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Thürnen

Thürnen liegt am Eingang des Homburgertals bei Sissach. Das Dorf verbindet einen seltenen Holzspeicher und alte Bauernhäuser mit lebendiger Fasnacht und kurzen Wegen in die Jurahügel.

Aktualisiert am

Historische Luftaufnahme der Region um Thürnen, Böckten und Diepflingen von 1922
Thürnen und seine Nachbarorte aus der Luft: Die regionale Übersichtsaufnahme von Walter Mittelholzer stammt aus dem Jahr 1922. Foto: Walter Mittelholzer / ETH-Bibliothek · Gemeinfrei.

Thürnen ist eine Baselbieter Gemeinde am Eingang des Homburgertals, unmittelbar südöstlich von Sissach. Der Homburgerbach, die Strasse Richtung Hauenstein und die Bahnlinie geben dem Tal seine Richtung. Dazwischen liegt ein Dorf, dessen alte Häuser und Speicher noch an die Landwirtschaft erinnern. An den Hängen und in den jüngeren Quartieren zeigt sich dagegen, wie stark Thürnen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts gewachsen ist.

Für einen Besuch lohnt sich der Blick auf Details: auf ein spätgotisches Fenster an der Hauptstrasse, auf die Balken eines fast 500 Jahre alten Speichers oder auf die Geländeformen oberhalb des Dorfes. Im Alltag sind die Schule, die Spiel- und Sportanlagen sowie die Nähe zum Bahnhof Sissach wichtig. Eine besondere Rolle spielt die Fasnacht mit den Aerdwybli und ihrer Guggenmusik.

Thürnen auf einen Blick

Kanton / BezirkBasel-Landschaft / Sissach
Bevölkerung1'503 am 30. Juni 2026
GemeindegebietRund 2,3 km²
HöhenlageDorf rund 390 m ü. M.
Postleitzahl4441 Thürnen
BFS-Nr.2864
Schriftliche ÜberlieferungSeit dem frühen 12. Jahrhundert
GemeindeverwaltungBöckterstrasse 20, 4441 Thürnen
thuernen.ch · 061 975 80 80

Wo liegt Thürnen?

Wer von Sissach Richtung Unterer Hauenstein fährt, erreicht Thürnen bereits am Anfang des Homburgertals. Weiter talaufwärts liegen Diepflingen und die übrigen Dörfer des Tals. Nördlich und nordöstlich befinden sich Böckten und Gelterkinden. Zu den Nachbargemeinden gehören ausserdem Wittinsburg, Tenniken und Zunzgen.

Diese Lage erklärt die doppelte Orientierung des Dorfes: Landschaftlich gehört es zum Homburgertal, viele tägliche Wege führen aber ins nahe Sissach. Der Homburgerbach fliesst talabwärts zur Ergolz. Die seitlichen Hügel begrenzen den Siedlungsraum und machen schon auf kurzen Wegen deutlich, dass man sich im Jura befindet.

Gut die Hälfte des Gemeindegebiets wird landwirtschaftlich genutzt, knapp ein Viertel ist Wald. Thürnen ist also trotz seiner Nähe zu den Verkehrsachsen kein durchgehend bebauter Vorort. Zwischen den Wohngebieten, Wiesen, Äckern und bewaldeten Höhen wechseln die Eindrücke schnell. Die historische Luftaufnahme zeigt besonders gut, wie die Talform die Entwicklung der Orte vorzeichnete.

Blick von Westen auf Sissach und die Region mit Thürnen und Gelterkinden im Jahr 1923
Die Region von Westen im Jahr 1923. Talachsen, bewaldete Höhen und die damals noch kleinen Siedlungen sind deutlich zu erkennen. Foto: Walter Mittelholzer / ETH-Bibliothek · Gemeinfrei.
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Der alte Dorfkern: zwei Bauten, die einen zweiten Blick verdienen

Thürnen besitzt keine grosse museale Altstadt. Seine Baugeschichte steckt in einzelnen Häusern, ihren Umbauten und den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden. Ein kleiner Rundgang entlang der Hauptstrasse und ins Oberdorf erschliesst zwei besonders interessante Beispiele. Beide sind geschützte Bauten; ihre Aussenansicht lässt sich von den öffentlichen Wegen betrachten.

Das spätgotische Haus an der Hauptstrasse 48

Das dreigeschossige Wohnhaus stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert. Mit seinem steilen Satteldach steht es in einer Häuserreihe. Die Fenster wurden später teilweise verändert, doch im obersten Geschoss sind noch gekoppelte gotische Fenster mit profilierten Einfassungen erhalten. Gerade dieser Unterschied zwischen den Stockwerken macht die lange Nutzungsgeschichte sichtbar.

Auch der rundbogige Eingang und die unregelmässige Verteilung der Fenster verdienen Aufmerksamkeit. Bei der Restaurierung kamen bemalte Ecksteine zum Vorschein. Das Gebäude wirkt deshalb anders als eine gleichmässig verputzte, neuere Fassade. Die ehemals angrenzenden landwirtschaftlichen Gebäudeteile sind verschwunden; das Wohnhaus selbst steht seit 1979 unter kantonalem Schutz. Es ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein alter Bauernhauskern über Jahrhunderte angepasst wurde.

Der Blockspeicher im Oberdorf 2A

Noch ungewöhnlicher ist der kleine Holzspeicher im Oberdorf. Eine Untersuchung der Jahrringe datiert den ältesten Teil auf 1539. Ein weiterer Abschnitt wurde 1690 angefügt. So lassen sich an einem einzigen Gebäude zwei unterschiedliche Arten des Holzbaus erkennen.

Der westliche Teil besteht aus horizontal übereinandergelegten Balken, die an den Ecken ineinandergreifen: einem Blockbau. Im östlichen Teil trägt ein Gerüst aus aufrechten Stützen die Wände. Solche Speicher mussten Vorräte trocken und möglichst sicher vor Mäusen und Mardern halten. Eng gefügte Hölzer waren deshalb keine blosse Zierde, sondern erfüllten einen praktischen Zweck.

Der Speicher gehört zu den seltenen erhaltenen Beispielen dieses Bautyps im Baselbiet und steht seit 2000 unter Schutz. Wer ihn anschaut, entdeckt einen Teil der Dorfgeschichte, der neben den grösseren Wohnhäusern leicht übersehen wird: die sorgfältige Aufbewahrung der Ernte.

Geschichte: von Homberg zur Wohngemeinde

Funde aus der Hallstattzeit und der römischen Epoche belegen frühe menschliche Spuren im Gebiet Kilchmatt. Schriftlich fassbar wird Thürnen im frühen 12. Jahrhundert. Das Dorf gehörte zur Herrschaft Homberg, die 1305 an den Bischof von Basel und 1400 an die Stadt Basel gelangte. Später gehörte es zum Amt Homberg; seit 1814 ist es dem Bezirk Sissach zugeordnet.

Neben Ackerbau und Viehhaltung war die Seidenbandweberei wichtig. Sie brachte Heimarbeit in bäuerliche Haushalte. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen im Dorf zahlreiche Bandwebstühle, bevor dieser Erwerbszweig weitgehend verschwand. Thürnens Geschichte ist damit auch Teil der engen wirtschaftlichen Verbindung zwischen der Stadt Basel und ihrem ländlichen Umland.

Eine einstige St.-Blasius-Kapelle ging nach der Reformation verloren. Ihr genauer Standort ist nicht gesichert. Kirchlich war Thürnen mit Sissach verbunden. Eine heute sichtbare mittelalterliche Dorfkirche darf man deshalb hier nicht erwarten.

Wie aus dem kleinen Dorf ein grösserer Wohnort wurde

1950 zählte Thürnen erst 331 Einwohnerinnen und Einwohner. Ab den späten 1950er-Jahren setzte eine stärkere Bautätigkeit ein. Mehrfamilienhäuser und neue Quartiere entstanden; ab 1970 wurde das Gebiet Bernhardhansli erschlossen. Verwaltungsgebäude und Mehrzweckhalle folgten 1971 beziehungsweise 1983. 1988 lebten erstmals tausend Menschen im Dorf.

Der heutige Ort verbindet deshalb einen kleinen historischen Kern mit deutlich jüngeren Wohngebieten. Bei einem Spaziergang lohnt es sich, auf Dachformen, Parzellengrössen und die Stellung der Häuser zur Strasse zu achten.

Wappen und Sagen: der Turm gehört zur Ortsgeschichte

Ein schwarzer Turm mit Ringmauer und zwei offenen Toren steht auf goldenem Grund. Die Farben erinnern an das Amt Homberg. Der Turm stellt eine Befestigung dar.

Daneben kennt Thürnen Geschichten über ein verschwundenes Kloster oder eine Kirche mit neun Türmen in der Kilchmatt. Das sind Sagen, keine Belege für ein neuntürmiges Bauwerk. Sie erzählen davon, wie frühere Generationen ihren Heimatort deuteten.

Thürnerfluh, Grien und die Landschaft oberhalb des Dorfes

Die Wege aus dem Tal führen rasch in die Hügellandschaft. Ein Ziel ist die Thürnerfluh. Verbindungen über das Gebiet Grien erlauben Wanderungen in Richtung Sommerau. Unterwegs wechselt der Blick zwischen dem Homburgertal, den benachbarten Jurahöhen und dem Raum Sissach.

Für eine längere Unternehmung lässt sich Thürnen in eine Wanderung ab Sissach einbeziehen. Der Reiz liegt im Übergang: vom Bahnhof und den Wohngebieten entlang des Bachs zu Landwirtschaftsflächen und bewaldeten Höhen. Welche Verbindung zur eigenen Zeit und Kondition passt, zeigt eine aktuelle Wanderkarte. Die Höhenwege sind etwas anderes als ein ebener Dorfspaziergang; nach Regen können Wald- und Naturwege rutschig sein.

Die Thürnerfluh sollte nicht mit der Böckterfluh oder der Sissacherfluh verwechselt werden. Diese ebenfalls nahen Ausflugsziele gehören zu anderen Höhenzügen. Wer mehrere Orte erkunden möchte, kann Thürnen deshalb gut als Teil einer grösseren Entdeckungstour durch die Dörfer rund um Sissach verstehen.

Der Bergrutsch von 1758

Die Landschaft hat auch eine geologische Geschichte. Im Gebiet Grütsch südwestlich von Thürnen ereignete sich 1758 ein grösserer Rutsch. Tonreiche Schichten spielen bei solchen Vorgängen eine wichtige Rolle: Verwittertes Material kann bei starker Durchfeuchtung an Festigkeit verlieren, sodass darüberliegende Massen in Bewegung geraten.

Der Geologische Atlas von swisstopo beschreibt die Rutschgebiete bei Thürnen im Zusammenhang mit dem Opalinus-Ton. Bohrungen zeigten im unteren Teil der historischen Rutschmasse Mächtigkeiten von etwa 15 bis 22 Metern. Es ging also um eine tiefgreifende Bewegung des Hangs. Auch beim Eisenbahnbau kam es im 19. Jahrhundert östlich des Dorfes zu einem Rutsch.

Diese Ereignisse erklären Besonderheiten des Geländes. Sie bedeuten nicht, dass sich aus einem Spaziergang automatisch eine Gefahr ableiten lässt. Für heutige Bauvorhaben oder konkrete Grundstücksfragen sind die aktuellen kantonalen Karten und Abklärungen massgebend.

Fasnacht und Dorfleben

Zu Thürnen gehören die Aerdwybli. Ihre Geschichte begann 1962 mit einer kleinen Fasnachtsgruppe; noch im selben Jahr nahm sie am Umzug in Sissach teil. 1970 entstand die Guggenmusik Aerdwybli-Schränzer. Seit 1979 gibt es eigene Fasnachtsplaketten. Die Verbindung zu Sissach ist bis heute ein wichtiger Teil dieses regionalen Fasnachtsraums.

Aerdwybli-Schränzer aus Thürnen bei einem Fasnachtsbummel in Freiburg im Breisgau
Die Aerdwybli-Schränzer aus Thürnen bei einem Bummel in Freiburg im Breisgau im März 2018. Das Foto entstand ausserhalb des Dorfes. Foto: Andreas Schwarzkopf · CC BY-SA 4.0.

Das Dorfleben beschränkt sich nicht auf die Fasnacht. Beim Eierläset wird im Frühling der Wettstreit zwischen Winter und Frühling spielerisch aufgegriffen. Der Banntag knüpft an den gemeinsamen Gang entlang der Gemeindegrenzen an. Heute steht dabei auch das Zusammensein im Vordergrund.

Weitere feste Begriffe sind das Grümpelturnier rund um die Sommerferien und der Waldrundgang gegen Ende August. Solche Anlässe machen eine kleine Gemeinde auf eine andere Weise erfahrbar als ein Besuch ihrer Gebäude: Man begegnet den Vereinen und den Menschen, die den Ort gestalten. Die jeweiligen Termine veröffentlicht die Gemeinde in ihrem Veranstaltungskalender.

Schule, Spielplätze und Alltag für Familien

Thürnen führt einen zweijährigen Kindergarten und eine sechsjährige Primarschule im Dorf. Ab dem siebten Schuljahr besuchen die Jugendlichen die Sekundarschule in Sissach. Für Familien ist diese Unterscheidung wichtig: Die Primarschulzeit bleibt vor Ort, mit der Sekundarstufe erweitert sich der tägliche Schulweg.

Für Kinder aus Kindergarten und Primarschule besteht ein Mittagstisch. Im Schuljahr 2026/27 findet er während der Schulzeit dienstags und freitags von 12 bis 13.45 Uhr statt. Organisiert wird das Angebot durch den Verein Tagesfamilien Oberes Baselbiet; der Standort befindet sich im Gemeindegebäude an der Böckterstrasse 20. Anmeldung und Kosten lassen sich über die verlinkten Unterlagen klären.

Spielen, Velofahren üben und Sport treiben

Zwischen Bahnübergang und Schulhaus liegt neben dem Sportplatz ein Spielplatz mit Kletter- und Schaukelmöglichkeiten. Auf dem Pausenplatz befindet sich ausserdem ein Verkehrsgarten. Dort können Kinder Verkehrssituationen mit dem Velo oder Trottinett in einer überschaubaren Umgebung üben.

Zur Sportanlage gehören eine Rasenfläche und befestigte Flächen mit Markierungen für verschiedene Ballspiele. Dazu kommen Leichtathletikanlagen. Das macht das Schulumfeld auch ausserhalb des Unterrichts zu einem wichtigen Treffpunkt. Für organisierte Nutzungen und Veranstaltungen gelten die jeweiligen Belegungsregeln der Gemeinde.

Thürnen ist zugleich eng mit dem Versorgungsangebot in Sissach verbunden. Für grössere Einkäufe, weiterführende Schulen oder Bahnreisen führen viele Wege dorthin. Wer einen Umzug plant, sollte deshalb sowohl die Lage innerhalb des Dorfes als auch den Weg zu Bus und Bahnhof berücksichtigen: Ein Haus am Hang hat andere Alltagswege als eine Wohnung nahe der Hauptstrasse.

Dienstleistungen im Baselbiet

Die folgenden Inserate von schweiz.work zeigen Angebote aus dem Kanton Basel-Landschaft. Beim jeweiligen Inserat steht, wo der Anbieter tätig ist; die Angebote stammen nicht ausschliesslich aus Thürnen.

Anreise und Verkehr

Thürnen hat keinen eigenen Bahnhof, obwohl die Bahnlinie durch das Gemeindegebiet führt. Der wichtigste Bahnanschluss liegt im nahen Sissach. Von dort erschliessen Busse das Dorf.

Seit dem Fahrplanwechsel vom 14. Dezember 2025 fährt die Linie 105 als Ortsbus zwischen Sissach und Thürnen. Sie ergänzt die Linie 108 und verkehrt im Halbstundentakt auf einer Rundstrecke. Die Linie 108 verbindet Sissach über Thürnen mit Wittinsburg; ihr Angebot wurde auch am Abend erweitert. Für eine konkrete Fahrt ist der SBB-Fahrplan mit einer Thürner Haltestelle die zuverlässigste Planungshilfe.

Mit dem Auto führt die Zufahrt über Sissach oder von Süden durch das Homburgertal. Die Durchgangsstrasse und die ruhigeren Wohnstrassen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Seit September 2026 sind in zwei zusätzlichen, signalisierten Bereichen Tempo-30-Zonen eingerichtet. Daraus folgt keine pauschale Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h für das ganze Dorf; entscheidend ist die Signalisation vor Ort.

Häufige Fragen zu Thürnen

Ist Thürnen dasselbe wie Thurnen?

Nein. Thürnen mit Umlaut liegt im Kanton Basel-Landschaft bei Sissach und hat die Postleitzahl 4441. Thurnen ohne Umlaut ist eine Gemeinde im Kanton Bern. Gerade bei der Suche nach Fotos oder einer Adresse sollte man auf den Kanton achten.

Was lohnt sich bei einem kurzen Besuch?

Ein Rundgang zur Hauptstrasse 48 und zum Blockspeicher im Oberdorf vermittelt die ältere Baugeschichte. Mit mehr Zeit lässt sich ein Ausflug in die Hügellandschaft Richtung Grien und Thürnerfluh anschliessen.

Wo gehen die Kinder zur Schule?

Kindergarten und die sechs Primarschuljahre werden im Dorf angeboten. Für die Sekundarstufe gehen die Jugendlichen nach Sissach.

Warum zeigt das Wappen einen Turm?

Der Turm zeigt eine Befestigung. Seine genaue Herleitung ist nicht gesichert; lokale Sagen liefern unterschiedliche Deutungen.

Quellen und weiterführende Informationen

Redaktionell geprüft im Oktober 2026. Historische Aufnahmen sind mit ihrem Entstehungsjahr beschriftet.