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Rickenbach BL

Rickenbach im Baselbiet: ein Dorf zwischen Obstwiesen, Farnsberg und Gelterkinden – mit altem Schulhaus, Polendenkmal und einer Geschichte rund um einen verschwundenen Fischweiher.

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Dorf Rickenbach BL mit Schulhaus, Wiesen und Obstbäumen vor bewaldeten Hängen
Rickenbach BL mit Frühlingswiesen und Obstbäumen, April 2004. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Rickenbach im Baselbiet liegt in einem kleinen Seitental nördlich von Gelterkinden. Das Dorf zieht sich zwischen Obstwiesen und bewaldeten Höhen hinauf Richtung Buuseregg. Landwirtschaft, historische Häuser und die Nähe zum Farnsberg prägen den Ort. Auf älteren Bildern fällt besonders der dichte Bestand an Obstbäumen auf – ein wichtiger Teil der örtlichen Kulturlandschaft.

Der Zusatz BL ist hilfreich, denn in der Schweiz gibt es mehrere Gemeinden namens Rickenbach. Hier geht es um die Gemeinde mit der Postleitzahl 4462 im Bezirk Sissach. Sie hat 577 Einwohnerinnen und Einwohner, eine eigene Primarschule und enge Verbindungen zum benachbarten Gelterkinden.

Rickenbach BL auf einen Blick

Kanton und BezirkBasel-Landschaft, Bezirk Sissach
Bevölkerung577 Personen · Stand 30. Juni 2026
Fläche2,92 km² gemäss Gemeindeangabe
HöhenlageDorfplatz 476 m ü. M.; Gemeindegebiet bis rund 745 m
Postleitzahl4462
Erste urkundliche Erwähnung1274 als Richenbah
BusverbindungLinie 100 zwischen Gelterkinden und Rheinfelden
GemeindeverwaltungHauptstrasse 7 · rickenbach-bl.ch

Zwischen Gelterkinden, Buuseregg und Farnsberg

Das Dorf liegt in einem Talkessel, dessen Bach zur Ergolz entwässert. Die Hauptstrasse bildet das Rückgrat des alten Siedlungskerns. Vom Dorfplatz steigt das Gelände zu den umliegenden Waldhängen und landwirtschaftlichen Höhen an. Der Farnsberg gehört zu den bestimmenden Erhebungen der Umgebung.

Gelterkinden liegt talwärts und ist für Bahnanschluss, Einkauf, weiterführende Schule und viele Dienstleistungen wichtig. Über die Buuseregg führt die Verbindung nach Buus und weiter ins Fricktal. Damit liegt Rickenbach an einer regionalen Verbindungsachse, obwohl der Ort selbst seinen ländlichen Massstab bewahrt hat.

Die Gemeinde nennt 161 Hektaren Landwirtschaftsfläche und 98 Hektaren bestockte Fläche. Diese Zahlen erklären, weshalb Wiesen, Obstbäume und Wald das Bild stärker bestimmen als die bebaute Fläche. Im Frühling verändert die Obstblüte die Hänge; im weiteren Jahresverlauf werden Nutzung und Pflege der Kulturen sichtbar.

Ein Dorf der Herrschaft Farnsburg

1274 erscheint Rickenbach unter dem Namen Richenbah in einer Urkunde. Werkzeugfunde weisen auf eine viel frühere Nutzung des Gemeindegebiets hin. Die dauerhafte Siedlung entwickelte sich aus einem alemannischen Hof. Im Mittelalter wechselten die Herrschaftsrechte zwischen Adelsgeschlechtern, darunter den Frohburgern, Thiersteinern und Falkensteinern.

1461 kam Rickenbach mit der Herrschaft Farnsburg an Basel. Während der späteren Trennungskonflikte hielt das Dorf zur Stadt; nach der Kantonstrennung von 1833 wurde es trotzdem Teil von Basel-Landschaft und dem Bezirk Sissach zugeordnet. Das 750-Jahr-Jubiläum der ersten Erwähnung wurde 2024 gefeiert.

Im 18. und 19. Jahrhundert gewann die Seidenbandweberei an Bedeutung. Die Arbeit an Bandstühlen ergänzte das Einkommen aus der Landwirtschaft. Die sonnige Lage begünstigte ausserdem Obst- und Rebbau. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde Rickenbach auch als Luftkurort besucht. Die heutigen Wohn- und Arbeitsverhältnisse sind anders, doch Landschaft und alte Bauten machen diese frühere Entwicklung noch nachvollziehbar.

Der verschwundene Fischweiher im Wappen

Ein heute wenig sichtbarer Teil der Ortsgeschichte ist der grosse Fischweiher südlich des Dorfes. Er wurde bereits im Mittelalter angelegt und ist in der Basler Stadtrechnung von 1462 erwähnt. Er diente der Fischhaltung und stand zugleich im Zusammenhang mit der Entwässerung des Talbodens. Später wurde er aufgegeben und aufgefüllt.

Im Gemeindewappen lebt der Weiher weiter. Seit 1947 zeigt es einen silbernen Wellenbalken zwischen einem roten und einem blauen Feld. Der silberne Streifen steht für das Rickenbächlein, das Blau für den früheren Weiher. Die Farben nehmen zugleich Bezug auf die kirchliche Muttergemeinde Gelterkinden.

Wer im Dorf nach einem grossen historischen See sucht, wird ihn deshalb nicht finden. Gerade der Unterschied zwischen heutigem Landschaftsbild und Wappen macht aber sichtbar, wie stark Wasserwirtschaft einen Ort verändern kann.

Historische Häuser und Brunnen an einer Strasse im Dorfzentrum von Rickenbach BL
Häuser und Brunnen im Dorfzentrum von Rickenbach BL, April 2004. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Schulhaus, Dorfzentrum und Kapelle

Das alte Schulhaus entstand zwischen 1828 und 1830. Es vereinte ursprünglich mehrere Funktionen, darunter Unterricht, Lehrerwohnung und Räume für weitere dörfliche Bedürfnisse. 1881 stiftete der aus Rickenbach stammende Unternehmer Heinrich Handschin ein Uhrwerk. Der Dachreiter mit der Uhr gehört bis heute zu den auffälligen Baumerkmalen im Zentrum.

1985 entstanden das Gemeindehaus, der Turm und die Mehrzweckhalle; um die Jahrtausendwende wurden Kindergarten und Schulhaus erneuert. Die Gemeinde hat ihre zentralen Einrichtungen damit immer wieder angepasst. Das Nebeneinander älterer und jüngerer Bauten lässt sich bei einem kurzen Rundgang gut erkennen.

Altes Schulhaus Rickenbach BL mit Dachreiter und Uhr
Das alte Schulhaus mit seinem Uhrturm, April 2004. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Rickenbach gehört reformiert zur Kirchgemeinde Gelterkinden-Rickenbach-Tecknau. Im Dorf gibt es einen eigenen Friedhof mit Kapelle, der 1901 angelegt wurde. Die Kapelle kann nach Absprache auch für nichtkirchliche Anlässe genutzt werden. Zuständig für entsprechende Anfragen ist die Gemeinde.

Das Polendenkmal am Staufen

Am Waldrand des Staufens, unterhalb eines Feldwegs in der Nähe des Erholungsheims Waldegg, steht das Polendenkmal. Es erinnert an polnische Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg nach dem deutschen Angriff auf Frankreich 1940 in die Schweiz gelangten und hier interniert wurden.

Beim heutigen Denkmal befand sich eines ihrer Lager. Die Internierten arbeiteten unter anderem in der Landwirtschaft und im Bau. In Rickenbach errichteten sie die Treppe über den Hüenersädel in Richtung Rickenbacherfluh. Das später von ehemaligen Internierten gestiftete Denkmal erinnert an diese Geschichte und an die schweizerisch-polnischen Beziehungen.

Die Anlage wurde 2015 restauriert und im Sommer 2026 erneut gepflegt und renoviert. Die Gemeindeseite zum Polendenkmal erklärt den Hintergrund und zeigt eine Aufnahme. Der Ort eignet sich besonders für einen Spaziergang, der Landschaft und jüngere Geschichte verbindet.

Obstwiesen, Hecken und Spazierwege

Obstbau ist für Rickenbach seit Langem wichtig. Hochstammobstbäume, Wiesen, Hecken und Waldsäume bilden ein kleinräumiges Landschaftsmosaik. Solche Flächen haben nicht nur einen wirtschaftlichen oder landschaftlichen Wert, sondern bieten auch Lebensräume für Tiere.

Der Verein Natur in Rickenbach wurde 2021 gegründet. Er pflegt unter anderem Hecken und Nistkästen und organisiert Exkursionen, Vorträge und Arbeitseinsätze. Damit gibt es im Dorf einen konkreten Zugang zum Naturschutz: Interessierte können die Umgebung kennenlernen und sich an der Pflege beteiligen.

Die Bürgergemeinde unterhält öffentliche Feuerstellen am Panoramaweg, am Staufen und beim örtlichen Lauterbrunnen in den Tannen. Gemeint ist hier eine lokale Örtlichkeit, nicht das Berner Oberländer Tal gleichen Namens. Für Wanderwege und aktuelle Routenvorschläge verweist die Gemeinde auf die Wanderwege beider Basel. Bei Feuerstellen gelten selbstverständlich die jeweils aktuellen kantonalen Einschränkungen.

Auch der Spielplatz neben dem Schulhausplatz ist öffentlich. Während des Unterrichts und besonders in den Pausen hat die Schule Vorrang. Der Sportplatz kann ebenfalls genutzt werden; Hunde sind dort gemäss Gemeinde nicht zugelassen. Diese kleinen Regeln helfen, dass die Anlagen für Dorfbevölkerung und Gäste gemeinsam funktionieren.

Eine kleine Schule mit drei Mehrjahrgangsklassen

Die Schule Rickenbach führt Kindergarten und Primarschule im Dorf. Sie beschreibt ihre Organisation als drei Mehrjahrgangsklassen: Kindergarten, Unterstufe mit der ersten bis dritten Klasse und Mittelstufe mit der vierten bis sechsten Klasse. Rund 50 Kinder besuchen das Angebot. Nach der sechsten Klasse wechseln sie an die Sekundarschule in Gelterkinden.

Die Schulwebsite nennt integrative Förderung und weitere Unterstützungsangebote. Zu den Besonderheiten gehört eine freiwillige Hausaufgaben-Insel am Morgen. Ausserdem unterstützen Seniorinnen ehrenamtlich den Unterricht, während die pädagogische Verantwortung bei den Lehrpersonen bleibt.

Für Eltern sind diese konkreten Angebote interessanter als die blosse Grösse der Schule. Logopädie und die regionale Musikschule sind in Gelterkinden angebunden. So verbindet Rickenbach den Unterricht im eigenen Dorf mit ergänzenden regionalen Einrichtungen.

Schulhaus und Mehrzweckhalle von Rickenbach BL am Rand einer Wiese
Schulanlage und Mehrzweckhalle in Rickenbach BL, April 2004. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Banntag und Maibaum

Der Banntag führt die Bevölkerung an Auffahrt durch den Gemeindebann. Die beschriebene Route wechselt zwischen den Talseiten; für Menschen, die weniger weit gehen möchten, wird auch eine kürzere Variante angeboten. Unterwegs werden Orte und Waldthemen erklärt, zum Abschluss gibt es eine Festwirtschaft. Die jeweilige Ausschreibung nennt Treffpunkt und Ablauf.

Ein anderer Brauch ist das Maibaumfest am Abend vor dem 1. Mai. Ein mit Bändern geschmücktes Tännchen wird auf dem langen Brunnen aufgestellt und bleibt dort während des Monats. Die Fasnachtsgesellschaft hat diesen Brauch wieder aufgenommen. Der Brunnen wird dadurch zeitweise zum Mittelpunkt eines gemeinschaftlichen Frühlingsanlasses.

Zum Vereinsleben gehören ausserdem Sportgruppen, der Frauenverein, die Feldschützen und weitere örtliche Zusammenschlüsse. Die Dorfzeitung Kontakt bündelt Mitteilungen und Beiträge. Das Vereinsverzeichnis und der Veranstaltungskalender helfen beim Einstieg ins Dorfleben.

Arbeiten, Einkaufen und Anreise

Neben der Landwirtschaft bestehen Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe. Das Gemeindeverzeichnis führt unter anderem Gartenbau, Holz- und Metallarbeiten, Präzisionsmechanik sowie die Hofbäckerei Rosenau auf. Für grössere Einkäufe und zahlreiche weitere Angebote ist Gelterkinden der nahe Bezugspunkt.

Die Postautolinie 100 verbindet Rickenbach mit Gelterkinden und fährt über Buus, Maisprach und Magden nach Rheinfelden. Am Bahnhof Gelterkinden bestehen Bahnanschlüsse. Der Ort ist damit auch ohne Auto erreichbar; für einen Ausflug sollte die konkrete Verbindung im aktuellen Fahrplan gewählt werden.

Mit dem Velo liegt Rickenbach an der Nord-Süd-Route 3. Die Verbindung über die Jurahöhen umfasst Steigungen, die bei der Tourenplanung berücksichtigt werden sollten. Wer mit dem Auto anreist, findet Hinweise zu den örtlichen Parkierungsregeln auf der Verkehrsseite der Gemeinde.

Rickenbach BL auf der grossen Karte ansehen

Häufige Fragen zu Rickenbach BL

Welches Rickenbach ist gemeint?

Die Gemeinde Rickenbach mit der Postleitzahl 4462 liegt im Kanton Basel-Landschaft, nördlich von Gelterkinden. Der Kantonszusatz BL unterscheidet sie von anderen Orten gleichen Namens.

Was erinnert an den früheren Fischweiher?

Vor allem das Gemeindewappen: Sein blaues Feld steht für den aufgegebenen Weiher, der silberne Wellenbalken für den Bach.

Was lohnt sich bei einem Besuch?

Der Dorfkern mit dem alten Schulhaus, die Obstlandschaft und ein Spaziergang zum Polendenkmal vermitteln unterschiedliche Seiten des Ortes. Für Familien kommt der öffentliche Spielplatz ausserhalb der schulischen Nutzung dazu.

Dienstleistungen im Baselbiet

Inserate und lokale Angebote aus dem Kanton Basel-Landschaft auf schweiz.work:

Quellen und weiterführende Informationen

Redaktioneller Stand: Oktober 2026. Die Fotografien von 2004 dokumentieren Dorf und Gebäude zu diesem Zeitpunkt; ihre Bildnachweise stehen jeweils direkt darunter.