Nusshof
Ein kleines Dorf auf den Jurahöhen: Nusshof mit seiner Geschichte als Klosterhof, dem Heidhaus und den Wegen zwischen Schleifenberg und Sissacherfluh.
Aktualisiert am

In diesem Artikel
Nusshof liegt auf einer offenen Höhe oberhalb des Ergolztals, zwischen Sissach, Wintersingen und Hersberg. Wiesen, Obstbäume und Waldstücke umgeben die kleine Siedlung. Der Ort hat keinen ausgedehnten Geschäftskern und keine grosse Sehenswürdigkeit mitten im Dorf. Sein Reiz liegt in der überschaubaren Siedlung, der Landschaft und den Wegen über die Jurahöhen.
Mit 288 Einwohnerinnen und Einwohnern gehört Nusshof zu den kleinen Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft. Es ist politisch selbstständig, organisiert aber Schule und Verwaltung eng mit Wintersingen. Genau dieses Zusammenspiel prägt den Alltag: ein eigenes Dorf mit eigenen Treffpunkten und zugleich kurze organisatorische Verbindungen zu den Nachbarn.
Nusshof auf einen Blick
| Kanton und Bezirk | Basel-Landschaft, Bezirk Sissach |
|---|---|
| Bevölkerung | 288 Personen · Stand 30. Juni 2026 |
| Fläche | 1,72 km² gemäss Gemeindeangabe |
| Höhenlage | Rund 540 m ü. M. |
| Postleitzahl | 4453 |
| Frühe Namensform | 1504: der hof by dem Nussbom |
| Schule | Kreisschule Nusshof-Wintersingen, Schulstandort Wintersingen |
| Öffentlicher Verkehr | Buslinie 106 nach Sissach und Wintersingen |
Eine kleine Siedlung auf der Höhe
Anders als viele Dörfer im oberen Baselbiet liegt Nusshof nicht in einem engen Talboden. Die Häuser stehen in einer vergleichsweise offenen Höhenlage. Der Blick auf das Luftbild zeigt den Unterschied gut: Die bebaute Fläche bleibt kompakt und ist unmittelbar von Landwirtschaftsflächen umgeben. Am Rand schliessen sich Waldstücke an.
Nachbargemeinden sind Hersberg, Wintersingen und Sissach sowie Magden und Olsberg im Aargau. Dass Olsberg hier Nachbar ist, erklärt sich durch eine vom übrigen Gemeindegebiet getrennte Exklave. Die Kantonsgrenze verläuft somit auch in dieser Landschaft kleinteiliger, als man beim Blick auf die Ortsnamen vermuten würde.
Sissach liegt unterhalb der Höhen und übernimmt viele Funktionen als regionales Zentrum. Wintersingen ist dagegen besonders für Schule und Verwaltung wichtig. Wer nach Nusshof zieht, sollte deshalb nicht nur den Ort selbst, sondern auch diese alltäglichen Verbindungen kennenlernen.
Vom Klosterhof zum eigenen Dorf
Nusshof entwickelte sich aus einem Meierhof des Klosters Olsberg. Ein solcher Hof diente der Bewirtschaftung und Verwaltung klösterlichen Grundbesitzes. Noch 1372 gehörte das Land dem Kloster. Aus dem Hof entstand im späten Mittelalter eine kleine Siedlung.
Die überlieferte Namensform von 1504 verweist auf einen Hof bei einem Nussbaum. Wahrscheinlich gab ein auffälliger Baum oder eine Baumgruppe dem Ort den Namen. Im heutigen Gemeindewappen erscheinen allerdings Haselnüsse: Seit 1945 zeigt es einen grünen Zweig mit zwei Blättern und drei roten Nüssen auf silbernem Grund. Die Haselnuss wurde gewählt, weil sie sich in einem Wappen gut darstellen lässt.
Mit Wintersingen kam Nusshof in den Herrschaftsbereich Thierstein-Farnsburg und 1461 unter Basel. Die verbliebenen Ansprüche des Klosters wurden später abgelöst. Im Dreissigjährigen Krieg erlitt die Siedlung 1633 Zerstörungen. Ihre Grenzlage konnte damit nicht nur eine Verbindung, sondern auch eine besondere Belastung sein.
Seit 1814 wird Nusshof als selbstständige Gemeinde geführt. Nach der Basler Kantonstrennung gehörte es zum Bezirk Sissach im neuen Kanton Basel-Landschaft. Die heutige Zusammenarbeit mit Wintersingen hebt diese politische Selbstständigkeit nicht auf.
Bauernhöfe, Bandweberei und Pendelwege
Landwirtschaft bildete lange die wichtigste Grundlage des Dorflebens. Hinzu kam die Seidenbandweberei, die in Nusshof vergleichsweise spät grössere Bedeutung gewann. Noch 1923 waren 24 Bandstühle vorhanden. Auf ihnen wurden in Heimarbeit Bänder hergestellt, die über die regional organisierte Textilwirtschaft verkauft wurden.
Als diese Erwerbsmöglichkeit verschwand und zugleich weniger Menschen in der Landwirtschaft gebraucht wurden, verlor Nusshof Bevölkerung. Erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts setzte eine Entwicklung zur Wohngemeinde für Menschen ein, die ausserhalb arbeiten. Die heutige Siedlung erzählt deshalb von zwei Veränderungen: dem Rückgang alter Erwerbsformen und dem späteren Wachstum des Wohnens.
Die Landwirtschaft bleibt trotzdem räumlich prägend. Felder und Wiesen beginnen direkt hinter den Häusern. Wege, Zufahrten und Flächen haben dadurch häufig mehrere Funktionen: Sie verbinden Wohnhäuser und Höfe, dienen der Bewirtschaftung und werden zugleich von Spaziergängern genutzt.

Das Heidhaus und die Gemeindeverwaltung
Das Heidhaus an der Hauptstrasse 20 war früher Sitz der Gemeindeverwaltung. Heute können dort ein Sitzungszimmer und der Gemeindesaal für Anlässe und Besprechungen reserviert werden. Damit bleibt das Gebäude eine örtliche Adresse für gemeinschaftliche Nutzungen.
Der Verwaltungsschalter für Nusshof befindet sich inzwischen in Wintersingen an der Hauptstrasse 64. Das ist eine wichtige praktische Unterscheidung: Wer ein Anliegen zur Anmeldung, zu einer Bescheinigung oder zu Gemeindedienstleistungen hat, sollte sich an diese aktuelle Adresse halten und nicht an ältere Verzeichnisse.
Die Gemeindewebsite bietet Kontakte, Mitteilungsblätter und das Reservationstool für Räume. Für Zuziehende sind ausserdem das Dienstleistungsverzeichnis und die örtlichen Entsorgungsinformationen hilfreich. Vieles lässt sich vor einem Schalterbesuch bereits online klären.
Die Kinder gehen in Wintersingen zur Schule
Nusshof und Wintersingen führen einen gemeinsamen Kindergarten und eine gemeinsame Primarschule. Die Unterrichtsorte liegen in Wintersingen: der Kindergarten Rialto an der Hauptstrasse 66 und das Primarschulhaus an der Hauptstrasse 85.
Seit Juli 2010 besuchen die Primarschulkinder beider Gemeinden gemeinsam den Unterricht. Die Schule organisiert ihn in Mehrjahrgangsklassen: erste und zweite, dritte und vierte sowie fünfte und sechste Klasse werden jeweils zusammengefasst. Auch die Mehrzweckhalle wird für einzelne Unterrichtsangebote genutzt.
Für Familien ist der Weg ins Nachbardorf damit Teil des regulären Schulalltags. Die Kreisschule Nusshof-Wintersingen informiert über Organisation und Ansprechpartner. Die kleinen Schülergruppen vor Ort werden durch Zusammenarbeit ermöglicht, ohne dass jede Gemeinde sämtliche Einrichtungen selbst betreiben muss.

S’Beizli, Dörflibar und Vereine
Ein Treffpunkt ist S’Beizli im Höfli 2. Es verbindet Essen mit kulturellen und geselligen Anlässen. Zum Programm gehören beispielsweise Lesungen, Musik oder gemeinsame Spiele. Der Betrieb arbeitet mit einer kleinen saisonalen Auswahl und bietet auch Möglichkeiten für angemeldete Gruppen.
Für einen Wanderstopp ist die Planung wichtig: S’Beizli hat keinen durchgehenden täglichen Betrieb. Die Gemeinde nennt einen regelmässigen Dienstagabend und zusätzliche Öffnungen nach Jahresprogramm. Wer auf eine Mahlzeit angewiesen ist, sollte die aktuelle Ankündigung prüfen.
Ein weiterer Treffpunkt ist die Dörflibar im Dörfli 4. Sie wird als Vereinsangebot geführt; die Gemeinde nennt den Freitagabend als regulären Öffnungstermin. Beide Angebote zeigen, wie Begegnung in einem kleinen Dorf organisiert werden kann: zu bestimmten Zeiten und mit örtlichem Engagement.
Daneben sind der Frauenverein und der Schützenverein im Vereinsverzeichnis aufgeführt. Die Gemeinde veröffentlicht laufende Informationen im Mitteilungsblatt. Dieses ist für das tatsächliche Dorfleben oft aussagekräftiger als ein statisches Verzeichnis einzelner Veranstaltungen.
Unterwegs zwischen Liestaler Aussichtsturm und Sissacherfluh
Nusshof liegt im Wandergebiet zwischen dem Schleifenberg bei Liestal und der Sissacherfluh. Die beiden Aussichtspunkte gehören zu den bekannten Zielen in der Umgebung. Sie liegen nicht im Dorf selbst, lassen sich aber mit den Höhenwegen und einem Zwischenhalt in Nusshof verbinden.
Baselland Tourismus beschreibt die vollständige Wanderung vom Liestaler Aussichtsturm zur Sissacherfluh als rund 13 Kilometer lange Tour mit mehreren Hundert Höhenmetern. Sie ist damit eine längere Unternehmung und kein kurzer Dorfrundgang. Wer weniger weit gehen möchte, kann einen Teilabschnitt wählen und den Bus für An- oder Rückreise nutzen.
Für einen ersten Eindruck von Nusshof genügt bereits ein Spaziergang durch die Siedlung und auf den angrenzenden Wegen. Die offene Lage macht den Wechsel zwischen Häusern, Kulturland und Waldrändern unmittelbar sichtbar. Eine feste Rundwegzeit wird hier bewusst nicht vorgegeben: Sie hängt davon ab, welche Verbindung man wählt und ob ein Aufstieg zu einem der Aussichtspunkte dazukommt.

Wie sich die Landschaft weiterentwickelt
Die Gemeinde beschäftigt sich mit einer Gesamtmelioration. Darunter versteht man eine koordinierte Neuordnung und Verbesserung landwirtschaftlicher Strukturen, etwa von Grundstücken, Erschliessung und Bewirtschaftungsbedingungen. In Nusshof gehören dazu auch Überlegungen zur Landschaftsentwicklung.
Auf der Projektseite der Gemeinde sind Vorstudie, Beizugsgebiet und das seit Juli 2025 geltende Reglement dokumentiert. Im Jahr 2026 wurden unter anderem Informationen zu Bodenprofilen veröffentlicht. Das Verfahren ist ein laufendes Vorhaben; daraus sollte man nicht ableiten, dass bereits alle vorgesehenen Veränderungen umgesetzt sind.
Buslinie 106 und praktische Orientierung
Die Linie 106 erschliesst Nusshof in Richtung Sissach und Wintersingen. Im Ort liegen die Haltestellen Dorf und Hübel. Sissach bietet die Bahnanschlüsse für die Weiterreise. Das Dienstleistungsverzeichnis der Gemeinde verlinkt die aktuellen Haltestellenfahrpläne.
Für einen Ausflug sollte die konkrete Verbindung vorab ausgewählt werden. Die Bedienung hängt vom Wochentag und vom einzelnen Kurs ab; ältere Fahrpläne mit abweichenden Linienführungen sind keine verlässliche Grundlage. Ein eigener Bahnhof befindet sich nicht in Nusshof.
Mit dem Auto ist das Dorf über die regionalen Strassen erreichbar. Im kleinen Siedlungskern sind Zufahrten zu Wohnhäusern und Höfen besonders zu beachten. Wer einen Anlass im Heidhaus oder in einem Gastronomiebetrieb besucht, klärt die Parkmöglichkeiten am besten mit dem jeweiligen Gastgeber.
Nusshof auf der grossen Karte ansehen
Häufige Fragen zu Nusshof
Ist Nusshof ein Ortsteil von Wintersingen?
Nein. Nusshof ist eine selbstständige politische Gemeinde. Die Zusammenarbeit mit Wintersingen betrifft unter anderem Verwaltung und Schule.
Wo liegt die Gemeindeverwaltung?
Der aktuelle Verwaltungssitz für Nusshof ist an der Hauptstrasse 64 in Wintersingen. Das Heidhaus an der Hauptstrasse 20 in Nusshof dient heute unter anderem als reservierbarer Veranstaltungs- und Sitzungsort.
Eignet sich Nusshof für einen Wanderstopp?
Ja. Das Dorf liegt im Wandergebiet zwischen Schleifenberg und Sissacherfluh. Wer einkehren möchte, sollte vorher die begrenzten Öffnungszeiten von S’Beizli beziehungsweise die aktuellen Anlässe prüfen.
Angebote aus dem Baselbiet
Dienstleistungen und weitere Inserate aus dem Kanton Basel-Landschaft auf schweiz.work:
Quellen und weiterführende Informationen
- Gemeinde Nusshof: Zahlen, Verwaltung und Heidhaus
- Kanton Basel-Landschaft: Wohnbevölkerung, 30. Juni 2026
- Historisches Lexikon der Schweiz: Nusshof
- Gemeinde: Geschichte und Wappen
- Kreisschule Nusshof-Wintersingen
- Gemeinde: Gastronomie und S’Beizli
- Gesamtmelioration Nusshof
- Baselland Tourismus: Wandergebiet Schleifenberg–Sissacherfluh
- Gemeinde: Dienstleistungen und Busfahrpläne
Redaktioneller Stand: Oktober 2026. Das Titelbild ist ein Orthofoto von swisstopo; die weiteren Aufnahmen sind bei den Bildern zeitlich und örtlich eingeordnet.