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Liedertswil

Liedertswil, auch Tschoppenhof genannt: ein kleines Baselbieter Dorf mit einer Verbindung zur Flug- und Banknotengeschichte. Mit Fotos, Karte und praktischen Informationen.

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Häuser und Strassenverzweigung im kleinen Dorfkern von Liedertswil
Dorfkern von Liedertswil, Juni 2011. Foto: Dietrich Michael Weidmann · CC BY-SA 3.0.

Liedertswil ist eine der kleinsten Gemeinden im Kanton Basel-Landschaft. Im örtlichen Sprachgebrauch heisst das Dorf bis heute Tschoppenhof. Es liegt in einer Mulde zwischen dem Waldenburger- und dem Reigoldswilertal, umgeben von Wald, Wiesen und Weiden. Durch den Ort fliesst das Weigistbächli, das weiter unten in Oberdorf in die Vordere Frenke mündet.

Die kleine Siedlung hat eine überraschende Verbindung zur Technikgeschichte: Hier wurde der Erfinder Jakob Degen geboren, der später in Wien Flugapparate und Maschinen für den Banknotendruck entwickelte. Daneben erzählt Liedertswil von Bauernhöfen, einer wechselvollen Dorfschulgeschichte und dem Alltag einer sehr kleinen eigenständigen Gemeinde.

Liedertswil auf einen Blick

Kanton und BezirkBasel-Landschaft · Waldenburg
Gebräuchlicher OrtsnameTschoppenhof, im Dialekt auch Tschoppehof
Postleitzahl4436
Bevölkerung147, Stand 30. Juni 2026
Flächerund 1,9 km²
Höhen im Gemeindegebietetwa 570 bis 1'042 m ü. M.
Erste Erwähnung1194 als Liedirwilre
GemeindeverwaltungReigoldswilerstrasse 16, 4436 Liedertswil
Offizielle Websiteliedertswil.ch

Eine kleine Mulde zwischen zwei Tälern

Liedertswil liegt abseits der Hauptachse der Waldenburgerbahn. Von Oberdorf führt die Verbindung bergwärts zum Dorf und weiter in Richtung des Reigoldswilertals. Die Lage an diesem Übergang erklärt, weshalb der kleine Ort zugleich abgeschieden wirkt und mit beiden Talräumen verbunden ist.

Die Siedlung nimmt nur einen kleinen Teil der Gemeindefläche ein. Wald und landwirtschaftlich genutztes Gelände bestimmen den grösseren Raum. Auf den umliegenden Wegen wechseln offene Blicke über Wiesen mit geschützteren Waldabschnitten.

Für die Orientierung ist das Weigistbächli hilfreich: Es folgt der tieferen Linie der Mulde und führt in Richtung Oberdorf. Wer das Dorf zu Fuss erkundet, erlebt die Höhenunterschiede wesentlich deutlicher als auf einer Strassenkarte. Eine kurze Luftlinie bedeutet hier nicht automatisch einen ebenen Weg.

Liedertswil auf der grossen Karte öffnen

Warum Liedertswil auch Tschoppenhof heisst

Der urkundlich überlieferte Name Liedirwilre wird als Weiler eines Liothard gedeutet. Er steht am Anfang der schriftlich fassbaren Ortsgeschichte im Jahr 1194. Der heutige amtliche Gemeindename entwickelte sich daraus.

Im Alltag blieb jedoch ein anderer Name lebendig: Tschoppenhof. Er wird traditionell auf Durs Tschopp zurückgeführt, der im 16. Jahrhundert als Hofbesitzer bezeugt ist. Das Historische Lexikon der Schweiz behandelt diese Herleitung als Überlieferung, nicht als lückenlos bewiesene Namensentstehung.

Beide Bezeichnungen meinen denselben Ort. Tschoppenhof ist weder eine zusätzliche politische Gemeinde noch nur ein einzelner heutiger Bauernhof. Der Name begegnet beispielsweise im Titel des Tschoppenhöfer Dorfblatts und gehört zur örtlichen Identität.

Von Höfen zur eigenständigen Gemeinde

Liedertswil entstand aus einer kleinen bäuerlichen Siedlung. Als Teil der Herrschaft Waldenburg kam es 1366 an den Bischof von Basel und 1400 an die Stadt Basel. Die weitere Geschichte blieb eng mit dem oberen Frenkental verbunden.

Auch kirchlich orientierte sich der Ort nach St. Peter im Waldenburgertal. Eine eigene grosse Dorfkirche gehört deshalb nicht zu den prägenden Bauwerken Liedertswils. Für die ältere Pfarrgeschichte muss man den Blick über die heutige Gemeindegrenze hinaus richten.

Seit der Kantonstrennung von 1833 gehört Liedertswil zum Kanton Basel-Landschaft und zum Bezirk Waldenburg. Trotz seiner geringen Bevölkerungszahl blieb es eine eigene politische Gemeinde. Das ist ein wichtiger Unterschied zu einem blossen Weiler innerhalb einer grösseren Gemeinde.

Drei Häuser im Gemeindewappen

Das Wappen zeigt drei übereinander angeordnete Baselbieter Bauernhäuser mit blauen Dächern auf goldenem Grund. Gemeint sind sogenannte Dreisässenhäuser: Wohnteil, Scheune und Stall sind in einem zusammenhängenden Gebäude vereint.

Die Häuser erinnern nach der kommunalen Erklärung an Niederhof, Mittelhof und Hinterhof, aus denen sich das Dorf entwickelte. Die Farben verweisen auf die frühere Verbindung zur frohburgischen Herrschaft Waldenburg. Das seit 1940 verwendete Wappen ist damit eine besonders anschauliche Darstellung der Siedlungsgeschichte.

Beim Rundgang durch Liedertswil lassen sich diese bäuerlichen Ursprünge auch ohne Wappenkunde erkennen. Grosse Tore, breite Dächer und die Nähe von Wohnhäusern zu Wirtschaftsflächen unterscheiden das Ortsbild von einem dicht bebauten Talzentrum.

Haus mit rotem Ziegeldach und Garten vor den bewaldeten Hängen von Liedertswil
Häuser am Rand des Liedertswiler Dorfkerns, Juni 2011. Foto: Dietrich Michael Weidmann · CC BY-SA 3.0.

Jakob Degen: Vom Tschoppenhof nach Wien

1760 wurde Jakob Degen in Liedertswil geboren. Sein Vater arbeitete als Seidenbandweber und zog später mit der Familie nach Wien. Degen lernte dort zunächst im Umfeld der Textilarbeit und absolvierte anschliessend eine Uhrmacherlehre.

Seine Erfindungen reichten von Webtechnik über Uhrmacherei bis zur Luftfahrt. Besonders bekannt wurden seine Versuche mit einem durch Muskelkraft bewegten Flügelapparat, dessen Auftrieb durch einen Ballon unterstützt wurde. Öffentliche Vorführungen machten ihn zu einer ungewöhnlichen Figur der frühen Fluggeschichte.

Für das Verständnis ist die Ballonunterstützung wesentlich: Degen flog nicht mit einem modernen Motorflugzeug und überwand die Schwerkraft auch nicht allein durch menschliche Muskelkraft. Seine Experimente gehörten zu einer Zeit, in der sehr verschiedene Wege zum kontrollierten Fliegen erprobt wurden.

Eine Gedenktafel am Geburtshaus erinnert im Dorf an ihn. Sie ist ein guter Anlass, bei einem Spaziergang kurz anzuhalten: Von dieser kleinen Gemeinde führt eine direkte biografische Spur zur Wiener Technikgeschichte.

Gedenktafel am Geburtshaus des Erfinders Jakob Degen in Liedertswil
Gedenktafel für Jakob Degen an seinem Geburtshaus, Juni 2011. Foto: Dietrich Michael Weidmann · CC BY-SA 3.0.

Eine Erfindung gegen Geldfälschung

Degens weniger spektakuläre, aber sehr wirksame Arbeit betraf den Druck von Banknoten. Er entwickelte eine Maschine, die komplizierte, ineinander verschlungene Linienmuster in Druckplatten gravieren konnte. Solche Muster werden Guillochen genannt.

Die Oesterreichische Nationalbank nutzte diese Technik als Sicherheitsmerkmal. Die feinen Muster liessen sich nur schwer genau nachahmen. Degen und sein Sohn wurden von der Bank beschäftigt; Jakob Degen leitete später ihre mechanischen Werkstätten.

Damit berührte seine Arbeit zwei sehr unterschiedliche Bedürfnisse seiner Zeit: den Traum vom Fliegen und die praktische Sicherheit des Geldverkehrs. Für Liedertswil ist diese Verbindung bemerkenswert, weil sie das Dorf in eine europäische Geschichte von Handwerk, Migration und Erfindung einordnet.

Die Geschichte der Dorfschule

Die geringe Zahl der Kinder stellte die eigene Schule wiederholt vor Herausforderungen. Zwischen 1948 und 1970 blieb sie geschlossen. Mit einem neuen Schulhaus wurde der Unterricht 1970 wieder aufgenommen.

1999 endete der Schulbetrieb erneut. Die Gemeindegeschichte nennt für das letzte Jahr nur noch fünf Schülerinnen und Schüler. Heute gehört Liedertswil zum Einzugsgebiet der gemeinsamen Primarstufe Oberdorf-Liedertswil.

Die aktuelle Schulwebsite trägt diesen gemeinsamen Namen ausdrücklich. Für Familien sind deshalb die Informationen der Schule Oberdorf-Liedertswil massgebend. Die Sekundarschule Waldenburgertal befindet sich ebenfalls in Oberdorf.

Die ehemalige eigene Schule ist ein Beispiel dafür, wie kleine Gemeinden Aufgaben regional organisieren können, während die politische Selbständigkeit erhalten bleibt. Gemeindegrenze und Einzugsgebiet einer öffentlichen Einrichtung müssen nicht übereinstimmen.

Gemeindehaus von Liedertswil mit Garagentoren und Uhr am Dachaufbau
Gemeindehaus von Liedertswil, Juni 2011. Foto: Dietrich Michael Weidmann · CC BY-SA 3.0.

Wiesen, Wald und bäuerliche Nutzung

Mehr als die Hälfte der in der Gemeindebeschreibung ausgewiesenen Fläche ist Wald. Hinzu kommen landwirtschaftliche Flächen, welche die offenen Bereiche um das Dorf prägen. Die Landschaft ist damit zugleich Erholungsraum und Arbeitsort.

Für einen Spaziergang braucht es keine lange Liste grosser Sehenswürdigkeiten. Interessant sind die Übergänge: vom kleinen Dorfplatz zu älteren Wirtschaftsgebäuden, von den letzten Häusern in die Wiesen und weiter an den Waldrand. Wer höher steigt, erkennt die geschützte Muldenlage besonders gut.

Die Wege führen durch genutztes Landwirtschaftsgebiet. Weidetore, Zäune und Hofzufahrten haben eine konkrete Funktion. Auf markierten Wegen zu bleiben und Tiere ungestört zu lassen gehört hier zum normalen respektvollen Besuch.

Wie der Alltag einer kleinen Gemeinde organisiert ist

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Reigoldswilerstrasse 16. Ihr öffentliches Angebot ist auf die Grösse des Orts abgestimmt. Für einen persönlichen Besuch empfiehlt sich ein Blick auf die aktuellen Schalterzeiten oder eine vorgängige Kontaktaufnahme.

Das Tschoppenhöfer Dorfblatt ist eine wichtige Informationsquelle. Es bündelt Mitteilungen und gibt Einblick in die Themen, die den Ort beschäftigen. Auf der Gemeindewebsite stehen ausserdem Reglemente, Formulare und Angaben zum Trinkwasser.

Die Postleitzahl 4436 teilt Liedertswil mit Oberdorf. Für Lieferungen und Besuche sollte deshalb der vollständige Ortsname angegeben werden. Eine gemeinsame Postleitzahl bedeutet keine gemeinsame Gemeindeverwaltung.

Nach Liedertswil kommen

Liedertswil hat keinen eigenen Bahnhof. Die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr erfolgt mit Bahn und Bus über die umliegenden Talorte. Von Basel oder Liestal aus ist die Waldenburgerbahn Teil einer möglichen Verbindung; für den letzten Abschnitt ist der Busfahrplan entscheidend.

Für die Planung sollte im Fahrplan ausdrücklich «Liedertswil, Dorf» gesucht werden. So werden auch die passenden Umstiege und die je nach Tageszeit unterschiedlichen Verbindungen berücksichtigt. Wer eine Wanderung mit Rückfahrt plant, prüft den Bus bereits vor dem Start.

Mit dem Auto führt die Zufahrt unter anderem von Oberdorf hinauf. Im kleinen Dorf stehen die Häuser nahe an der Strasse; langsames Fahren und Rücksicht auf Fussgänger passen zum Massstab des Orts. Die Landschaft lässt sich ohnehin am besten zu Fuss kennenlernen.

Dienstleistungen aus Baselland

Die folgenden Inserate kommen aus dem Kanton Basel-Landschaft. Sie ergänzen die Ortsinformationen um Angebote für Haus, Garten und Alltag in der Region.

Häufige Fragen zu Liedertswil

Sind Tschoppenhof und Liedertswil zwei Orte?

Die Namen bezeichnen denselben Ort. Liedertswil ist der amtliche Gemeindename, Tschoppenhof die bis heute gebräuchliche örtliche Bezeichnung.

Hat Liedertswil eine eigene Schule?

Der frühere Schulbetrieb im Dorf wurde 1999 geschlossen. Heute ist die gemeinsame Primarstufe Oberdorf-Liedertswil zuständig.

Wofür ist Liedertswil bekannt?

Für seine geringe Grösse, den Namen Tschoppenhof und den hier geborenen Erfinder Jakob Degen. Hinzu kommt die ruhige Landschaft zwischen den beiden Frenkentälern.

Quellen und weiterführende Informationen