Rieden
Rieden bei Baden: Oederlin-Areal, Wasserkraft und Wandel vom Giessereistandort zum Arbeits- und Kulturort.
Aktualisiert am

In diesem Artikel
Rieden liegt am rechten Limmatufer bei Baden und gehört zu Obersiggenthal. Besonders das Oederlin-Areal verbindet den Ort mit der Industriegeschichte des Limmattals. Aus der früheren Metallwarenfabrik entwickelte sich ein Standort für Gewerbe, Ateliers und kulturelle Nutzungen.
Rieden auf einen Blick
| Kanton / Bezirk | Aargau / Baden |
|---|---|
| Heutige Gemeinde | Obersiggenthal |
| Status | Ortschaft / Gemeindeteil; keine eigene politische Gemeinde |
| Lage | Rechtes Limmatufer bei Baden |
| Prägender Standort | Oederlin-Areal; teilweise auch Gemeinde Ennetbaden |
| Industriegeschichte | Gründung der Metallwarenfabrik 1858 |
Wasser als Grundlage der Industrie
1858 gründeten Karl Joseph und Friedrich Traugott Oederlin eine Fabrik zur Herstellung von Metallwaren, darunter Bügeleisen und Öllampen. Auf dem Gut Müsegg entstand eine mechanische Werkstatt, die zwei Wasserräder an der Limmat antrieben. Das ehemalige Rebhaus wurde zum ersten Fabrikgebäude.
Die Belegschaft wuchs zunächst von 40 auf 130 Personen. Die Standortwahl verband vorhandene Gebäude mit der Wasserkraft des Flusses. Die historische Aufnahme des Turbinenhauses zeigt diese Energieversorgung; ihr ursprüngliches Aufnahmedatum ist nicht ausgewiesen.

Armaturen für eine wachsende Region
1886 entwickelte Jakob Burgherr einen patentierten Hahn mit Gummidichtung und auswechselbarem Ventilschlitz. Neue Hotels mit Warm- und Kaltwasseranschlüssen steigerten die Nachfrage nach Armaturen. Auch Brown, Boveri & Cie. bestellte bei Oederlin grosse Mengen an Gussteilen.
Die Fabrikgeschichte gehört damit zur Entwicklung des Badener Wirtschaftsraums. 1918 wurde Oederlin in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Zum hundertjährigen Bestehen 1958 war die Belegschaft auf fast 1000 Personen angewachsen; das Unternehmen fertigte längst auch Komponenten für andere Industriezweige.
Vom Giessen zum Vermieten
Seit dem späten 20. Jahrhundert wurden Produktionsbereiche schrittweise veräussert. Zugleich entstanden Pläne, die Gebäudesubstanz zu erhalten und Räume neu zu vermieten. Die Betreiberchronik beschreibt den starken Rückgang der Gussbestellungen 2014 und die anschliessende Schliessung der Giesserei.
Heute führt die Immobiliengesellschaft das Areal als Arbeits- und Kulturort. Das Verzeichnis enthält unter anderem Architektur, Handwerk, Gestaltung und Bewegungsangebote. Der Betreiber bietet zudem einen digitalen Audio-Rundgang zur Geschichte an. Alte Industriehallen erhalten dadurch neue Nutzungen.
Die Gemeindegrenze am Areal
Das Gelände erstreckt sich über Rieden in Obersiggenthal und über Ennetbaden. Einzelne Gebäude dürfen deshalb nicht automatisch vollständig Rieden zugeordnet werden. Die grosse Übersichtsaufnahme zeigt den weiteren Siedlungsraum Nussbaumen und das Limmattal, keinen ausschliesslichen Riedener Dorfkern.
Der Gemeindeartikel Obersiggenthal erläutert die gemeinsamen öffentlichen Einrichtungen. Rieden ergänzt ihn um den Standort an der Limmat, an dem Wasserkraft, Fabrikgeschichte und heutiges Gewerbe besonders eng zusammenkommen.
Quellen und Orientierung
Weitere Ortsartikel finden sich in der Aargau-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
Redaktionell geprüft am 2. Oktober 2026. Keine eigene politische Gemeinde; Gemeindezugehörigkeit im Steckbrief. Für diese Ortschaft wird keine ungeprüfte eigene Bevölkerungszahl angegeben. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.