Tecknau
Das Dorf am Nordportal: Wie der Hauenstein-Basistunnel Tecknau veränderte – und was den Ort heute zwischen Bahnhof, Uhrenfabrik und den Felsen des Eitals ausmacht.
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Für viele Zugreisende ist Tecknau der Ort unmittelbar vor dem langen Tunnel zwischen Basel und Olten. Für das Dorf selbst war dieser Tunnel ein Wendepunkt. Die Grossbaustelle brachte ab 1912 Hunderte Arbeiter ins Eital, neue Unterkünfte und Gewerbe. Aus einer kleinen Talsiedlung wurde ein Ort mit eigenem Bahnhof und einer direkten Verbindung zu den wirtschaftlichen Zentren der Region.
Heute stehen in Tecknau Eisenbahn, Wohnhäuser, Schule und Waldhänge dicht nebeneinander. Der Eibach begleitet das Dorf; über den Wiesen steigen die Felsen des Tafeljuras auf. An die industrielle Vergangenheit erinnert unter anderem der Schriftzug «Basis Watch» an einem früheren Uhrenfabrikgebäude. Wer Tecknau verstehen möchte, sollte deshalb beides anschauen: die Bahnlinie und das Dorf daneben.
Tecknau auf einen Blick
| Kanton und Bezirk | Basel-Landschaft, Bezirk Sissach |
|---|---|
| Einwohnerzahl | 856 am 30. Juni 2026 |
| Postleitzahl | 4492 |
| Lage | Im Eital südöstlich von Gelterkinden |
| Höhe | 435 Meter über Meer nach Gemeindeangabe |
| Fläche | Rund 2,35 Quadratkilometer |
| Gewässer | Eibach |
| Bahn | Bahnhof Tecknau an der Linie Basel–Olten |
| Prägendes Bauwerk | Nordportal des Hauenstein-Basistunnels |
| Gemeindeverwaltung | Dorfstrasse 22 |
Lage: zwischen Eibach, Bahn und Jurahängen
Tecknau liegt im oberen Baselbiet. Nach Norden öffnet sich die Verbindung Richtung Gelterkinden, nach Süden führt das Eital weiter Richtung Zeglingen. Über den Talflanken liegen die Hochflächen um Rünenberg und Wenslingen. Das Gelände bestimmt die Siedlung: Für Häuser, Strasse, Bach und Bahnanlagen steht im Tal nur begrenzt Platz zur Verfügung.
Der alte Kern besteht aus Häuserzeilen quer zur Talenge. Spätere Wohngebiete entwickelten sich entlang der Hauptstrasse und am Hang in Richtung Wenslingen. Wer vom Bahnhof in den Ort geht, erlebt deshalb keine weitläufige Ebene, sondern ein Dorf mit kurzen Übergängen zwischen Talboden und Hang.
Der Eibach kommt aus dem oberen Eital und mündet weiter unten in Gelterkinden in die Ergolz. Beim Bau des Basistunnels wurde er in Tecknau auf einem Abschnitt verlegt, damit Raum für die Baustelle und die Bahnanlagen entstand. Die heutige Landschaft ist damit zugleich Naturraum und Ergebnis grosser technischer Eingriffe.
Der Hauenstein-Basistunnel: weshalb Tecknau zum Tunneldorf wurde
Der Hauenstein-Basistunnel ist gut acht Kilometer lang und verbindet die Nordseite bei Tecknau mit der Südseite im Raum Trimbach bei Olten. Gebaut wurde er von 1912 bis 1916. Er gehört zu einer wichtigen Achse des Schweizer Personen- und Güterverkehrs.
Der Begriff «Basistunnel» beschreibt die tiefere Linienführung gegenüber der älteren Bergstrecke. Schon seit 1858 führte eine Bahnverbindung über das Homburgertal und Läufelfingen durch den Hauenstein. Mit wachsendem Verkehr wurden deren Steigungen zum Nachteil. Die neue Strecke über Gelterkinden und Tecknau ermöglichte eine günstigere Querung des Juras.

Beim Bau kamen viele Arbeiter, überwiegend aus Italien, in die Region. Für das kleine Tecknau war das eine enorme Veränderung. Unterkünfte, Wirtschaften und neue Betriebe entstanden. Die Baustelle schuf einen vorübergehenden Alltag, der mit dem bisherigen Dorfleben wenig gemeinsam hatte. Zugleich legte der neue Bahnhof die Grundlage für eine dauerhafte Entwicklung.
Der Durchschlag gelang im Juli 1914. Kurz darauf brach der Erste Weltkrieg aus; viele Arbeiter mussten in ihre Herkunftsländer zurückkehren oder verliessen die Baustelle. Dennoch konnte der Tunnel am 8. Januar 1916 in Betrieb gehen. Der Beitrag des Schweizerischen Nationalmuseums schildert neben der technischen Leistung auch Wassereinbrüche, harte Arbeitsbedingungen und die Folgen des Kriegs.
Die beiden Hauensteintunnel sollten nicht verwechselt werden. Wer Tecknau besucht, steht am Basistunnel von 1916. Der ältere Scheiteltunnel gehört zur Strecke über Läufelfingen. Beide sind Teil derselben regionalen Eisenbahngeschichte, liegen aber an verschiedenen Linien.
Die aktuelle Sanierung
Die SBB saniert den Basistunnel nach ihrem veröffentlichten Projektplan von Herbst 2023 bis 2028. Dabei bleibt seine Rolle als stark beanspruchte Verkehrsverbindung bestehen. Für Reisende können einzelne Bauphasen Änderungen im Fahrplan bedeuten.
Für eine Fahrt zählt deshalb die Verbindung am konkreten Tag. Die SBB-Projektseite erklärt die Arbeiten; die Übersicht der Bauarbeiten zwischen Sissach und Olten nennt aktuelle Einschränkungen. Das Tunnelportal selbst ist Teil einer betriebenen Bahnanlage und kein frei zugängliches Besichtigungsziel.
Vom Webstuhl zur Uhrenfabrik
Vor dem Eisenbahnbau lebte Tecknau vor allem von der Landwirtschaft und von Heimarbeit. Die Seidenbandweberei, im Baselbiet als Posamenterei bekannt, brachte zusätzliche Verdienstmöglichkeiten. Dafür standen Webstühle in den Häusern; die wirtschaftlichen Verbindungen reichten zur Stadt Basel und ihren Absatzmärkten.
Der Bahnanschluss veränderte die Voraussetzungen für Gewerbe und Industrie. Besonders die Uhrenindustrie gewann im Ort an Bedeutung. Ein sichtbares Zeugnis ist das Gebäude mit dem Schriftzug Basis Watch. Es steht für eine Seite Tecknaus, die aus dem vorbeifahrenden Zug leicht übersehen wird: die Herstellung von Produkten für einen weit grösseren Markt als das eigene Tal.

Die Verbindung zwischen Basis Watch, der Familie Thommen und Tecknau ist auch in historischen Branchen- und Markenunterlagen dokumentiert. Das Gebäude ist jedoch kein angekündigtes Uhrenmuseum. Für einen Ortsrundgang ist die Fassade interessant, weil sie die industrielle Geschichte im heutigen Strassenraum sichtbar macht.
Nach dem Rückgang früherer industrieller Tätigkeiten entwickelte sich Tecknau zunehmend zur Wohn- und Pendlergemeinde. Der Bahnhof blieb dabei ein entscheidender Standortfaktor: Er verbindet das Wohnen im Tal mit Arbeits- und Ausbildungsorten ausserhalb der Gemeinde.
Das Eital als Naturraum
Schon am Dorfrand verändert sich die Atmosphäre. Wiesen liegen zwischen Bach und Wald, darüber stehen helle Felsbänder. Diese Formen gehören zum Tafeljura: Bäche haben sich in die Gesteinsschichten eingeschnitten, während oberhalb die Hochflächen erhalten blieben.

Der Bach ist nicht überall gleich naturnah. Im Siedlungsgebiet wurde er eingeengt und gesichert; im oberen Eital bleiben strukturreichere Abschnitte. Gerade dieser Wechsel zeigt, welche Ansprüche auf engem Raum zusammentreffen: Schutz der Häuser, Verkehrswege, Landwirtschaft und Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
Zu den Naturschutzmassnahmen gehören Amphibiengewässer im Eital. Pro Natura Baselland dokumentierte 2009 die Anlage eines neuen Laichgebiets als Ersatz für einen problematischen Weiher unmittelbar an der Kantonsstrasse. Solche kleinen Flächen sind für Amphibien wichtig, auch wenn sie weniger auffallen als die Felswände darüber.
Für Besucher bleibt der öffentliche Weg der richtige Ort zum Beobachten. Ufer, Tümpel und Feuchtflächen sind keine Abkürzung. In der Brunnmatte befinden sich zudem Schiessanlagen; örtliche Signalisationen und Sperrungen sind bei der Wegwahl zu beachten.
Bärenloch: ein Blick weit vor die Dorfgeschichte
Das Bärenloch bei Tecknau und Wenslingen führt in eine viel ältere Zeit. In der Höhle wurden ab 1962 zahlreiche Knochen eiszeitlicher Höhlenbären gefunden. Erich Roost führte dort mit Unterstützung der damaligen Altertümerkommission Untersuchungen durch.
Der Jahresbericht der Archäologie Baselland nennt rund 1800 Bärenknochen und einige seltene Silexwerkzeuge, die vermutlich von Neandertalern stammen. Für das Verständnis der Umgebung ist das ein wichtiger Perspektivwechsel: Das Eital war lange vor dem heutigen Dorf Lebensraum für Tiere und wurde bereits in der Altsteinzeit von Menschen aufgesucht.
Die Fundstelle liegt im Grenzraum zu Wenslingen und wird deshalb mit beiden Ortsnamen verbunden. Sie ist eine archäologische Fundstelle, keine regulär ausgebaute Schauhöhle. Für einen normalen Ausflug genügt es, die Felslandschaft von den Wanderwegen aus kennenzulernen.
Tecknau zu Fuss entdecken
Der Bahnhof macht Tecknau zu einem praktischen Ausgangspunkt für Ausflüge. Je nach Zeit lassen sich drei Schwerpunkte setzen:
- Ein Ortsrundgang: Bahnhof, alter Dorfbereich, Eibach und die Spuren der Uhrenindustrie vermitteln einen Eindruck von der Entwicklung des Ortes.
- Ein Weg ins obere Eital: In Richtung Zeglingen wird die Landschaft stärker von Bach, Wald und Felswänden bestimmt. Der Giessen am Eibach bei Kilchberg ist ein mögliches Ziel für eine entsprechend geplante Wanderung.
- Hinauf nach Wenslingen: Die Hochfläche bietet einen anderen Blick auf den Tafeljura. Dabei gehört der Aufstieg ausdrücklich zur Tour; die Entfernung auf der Karte allein sagt wenig über die Anstrengung.
Für die konkrete Runde helfen die örtlichen Wegweiser und eine aktuelle Wanderkarte. Nicht jede Verbindung entlang einer Strasse ist zugleich ein geeigneter Fussweg. Bei Nässe sind die Waldpfade und felsigen Abschnitte entsprechend vorsichtig zu begehen.
Wer nur einen kurzen Aufenthalt plant, muss keine lange Wanderung anhängen. Bereits im Dorf lässt sich verfolgen, wie die Bahn, der Bach und die Häuser auf den engen Talraum reagieren. Dieser Blick macht Tecknau als Ort verständlich.
Schule und Angebote für Familien
Tecknau führt eine eigene Dorfschule. Nach den Angaben der Gemeinde werden gut 60 Kinder im Kindergarten und in drei jahrgangsdurchmischten Primarklassen unterrichtet. Das Schulhaus befindet sich an der Hauptstrasse 71, der Kindergarten an der Dorfstrasse 22.
Jahrgangsdurchmischte Klassen fassen Kinder verschiedener Schuljahre zusammen. Für Eltern sind deshalb die konkrete Klassenzuteilung und die aktuelle Schulorganisation wichtig. Die Schulseite der Gemeinde bündelt Kontakte und Informationen. Für die Sekundarstufe verweist die Gemeinde auf Gelterkinden.
Zum Angebot für jüngere Kinder gehört die Spielgruppe Chäfer beim Kindergarten. Für ausserhäusliche Betreuung verweist Tecknau auf den Verein Tagesfamilien oberes Baselbiet. Ausserdem gibt es eine Mütter- und Väterberatung im Gemeindehaus. Termine und Anmeldemöglichkeiten stehen auf der Seite zur Kinderbetreuung.
Vereine, Bücher und Dorfleben
Das Vereinsverzeichnis reicht vom Turnverein über Damen-, Frauen- und Männerriege bis zum Volleyballclub. Hinzu kommen Feldschützen, Frauenverein und Seniorenturnen. Für einen Ort dieser Grösse bilden solche Angebote wichtige Treffpunkte ausserhalb von Arbeit und Schule.
Wer neu zuzieht, findet im kommunalen Vereinsverzeichnis direkte Anlaufstellen. Trainingszeiten oder Veranstaltungsprogramme sind jeweils beim Verein selbst zu prüfen; eine Aufnahme in die Liste bedeutet nicht automatisch ein jederzeit offenes Angebot.
Eine kleine, unkomplizierte Einrichtung ist das Bücherdepot im Eingang des Gemeindehauses. Dort können Bücher gebracht und mitgenommen werden. Für ein grösseres Medienangebot verweist die Gemeinde auf die öffentliche Bibliothek in Gelterkinden und die Kantonsbibliothek in Liestal. Das verbindet ein niederschwelliges Angebot im Dorf mit den Einrichtungen der Region.
Gemeinde, Geschichte und heutiger Alltag
Tecknau ist seit dem späten 13. Jahrhundert schriftlich überliefert. Im Mittelalter gehörte es zu wechselnden Herrschaftsverbänden und kam 1461 mit der Herrschaft Farnsburg an Basel. Seit 1814 gehört es zum Bezirk Sissach. Kirchlich ist der Ort traditionell mit Gelterkinden verbunden.
Heute ist Tecknau eine eigenständige politische Gemeinde. Die Gemeindeversammlung ist ihr oberstes Organ. Die Verwaltung an der Dorfstrasse 22 ist Anlaufstelle für Einwohnerdienste und kommunale Fragen. Auf der Gemeindewebsite finden sich Reglemente, Abfallkalender und aktuelle Mitteilungen.
Für den Alltag ist die Nähe zu Gelterkinden ebenso wichtig wie der Bahnanschluss nach Basel und Olten. Bei einem Umzug lohnt es sich, den tatsächlichen Weg von einer Wohnung zum Bahnhof zu prüfen. Die Hanglage einzelner Quartiere und die Lage beidseits der Verkehrsachsen können dabei einen Unterschied machen.
Anreise und heutige Verkehrsverbindungen
Der Bahnhof Tecknau liegt an der Bahnlinie Basel–Olten und wird von der S-Bahn bedient. Die S3 verbindet den Ort mit den Nachbarstationen und den regionalen Zentren. Fernverkehrszüge fahren ebenfalls auf dieser Achse, halten aber nicht allein deshalb in Tecknau.
Im Busverkehr ist die Linie 103 Richtung Gelterkinden und Oltingen relevant. Der TNW weist bei der aktuellen Angebotsänderung darauf hin, dass die Haltestelle Mitteldorf in die Wenslingerstrasse verlegt wurde und die Haltestelle Tecknau, Bahnhof nicht mehr bedient wird. Wer zwischen Zug und Bus wechselt, sollte deshalb den Fussweg und die tatsächlich angezeigte Haltestelle prüfen.
Die SBB-Verbindungsauskunft ist für die konkrete Fahrt massgeblich. Wegen der Arbeiten am Hauenstein-Basistunnel können einzelne Verbindungen abweichen. Mit dem Auto erfolgt die Anreise über das regionale Strassennetz; im engen Dorfraum sind ausgeschilderte Parkplätze und Rücksicht auf den übrigen Verkehr besonders wichtig.
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Häufige Fragen zu Tecknau
Warum wird Tecknau als Tunneldorf bezeichnet?
Hier liegt das Nordportal des Hauenstein-Basistunnels. Dessen Bau von 1912 bis 1916 veränderte das kleine Dorf durch die Grossbaustelle und den neuen Bahnanschluss grundlegend.
Welcher Hauensteintunnel liegt bei Tecknau?
Der Basistunnel von 1916. Der ältere Tunnel von 1858 gehört zur Strecke über Läufelfingen.
Hat Tecknau eine eigene Schule?
Ja, Kindergarten und Primarschule werden im Dorf geführt. Für die Sekundarstufe ist Gelterkinden der weiterführende Schulort.
Kann man ab Tecknau wandern?
Ja. Der Bahnhof bietet einen Ausgangspunkt für das Eital und die umliegenden Hochflächen. Bei Wegen nach Wenslingen oder Rünenberg sind die Anstiege mitzuplanen.
Quellen und weiterführende Informationen
Redaktioneller Stand: Oktober 2026. Einwohnerzahl: 30. Juni 2026.
- Gemeinde Tecknau: Zahlen und Fakten, Geschichte, Schule
- Statistik Basel-Landschaft: Bevölkerung
- Historisches Lexikon der Schweiz: Tecknau
- Schweizerisches Nationalmuseum: Bau des Hauenstein-Basistunnels
- SBB: Grundinstandsetzung Hauenstein-Basistunnel
- Regionatur: Eibach; Pro Natura Baselland: Laichgebiet im Eital
- Archäologie Baselland: Jahresbericht 2011, Bärenloch
- TNW: Änderungen bei PostAuto
Die Bilder zeigen die jeweils angegebenen Aufnahmezeitpunkte. Urheber und Lizenzen stehen direkt bei den Fotos.