Reitnau
Reitnau und Attelwil im Suhrental: Moränenlandschaft, alte Kirche, Bauernhäuser und Bergrenntradition.
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Reitnau liegt am westlichen Rand des Suhrentals, wo Moränenhänge und die offene Talebene aufeinandertreffen. Die Kirche steht erhöht über dem Dorf; Findlinge erinnern an die Gletscherlandschaft. Seit 2019 gehört auch Attelwil zur politischen Gemeinde. Landwirtschaftliche Baukultur und die Tradition des Bergrennens geben dem Ort an der Luzerner Grenze sehr unterschiedliche Gesichter.
Reitnau auf einen Blick
| Kanton / Bezirk | Aargau / Zofingen |
|---|---|
| Bevölkerung | 1’676 am 30. Juni 2026 Ständige Wohnbevölkerung gemäss kantonaler Bevölkerungsstatistik |
| Fläche | 10,17 km², davon 2,84 km² Wald |
| Höhe | 524 m ü. M. |
| Ortsteile | Reitnau und Attelwil |
| Postleitzahl | 5057 |
| Gemeinde | reitnau.ch |
| BFS-Nr. | 4281 |
Moränen, Talboden und Findlinge
Der Reussgletscher formte den breiten Talboden und die Hänge über Reitnau. Die erhöhte Lage der Schul- und Kirchenanlage macht den Übergang zwischen Terrasse und Ebene besonders anschaulich. Findlinge im Dorf sind sichtbare Zeugen dieser eiszeitlichen Landschaft.

Die Suhrekorrektion von 1923 veränderte die feuchten Flächen im Moos und ermöglichte zusätzliche landwirtschaftliche Nutzung. Damit gingen auch ältere Lebensräume und Landschaftsstrukturen verloren. Ein redaktioneller Spaziergang auf bestehenden Dorf- und Feldwegen kann deshalb sowohl die Moränenformen als auch die heute bewirtschaftete Talebene erschliessen.

Kirche über dem Dorf
In Reitnau bestand bereits um 900 eine Kirche. Der heutige Bau geht auf die Zeit um 1522 zurück. Das Kloster Schänis besass Dorf und Kirche schon vor der schriftlichen Bestätigung seiner Rechte von 1045. Nach der Reformation blieb diese ältere klösterliche Bindung neben der bernischen Landeshoheit bestehen.

Die erhöhte Kirche und die Bebauung darunter zeigen die historischen Stufen des Dorfes. Alte Strohhäuser gingen im 20. Jahrhundert verloren; die Gemeindegeschichte erinnert unter anderem an ein Haus, das dem Schulhausbau von 1955 weichen musste. Eine Betrachtung des Ortsbilds von öffentlichen Wegen ist jederzeit von einer Besichtigung privater Häuser zu unterscheiden. Gottesdienste und Kirchenzugang richten sich nach der Kirchgemeinde.
Attelwil gehört seit 2019 dazu
Attelwil bewahrt einen eigenen Dorfkern mit älteren Bauernhäusern, Stöckli und Speichern. Die Gemeinde beschreibt Aargauerhäuser, die früher mit Stroh gedeckt waren, sowie später entstandene Bernerhäuser. Lehrer, Dichter und Künstler Walter Lüthy setzte sich im 20. Jahrhundert für den Erhalt dieser Bausubstanz ein.
Beide Dörfer waren schon vor der Fusion kirchlich und im Vereinsleben eng verbunden. Seit 2019 bilden sie die politische Gemeinde Reitnau. Die Bevölkerungszahl im Steckbrief umfasst daher beide Orte. Attelwil bleibt als eigenständige Ortschaft innerhalb dieser Gemeinde erkennbar; seine historischen Gebäude sind überwiegend private Nutzungen.
Bergrennen mit Unterbrüchen
Das Reitnauer Bergrennen begann 1965. Der Motorsportanlass führt vom Dorf bergwärts und ist eng mit der örtlichen Veranstaltungsgeschichte verbunden. Nach einer mehrjährigen Pause entstand der Verein Bergrennen Reitnau mit dem Ziel, diese Tradition fortzuführen.
Der Veranstalter veröffentlicht Ergebnisse des Rennens von 2026 und gratuliert Robin Faustini zum Tagessieg mit Streckenrekord. Für kommende Austragungen sind dessen Ankündigungen massgebend. Die Renntradition bedeutet keinen ganzjährigen Motorsportbetrieb und ersetzt keine aktuelle Terminprüfung.
Schule und Mittagstisch in Attelwil
Die Schule Reitnau führt Kindergarten und Primarschule. Ihre Primarschule besuchen auch Kinder aus Wiliberg. Schulsozialarbeit, Logopädie, Aufgabenhilfe, Bibliothek und ein Schulgarten ergänzen den Unterricht. Die Gemeinde verweist für die Oberstufe auf die Schule Schöftland.
Der betreute Mittagstisch «mitenand fürenand» findet dienstags ausserhalb der Schulferien im Gemeindesaal Attelwil statt. Die Schule stellt dazu ein Anmeldeformular für 2026/27 bereit. Eine Voranmeldung ist nötig; Kinder gehen gemäss Formular eigenverantwortlich vom Unterricht zum Mittagstisch und zurück. Dieses einzelne Mittagsangebot ist bei der Familienplanung von einer Betreuung an sämtlichen Wochentagen zu unterscheiden.
Geschichte und heutiger Alltag
Die Erstnennung «Reitinouwa» von 1045 ist kein Gründungsdatum. Unter Bern gehörte Reitnau zur Landvogtei Lenzburg; 1803 entstand die Gemeinde im Kanton Aargau. Heimweberei brachte seit dem 18. Jahrhundert zusätzliche Einkommen. Eine Bally-Filiale bestand von 1900 bis 1933, später gewann das Pendeln Richtung Zofingen und Aarau an Bedeutung.
Vereine, Landwirtschaft und lokale Gewerbebetriebe verbinden die beiden Ortsteile. Für die Anreise mit Bus und Bahnanschluss hilft der SBB-Fahrplan; als Ziel sollten Reitnau oder Attelwil und die passende Haltestelle gewählt werden.
Quellen und Orientierung
Weitere Ortsartikel finden sich in der Aargau-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
Redaktionell geprüft am 2. Oktober 2026. Bevölkerungsstand: 30. Juni 2026, kantonale ständige Wohnbevölkerung. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.