbereich im Lengnauer Gemeindebann. Es ist vom gleichnamigen Ortsteil von Gebenstorf zu unterscheiden.

Luftansicht des Weilers Vogelsang zwischen Feldern und Wald
Vogelsang in der Gemeinde Lengnau, September 2018. Foto: Lutz Fischer · CC BY-SA 4.0.

Wanderwege führen durch das Surbtal und auf die umliegenden Höhen. Für eine Tour sind die markierten Wege und die regionalen Wegbeschreibungen hilfreich. Die Landschaft lässt sich gut mit einem Besuch im Dorfzentrum verbinden, ohne religiöse Innenräume als frei zugängliche Ausflugsstationen vorauszusetzen.

Schule und Tagesstrukturen Surbtal

Kindergarten und Primarschule werden in Lengnau geführt. Die Kreisschule Surbtal organisiert die Oberstufe: Real- und Sekundarschule befinden sich in Lengnau, die Bezirksschule in Endingen. Musikschule und Schulsozialarbeit ergänzen das Angebot.

Die Tagesstrukturen Surbtal besitzen Standorte in beiden Dörfern. Seit dem Schuljahr 2025/26 sind sie während der Schulzeit auch mittwochs geöffnet: Montag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr. Das Angebot richtet sich an Kinder, die in Lengnau oder Endingen wohnen oder dort die Schule besuchen. Ferienbetreuung findet für die Kinder aus der Region am Standort Endingen statt.

Module und Plätze werden beim Betreiber angemeldet. Einkommensabhängige Beiträge der Gemeinde werden für ein Schuljahr gesprochen und müssen jährlich neu beantragt werden. Für die Anreise und tägliche Wege zeigt der aktuelle Fahrplan die Busverbindungen.

Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende. Grössere Karte öffnen. Beim Anzeigen wird die Karte von OpenStreetMap geladen.

Quellen und Orientierung

Weitere Ortsartikel finden sich in der Aargau-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Redaktionell geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerungsstand: 30. Juni 2026, kantonale ständige Wohnbevölkerung. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.