Unterlunkhofen
Unterlunkhofen im Kelleramt: Flachsee, Vogelbeobachtung, eisenzeitliche Grabhügel Bärhau, Kapelle und Weiler.
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Unterlunkhofen liegt erhöht über der Reussebene im Kelleramt. Der Flachsee ist ein bedeutender Lebensraum für Wasservögel; im Wald Bärhau liegt ein aussergewöhnlich grosses eisenzeitliches Grabhügelfeld. Die Dorfkapelle und die Weiler Huserhof und Geisshof ergänzen das Bild einer Gemeinde zwischen archäologischer Vergangenheit und geschützter Flusslandschaft.
Unterlunkhofen auf einen Blick
| Kanton / Bezirk | Aargau / Bremgarten |
|---|---|
| Bevölkerung | 1’679 am 30. Juni 2026 Ständige Wohnbevölkerung gemäss kantonaler Bevölkerungsstatistik |
| Lage | Östlich der Reuss, Bezirk Bremgarten |
| Weiler | Huserhof und Geisshof |
| Postleitzahl | 8918 |
| Gemeinde | unterlunkhofen.ch |
| BFS-Nr. | 4079 |
Dorf über der Reussebene
Unterlunkhofen liegt an der Verbindung zwischen Bremgarten und Zug. Die Häuser stehen oberhalb der Flussebene; die Hänge bilden den Übergang zum bewaldeten Gebiet der Bärhau. Der Blick von oben zeigt, wie Dorf, Landwirtschaftsflächen und Reussraum ineinandergreifen.
Die Weiler Huserhof und Geisshof wurden 1823 angeschlossen. Sie liegen ausserhalb des Hauptdorfs und gehören zur weiteren Siedlungslandschaft. Der Geisshof markiert auch einen Bezugspunkt am nördlichen Ende des Flachseebereichs.
Die Dorfkapelle von 1937
Die heutige Marienkapelle steht an der Rottenschwilerstrasse in der Dorfmitte. Eine ältere Kapelle musste 1936 beim Ausbau der Strasse abgebrochen werden. 1937 wurde der Neubau errichtet und der Gottesmutter Maria geweiht.

Eine frühbarocke Figurengruppe aus der Vorgängeranlage blieb erhalten und steht unter Denkmalschutz. Der 1937 gegründete Kapellenverein übernahm die Betreuung des Gotteshauses. Nach Gemeindeangaben ist die Kapelle tagsüber geöffnet und lädt zum stillen Verweilen ein.
Kirchlich gehört Unterlunkhofen zu Oberlunkhofen. Die Kapelle ist ein örtlicher Andachtsraum innerhalb dieser regionalen Pfarreistruktur.
Grabhügel im Wald Bärhau
Östlich des Dorfs liegt die grösste prähistorische Grabhügelnekropole der Schweiz. Mindestens 63 Hügel wurden zwischen 1865 und 1900 untersucht. Die meisten gehören zur älteren Eisenzeit; drei grössere Hügel liegen etwas abseits und enthalten jüngere Bestattungen.

Ein reich ausgestattetes Frauengrab stammt ungefähr aus der Zeit um 450 vor Christus. Zu den bedeutenden Funden gehören silberne Armringe mit goldenen, mit Lotosblüten verzierten Verschlüssen. Sie zeigen den Übergang von der Hallstatt- zur Latènekunst.
Im Wald erscheinen die Hügel heute als bewachsene Geländeformen. Ihre ursprüngliche Gestalt und die Ausgrabungsfunde sind deshalb nicht allein aus der sichtbaren Oberfläche zu erschliessen. Eine Besichtigung verbindet archäologische Orientierung mit einem Waldspaziergang; Eingriffe in die Hügel sind zu unterlassen.
Auch die römische Zeit hinterliess Spuren: Aus einer Villa des späten 2. Jahrhunderts sind zwei bedeutende Mosaikböden bekannt.
Flachsee: Flussraum und Vogelreservat
Der Flachsee entstand 1975 beim Neubau des Kraftwerks Bremgarten-Zufikon und der Neuordnung der Reussebene. Er wurde gezielt als Wasservogelreservat gestaltet. Flachwasser, Schlickflächen, Röhricht, Riedwiesen und Kiesinseln schaffen unterschiedliche Lebensräume.

Der verbreiterte Staubereich reicht von der Reussbrücke zwischen Rottenschwil und Unterlunkhofen bis zum Geisshof. Der westliche Teil bewahrt eine Strömung, während östliche Bereiche eher einem See gleichen. Das Gebiet ist für Brutvögel, Wintergäste und rastende Zugvögel wichtig.
Ein Beobachtungsstand, der «Hide», wurde 2007/08 gebaut und ist nach Gemeindeangaben kostenlos zugänglich. Für Naturinformationen verweist die Gemeinde auf die Stiftung Reusstal. Beim Besuch gelten die örtliche Beschilderung und die Regeln des Schutzgebiets.
Kelleramt und Landwirtschaft
Unterlunkhofen gehörte zum Dinghof Lunkhofen, der 1291 an Habsburg verkauft wurde. Im frühen 14. Jahrhundert entwickelte sich daraus das Kelleramt als Verwaltungsbezirk. Niedergericht und Vogtei gingen 1414 an Bremgarten.
Seit 1797 ist Unterlunkhofen eine eigenständige politische Gemeinde. Landwirtschaft und zeitweise Weinbau prägten den Erwerb. Der Siedlungsplan von 1987 ermöglichte später wieder stärkeres Wachstum in der Nähe der Zürcher Agglomeration.
Schule und Hort
Die Schule Unterlunkhofen führt Kindergarten und Primarschule mit altersgemischten Lerngruppen. Nach der Primarstufe besuchen die Jugendlichen gemäss Schulangaben Bezirksschule in Bremgarten, Sekundarschule in Jonen oder Realschule in Zufikon beziehungsweise Bremgarten.
Der KiMi Hort Unterlunkhofen befindet sich in den Schulräumen und bietet Mittagstisch, Hort- und Ferienbetreuung. Der Betreiber meldet seit Januar 2026 zusätzlich eine Freitagsöffnung; die ältere Beschränkung auf drei Wochentage ist damit überholt. Aktuelle Module und Ferienwochen sind bei KiMi zu prüfen.
Anreise
Unterlunkhofen ist mit Busverbindungen erreichbar. Der SBB-Fahrplan hilft bei den Anschlüssen und der passenden Haltestelle für Dorf oder Flachsee. Als redaktioneller Vorschlag lassen sich Kapelle und Flachsee zu einem Besuch verbinden; die Bärhau ist ein eigener Schwerpunkt oberhalb des Dorfs.
Quellen und Orientierung
Weitere Ortsartikel finden sich in der Aargau-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
Redaktionell geprüft am 2. Oktober 2026. Bevölkerungsstand: 30. Juni 2026, kantonale ständige Wohnbevölkerung. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.