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Therwil

Therwil im Leimental: St. Stephan, Dorfmuseum und Birsmattehof, alte Bachgassen und neue Wohnquartiere. Ein Ortsführer mit Geschichte, Fotos und Karte.

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Brunnen und Häuser am Löwenplatz in Therwil
Löwenplatz in Therwil, Juni 2006. Foto: Roland Zumbühl · CC BY-SA 4.0.

Therwil liegt im Leimental südwestlich von Basel. Die Gemeinde verbindet einen alten Dorfkern rund um die Kirche St. Stephan mit Wohnquartieren, Schulen und den offenen Feldern der Talebene. Über 10'000 Menschen leben hier. Im Alltag ist Therwil eng mit der Stadt verbunden; seine Geschichte und sein Landschaftsraum reichen aber weit über die Rolle als Basler Wohngemeinde hinaus.

Besonders anschaulich wird das bei einem Spaziergang vom Löwenplatz zum Kirchrain und weiter an den Siedlungsrand. Innerhalb kurzer Distanz wechseln sich Dorfgeschichte, heutiges Gemeindeleben und Landwirtschaft ab. Mit dem Birsmattehof besitzt Therwil zudem einen Ort, an dem die Verbindung zwischen Lebensmittelproduktion und städtischer Kundschaft seit Jahrzehnten praktisch gelebt wird.

Therwil auf einen Blick

Kanton und BezirkBasel-Landschaft, Bezirk Arlesheim
RegionLeimental
Einwohner10'207, Stand 30. Juni 2026
Fläche7,66 km²
Postleitzahl4106
Erste urkundliche Erwähnung1223 als Tervvilre
GemeindeverwaltungBahnhofstrasse 33
Gemeindewebsitetherwil.ch

Wo liegt Therwil?

Therwil gehört zum unteren Leimental, dem Landschaftsraum entlang des Birsig und seiner Zuflüsse. Oberwil liegt talwärts in Richtung Basel, Ettingen weiter südlich; nach Westen führen Verbindungen in Richtung Biel-Benken. Die Gemeinde ist damit Teil eines zusammenhängenden Wohn- und Arbeitsraums, dessen historische Dorfzentren weiterhin erkennbar sind.

Das ältere Therwil entwickelte sich entlang von Bächen. Die Gemeinde beschreibt seinen ursprünglichen Kern als ein von Wasserläufen umgebenes Geviert: den Mittleren Kreis. Von diesem Zentrum führten die Wege nach aussen. Dieses Grundmuster ist ein guter Ausgangspunkt, um die gewachsenen Strassen und Gassen von den späteren Wohngebieten zu unterscheiden.

Heute reicht die Bebauung deutlich über diesen alten Kern hinaus. Am Rand öffnen sich jedoch weiterhin Felder, Wege und kleinere Landschaftsräume. Therwil ist deshalb gleichzeitig Agglomerationsgemeinde und ein Ort, an dem Landwirtschaft unmittelbar zur Umgebung gehört. Wer nur entlang der Hauptverkehrsachsen unterwegs ist, sieht von dieser zweiten Seite vergleichsweise wenig.

St. Stephan und der alte Dorfbereich

Die katholische Kirche St. Stephan ist eines der wichtigsten historischen Gebäude Therwils. Eine Kirche ist hier bereits 1267 erwähnt. Der heutige Bau entstand von 1627 bis 1631 anstelle eines gotischen Vorgängers. Mit seinem Turm und der erhöhten Lage prägt er das Ortsbild rund um den Kirchrain.

Weisse Kirche St. Stephan in Therwil mit Turm und Treppenaufgang
Kirche St. Stephan mit Aufgang, Juni 2006. Foto: Roland Zumbühl · CC BY-SA 3.0.

Die Geschichte des Kirchenorts zeigt auch die wechselnden konfessionellen Verhältnisse. Therwil schloss sich im 16. Jahrhundert zunächst der Reformation an. In den Jahren 1526 bis 1528 war es zeitweise ein Zentrum der Täuferbewegung. Gegen Ende des Jahrhunderts setzte der Basler Fürstbischof die Rückkehr zum katholischen Glauben durch. Der frühbarocke Neubau gehört in die Zeit danach.

In der Nähe steht die St.-Anna-Kapelle am Hinterkirchweg, die heute von der christkatholischen Kirchgemeinde genutzt wird. Sie ist von St. Stephan zu unterscheiden. Zur heutigen religiösen Landschaft gehört ausserdem die reformierte Kirchgemeinde Oberwil-Therwil-Ettingen mit ihrem Standort am Güggelwägli.

Im Dorfkern sind die alten Zusammenhänge nicht überall vollständig erhalten. Der starke Ausbau nach dem Zweiten Weltkrieg und die Ortskernplanung von 1959 führten zum Abbruch zahlreicher Bauernhäuser. Spätere Planungen legten wieder mehr Gewicht auf den Erhalt der verbliebenen Substanz. Ein Rundgang zeigt deshalb sowohl alte Gebäude als auch die Spuren dieser Umgestaltung.

Das Dorfmuseum am Kirchrain

Wer Therwil genauer kennenlernen möchte, findet im Dorfmuseum einen lokalen Zugang. Die Idee entstand 1971 nach einer Versammlung der landwirtschaftlichen Genossenschaft. Daraus entwickelte sich der Verein Alt Therwil. 1977 konnte zunächst ein provisorisches Museum an der Bahnhofstrasse eröffnet werden.

Seinen heutigen Standort erhielt das Museum nach der Übernahme der Liegenschaften Kirchrain 14 und 14a. Das neue Haus wurde am 25. September 1993 eröffnet. Es verbindet die Sammlung zur örtlichen Geschichte mit wechselnden Ausstellungen und Veranstaltungen. Alltagsgegenstände und lokale Erinnerungen helfen dabei, die Entwicklung vom Bauerndorf zur heutigen Gemeinde verständlich zu machen.

Das Museum eignet sich besonders als Ergänzung zum Spaziergang durch den Kern. Draussen sieht man die Gebäude und Strassen; drinnen lassen sich ihre früheren Nutzungen und die Lebensbedingungen der Menschen einordnen. Aktuelle Ausstellungen und Besuchsmöglichkeiten veröffentlicht die Gemeinde auf ihrer Seite zum Dorfmuseum.

Ein Therwiler Haus im Ballenberg

Ein bedeutendes altes Gebäude aus Therwil steht heute nicht mehr im Dorf: das Hügin-Haus von 1675. Es wurde 1989 in das Freilichtmuseum Ballenberg im Berner Oberland versetzt. Wer es besichtigen möchte, muss daher zum Museum reisen und findet es nicht bei einem Rundgang durch Therwil.

Diese Geschichte ist mehr als eine kuriose Ortsverlagerung. Das Haus dokumentiert eine Bau- und Lebensweise, die in der wachsenden Gemeinde vielerorts verschwand. Zugleich macht sein Umzug eine grundsätzliche Frage sichtbar: Wie bewahrt man Gebäude, wenn sich ihr ursprüngliches Umfeld stark verändert? In Therwil kann man die heutige Dorfstruktur ansehen; im Ballenberg bleibt ein konkretes Stück seiner bäuerlichen Vergangenheit erhalten.

Birsmattehof: Landwirtschaft mit direkter Verbindung zur Kundschaft

Der Birsmattehof ist ein wichtiger Gegenpol zum dicht bebauten Teil Therwils. Hinter dem Betrieb steht die Agrico-Genossenschaft, die 1980 entstand. Seit den frühen 1980er-Jahren verbindet sie biologischen Gemüseanbau mit einer direkten Versorgung von Haushalten in der Region.

Das Prinzip wird besonders bei den Gemüseabonnements sichtbar: Die Ernte gelangt über Depots zu den Abonnentinnen und Abonnenten. Daneben gehören Marktverkauf und Hofverkauf zum Angebot. Auf diese Weise lässt sich nachvollziehen, dass regionale Landwirtschaft aus mehr besteht als aus den Feldern, die man bei einem Spaziergang sieht. Planung, Anbau, Ernte, Verteilung und Verbrauch bilden eine zusammenhängende Arbeit.

Der Betrieb bietet auch Einblicke in diese Arbeit, etwa über angekündigte Führungen, Kurse oder gemeinsame Arbeitseinsätze. Die jeweils angebotenen Formate stehen auf birsmattehof.ch. Der Hof liegt am Birsmatthof 1. Seine bewirtschafteten Flächen sind Arbeitsräume; ein Spaziergang in der Umgebung ist deshalb etwas anderes als eine angemeldete Hofführung.

Von Tervvilre zum Wohnort im Leimental

Die erste bekannte schriftliche Nennung Therwils stammt von 1223. In der Urkunde erscheint ein Geistlicher namens Burchardus de Tervvilre als Zeuge. Besiedlungsspuren sind jedoch wesentlich älter: Archäologische Funde belegen Aktivitäten seit der Jungsteinzeit; hinzu kommen römische und frühmittelalterliche Spuren.

Im Mittelalter lagen Rechte am Dorf bei unterschiedlichen Herrschaften. Das Kloster Reichenau besass grundherrliche Rechte, während der Basler Bischof die hohe Gerichtsbarkeit ausübte. Therwil wurde später der bischöflichen Vogtei Birseck zugeordnet. Landwirtschaft, Weinbau, Mühlen und verschiedene Formen der Heimarbeit prägten den Lebensunterhalt.

Nach dem Ende des Fürstbistums gehörte Therwil zwischen 1793 und 1814 zu Frankreich. 1815 kam es zum Kanton Basel, 1832 zum neu entstehenden Basel-Landschaft. Mit dem Ort verbunden ist Stephan Gutzwiller, eine zentrale Figur der Baselbieter Kantonsgründung. Er setzte sich auch für den Ausbau des Bildungswesens ein; 1836 entstand in Therwil eine Bezirksschule.

Ein weiterer Wendepunkt war 1887 die Eröffnung der Birsigtalbahn zwischen Basel und Therwil. 1910 wurde die Strecke bis Rodersdorf verlängert. Die Bahn erleichterte den Austausch mit der Stadt und bereitete die spätere Entwicklung als Wohnort vor. Besonders nach 1950 wuchs die Bevölkerung stark. Aus dem überwiegend landwirtschaftlichen Dorf wurde die heutige Gemeinde mit zahlreichen Pendlerinnen und Pendlern, eigenen Arbeitsplätzen und einer breiten Infrastruktur.

Grüne Wege, Sport und Alltag

Fussweg mit Sitzbank und Grünflächen im alten Dorfbereich von Therwil
Grüner Weg im älteren Dorfbereich von Therwil, Oktober 2007. Foto: bttwil · CC BY-SA 3.0.

Für kurze Spaziergänge muss man Therwil nicht erst mit dem Auto verlassen. Wege entlang der Bäche, durch den älteren Dorfbereich und hinaus zu den Feldern machen unterschiedliche Seiten des Ortes zugänglich. Ein Rundgang lässt sich klein halten oder mit den Wegen in Richtung der Nachbargemeinden verbinden.

Zum Gemeindeleben gehören die Sportanlagen Känelmatt und zahlreiche Vereine. Neben den in vielen Orten verbreiteten Sportarten besitzt Therwil mit den Therwil Flyers auch eine bekannte Baseballtradition. Die Sportflächen und Schulstandorte sind ein wichtiger Teil der jüngeren Gemeindeentwicklung: Sie werden im Alltag ebenso intensiv genutzt wie die historischen Gebäude bei besonderen Anlässen.

Für Familien sind die Angebote von Kindergarten, Primarschule und Sekundarschule sowie Betreuung und Musikunterricht relevant. Die Gemeinde verweist auf die jeweiligen Schulen und Einrichtungen. Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen konzentrieren sich unter anderem im Zentrum. Damit erfüllt Therwil viele tägliche Bedürfnisse vor Ort, während Basel zusätzliche Arbeitsplätze und städtische Angebote bereitstellt.

Anreise und ein sinnvoller erster Rundgang

Therwil ist über die Tramverbindung im Leimental mit Basel und den Nachbarorten verbunden. Ergänzende Buslinien erschliessen weitere Ziele. Für eine konkrete Fahrt sind die aktuellen Angaben von BLT und SBB hilfreich; eine Reise in die Gemeinde ist ohne eigenes Auto gut planbar.

Als erster Rundgang bietet sich die Verbindung von Zentrum und Löwenplatz mit St. Stephan und dem Kirchrain an. Wer mehr Zeit mitbringt, ergänzt das Dorfmuseum während seiner Öffnungszeiten oder geht weiter in die Landschaft am Siedlungsrand. Der Birsmattehof ist ein eigenes Ziel, wenn man sich für Gemüseanbau und regionale Versorgung interessiert.

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Angebote aus dem Baselbiet

Auf schweiz.work finden sich Dienstleistungen und Inserate aus dem Kanton Basel-Landschaft, darunter Angebote aus dem Leimental.

Häufige Fragen zu Therwil

Gehört Therwil zur Stadt Basel?

Nein. Therwil ist eine eigenständige Gemeinde im Kanton Basel-Landschaft und gehört zum Bezirk Arlesheim. Wirtschaftlich und verkehrlich ist es eng mit Basel verbunden.

Was lohnt sich in Therwil anzusehen?

Für einen ersten Besuch eignen sich der ältere Dorfbereich, die Kirche St. Stephan und das Dorfmuseum am Kirchrain. Die Wege am Siedlungsrand und der Birsmattehof eröffnen einen Zugang zur Landschaft und Landwirtschaft.

Wo steht das Hügin-Haus?

Das 1675 erbaute Haus wurde 1989 in das Freilichtmuseum Ballenberg versetzt. Es steht heute im Berner Oberland.

Hat Therwil eine Bahnverbindung?

Die historische Birsigtalbahn ist Teil der Entwicklung der heutigen Tramverbindung im Leimental. Therwil ist damit an das öffentliche Verkehrsnetz der Region Basel angeschlossen.

Quellen und weiterführende Informationen