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Rehetobel

Rehetobel auf der Vorderländer Höhe: Textildorf zum Hören, Dorfbrände, Lesegesellschaften, Weiler und Ausflüge zwischen Goldach und Kaien.

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Das Dorf Rehetobel mit seiner reformierten Kirche.
Das Dorf Rehetobel mit seiner reformierten Kirche. Foto: Roland Zumbühl, 2015, CC BY-SA 3.0. Bearbeitung: verkleinert und JPEG-komprimiert.

Rehetobel liegt auf einem Höhenrücken über tief eingeschnittenen Tobeln. Der weite Blick zum Alpstein gehört ebenso zum Dorf wie Häuser aus der Zeit der Weber und Sticker. Wer genauer hinsieht, entdeckt hinter der heutigen Wohngemeinde einen früheren Textilstandort, dessen Strassenbau, Lesegesellschaften und Kirchenbrände die Entwicklung des Orts stark mitbestimmten.

Steckbrief

KantonAppenzell Ausserrhoden (AR)
RegionAppenzeller Vorderland, historische Landschaft
BFS-Nr.3034
Bevölkerung1’710 (31. Dezember 2025, BFS STATPOP)
Websitewww.rehetobel.ch

Ein Dorf über den Tobeln

Das Zentrum liegt auf rund 950 Metern. Die Gemeinde reicht über den kompakten Dorfkern hinaus zu Weilern und Siedlungsgruppen, darunter Kaien, Lobenschwendi, Habset und Michlenberg. Die Höhenlagen eröffnen Aussicht; gleichzeitig erschweren tief eingeschnittene Bachläufe direkte Wege zwischen benachbarten Orten.

Besonders deutlich wird das an der Goldach sowie an den Einschnitten von Moosbach und Landgraben. Die historische Gemeindedarstellung erklärt daran die Schwierigkeiten beim Strassenbau. Lobenschwendi war von neuen Hauptstrassen abgeschnitten; die Verbindung nach Habset entstand erst nach wiederholten Forderungen aus dem Ortsteil. Die kurvenreichen Verbindungen sind somit Teil der Siedlungsgeschichte.

Das Textildorf hören und ansehen

Der Audioführer «Textildorf hörbar» erschliesst Rehetobel an zehn Stationen. Er wurde von der Lesegesellschaft Dorf erarbeitet und 2019 der Gemeinde übergeben. Erzählungen über Weber, Sticker und Fabrikanten verbinden Architektur mit Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Der Rundgang eignet sich besonders, wenn die Häuser mehr als schöne Fassaden bleiben sollen.

Die Gemeinde verlinkt dazu textildorf.ch. Das Angebot führt durch den Ort; private Häuser werden dadurch nicht zu frei zugänglichen Museumsräumen. Ein redaktioneller Vorschlag ist, zuerst den Dorfrundgang zu machen und erst danach eine Wanderung in die Umgebung anzuschliessen. So lässt sich die dichte Textilgeschichte vom Landschaftserlebnis trennen, ohne eines davon zu übergehen.

Häuser im Oberdorf von Rehetobel.
Häuser im Oberdorf von Rehetobel. Foto: Roland Zumbühl, 2015, CC BY-SA 3.0. Bearbeitung: verkleinert und JPEG-komprimiert.

Kirchenbau, Feuer und neue Arbeit

Der Name Rehetobel ist 1463 belegt. 1669 löste sich die Gemeinde von Trogen und errichtete eine eigene Kirche. Um sie entwickelte sich ein Dorfkern in der älteren Streusiedlung. 1796 zerstörte ein Brand einen Teil des Dorfes. Beim zweiten Grossbrand 1890 gingen auch die Kirche Jakob Grubenmanns und das Pfarrhaus verloren. Die heutige neugotische Kirche wurde 1892 eingeweiht.

Weberei und später Stickerei ermöglichten vielen kleinbäuerlichen Haushalten ein zusätzliches Einkommen. Zeitweise gehörte Rehetobel zu den bedeutenden Herstellungsorten weisser Baumwollgewebe. Diese starke Spezialisierung machte den Ort empfindlich für Krisen. Nach dem Stickereiboom bis 1910 folgten Arbeitsplatzverlust und Abwanderung; der Wandel zur heutigen Wohn- und Gewerbegemeinde war kein geradliniger Aufstieg.

Wandern zwischen Kaien und Goldach

Die Gemeinde und ihr Tourismusbüro verweisen auf markierte Wege nach Trogen, Richtung Gäbris und auf die Bodenseeseite. Kaien bildet dabei einen wichtigen Übergangs- und Ausflugsbereich. Wegen der Höhenunterschiede lohnt sich eine Routenwahl anhand der Karte; zwei benachbarte Punkte können durch ein Tobel deutlich weiter auseinanderliegen, als ihre Luftlinie vermuten lässt.

Die Dorfkirche und historische Häuser lassen sich im Rahmen eines Spaziergangs von aussen betrachten. Gastronomische Betriebe, Führungen und Innenräume haben eigene Öffnungszeiten beziehungsweise Buchungsbedingungen. Für eine Wanderung sind deshalb der Weg und allfällige Einkehr als getrennte Planungsschritte sinnvoll.

Landschaft bei Ob dem Holz in Rehetobel.
Landschaft bei Ob dem Holz in Rehetobel. Foto: Leo Brummer, 2019, CC BY-SA 4.0. Bearbeitung: verkleinert und JPEG-komprimiert.

Lesegesellschaften, Schule und Verbindung nach St. Gallen

Lesegesellschaften hatten in Rehetobel nicht nur kulturelle Bedeutung. Seit dem 19. Jahrhundert waren sie Orte des Vorlesens und der Unterhaltung, aber auch Stimmen der einzelnen Siedlungsgebiete. Die Geschichte der Verbindung Lobenschwendi–Habset zeigt, wie sie konkrete Infrastruktur einforderten. Im heutigen Dorfleben bestehen Vereine, kulturelle Veranstaltungen und das «Rechtobler Gmäändsblatt».

Die Primarschule bietet Unterricht vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse. Ihr Betreuungsreglement sieht freiwillige Tagesstrukturen mit Mittagstisch, Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung vor; die Module sind nicht an allen Wochentagen gleich. Für die Sekundarstufe besteht der gemeinsame Standort Trogen mit Trogen und Wald. Aktuelle Anmeldungen und Unterrichtsinformationen stehen bei der Schule Rehetobel.

Der 1871 eingeführte Pferdepostkurs nach St. Gallen wurde 1920 durch das Postauto abgelöst. Heute erschliesst die PostAuto-Verbindung 121 die Achse St. Gallen–Rehetobel–Heiden. Für Haltestellen, Anschlüsse und allfällige Umleitungen ist der aktuelle Fahrplan massgebend.

Orientierung auf der Karte

Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende. Grössere Karte öffnen. Markiert ist der Dorfkern.

Quellen und weiterführende Informationen

Redaktionell geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerungsstand: 31. Dezember 2025.