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Villarsel-sur-Marly

Villarsel-sur-Marly über dem Gérinetal: Johanniterhof, Kapelle Sainte-Famille, altes Backhaus und geschütztes Ortsbild. Geschichte, Spaziergang und Schulalltag.

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Bauernhaus der früheren Johanniterkommende in Villarsel-sur-Marly
Der Hof der früheren Johanniterkommende am 1. November 2011. Foto: WWHenderson20 · CC BY-SA 3.0. Für schweiz.wiki verkleinert und komprimiert.

Villarsel-sur-Marly ist ein kleines Bauerndorf über dem Tal der Gérine, dessen Geschichte bis heute an einem ehemaligen Johanniterhof ablesbar ist. Eine Kapelle von 1932, das zum Gemeindehaus umgenutzte Backhaus und die Baumreihen zwischen den Höfen bilden weitere Bezugspunkte. Das geschützte Ortsbild umfasst auch die Wiesen und Felder um die Gebäude.

Die französischsprachige Gemeinde gehört zum Saanebezirk im Kanton Freiburg. Sie liegt südöstlich von Freiburg und arbeitet bei Schule und Freizeit eng mit Marly zusammen. Der historische deutsche Name lautet Willischert. Villarsel-sur-Marly ist von Villars-sur-Marly, einem Weiler der Nachbargemeinde Pierrafortscha, zu unterscheiden.

Villarsel-sur-Marly auf einen Blick

Kanton und BezirkFreiburg (FR), Sarine / Saane
BFS-Nr.2230
Bevölkerung71 am 31. Dezember 2025; zivilrechtliche Bevölkerung gemäss kantonaler Statistik
SpracheFranzösisch
Historischer deutscher NameWillischert
VerwaltungChemin de Villarsel 60a, 1723 Villarsel-sur-Marly
WebsiteCommune de Villarsel-sur-Marly

Höfe und Baumreihen über dem Gérinetal

Das Dorf liegt auf einem zum Gérinetal abfallenden Hang. Zum Gemeindegebiet gehören offene Landwirtschaftsflächen, während der Geländeeinschnitt zum Fluss von Gehölzen begleitet wird. Im Westen grenzt heute Bois-d’Amont an; die ältere Gemeindebeschreibung nennt dort noch die frühere Gemeinde Ependes.

Der aktuelle ISOS-Beschrieb, seit dem 1. Juni 2026 in Kraft, unterscheidet zwei bäuerliche Siedlungskerne. Hohe Laubbäume verbinden die Bereiche um Kapelle und Kommendehof. Obstgärten, Hecken und unversiegelte Hofräume tragen zur Eigenart des Orts bei. Das Dorf ist damit nicht nur wegen einzelner Häuser im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung verzeichnet.

Der Hof der Johanniter

Die Ferme de la Commanderie an der Chemin de Villarsel 83 erinnert an die Hospitaliter von Saint-Jean de Jérusalem, auch Johanniter genannt. Der Hof steht im Kulturgüterschutzinventar von 2026 als Objekt von nationaler Bedeutung. Sein grosser Bau verbindet Wohnteil und landwirtschaftliche Nutzräume unter einem weit ausgreifenden Dach.

Das Ordensgut wurde insbesondere im 16. Jahrhundert unter den Komturen Pierre d’Englisberg und Benedikt Tuller erweitert. Nach dem Tod des letzten Komturs fiel der Besitz 1828 durch einen kantonalen Entscheid an das Kapitel von Saint-Nicolas. Diese Besitzgeschichte erklärt die Bezeichnung des Hofs; sie macht ihn nicht zu einer heute betriebenen Ordensniederlassung.

Kapelle, Backhaus und Château de Gendre

Die Kapelle Sainte-Famille von 1932 gehört zum westlichen Dorfkern. Der ISOS-Beschrieb hebt ihr weit vorspringendes Vordach und den kleinen Dachreiter hervor. An anderer Stelle steht das Château de Gendre, ein historischer patrizischer Landsitz, dessen Erscheinung teilweise von hohen Bäumen verdeckt wird.

Das alte Backhaus wurde gemäss Gemeinde im Jahr 2000 renoviert und dient heute als Gemeindegebäude. Für Verwaltungsangelegenheiten ist die publizierte Adresse Chemin de Villarsel 60a massgeblich. Der Gemeindeplatz ist auch ein Treffpunkt: Die kommunale Agenda kündigte für September 2026 dort den Dorfapéro an.

Die historischen Höfe und Landsitze sind keine frei zugänglichen Museen. Ein Dorfrundgang erlaubt Blicke von öffentlichen Wegen aus; private Gärten und die Arbeitsbereiche der Landwirtschaft sind zu respektieren. Öffnungszeiten der Kapelle sind auf der Gemeindeseite nicht ausgewiesen.

Ein kleiner Ort mit langer Besitzgeschichte

1278 erscheint der Name Villarser in den Quellen. Das ist eine schriftliche Erstnennung, kein belegtes Gründungsjahr. Neben den Johannitern besassen die Familien Vuippens, Mossuz und Montenach Güter am Ort. Spätestens 1442 gehörte Villarsel zur Alten Landschaft Freiburgs; seit 1848 liegt die Gemeinde im Saanebezirk.

Viehwirtschaft, Getreide- und Futterbau bilden den historischen landwirtschaftlichen Hintergrund. Kirchlich ist Villarsel-sur-Marly mit der Pfarrei Marly verbunden. Die kleine heutige Bevölkerung bezieht sich auf die gesamte politische Gemeinde und darf nicht mit dem grösseren Nachbarort Marly zusammengezählt werden.

Schule und Freizeit mit Marly

Villarsel gehört zum Schulkreis Marly–Pierrafortscha–Villarsel-sur-Marly. Laut kommunaler Schulübersicht besuchen die Kinder das Schulzentrum Marly Cité und anschliessend den Orientierungszyklus in Marly. Die Gemeinde hat am 25. August 2026 die Informationen zum Schultransport 2026/27 veröffentlicht. Diese Schulbusse sind von regulären öffentlichen Verkehrsangeboten zu unterscheiden.

Die Société de Développement de Marly et Environs umfasst Villarsel, Marly und Pierrafortscha. Sie widmet sich Natur und Kulturerbe sowie kulturellen, sportlichen und gemeinschaftlichen Aktivitäten. Für Bibliothek, weiterführende Schule und viele Freizeitangebote richtet sich der Alltag deshalb über die Gemeindegrenze hinaus.

Dorfrundgang und Anreise

Als redaktioneller Vorschlag eignet sich ein kurzer Besuch mit Blick auf Backhaus, Kapelle und Kommendehof. Die Verbindung der Siedlungskerne durch die Baumreihe ist dabei ebenso interessant wie einzelne Fassaden. Eine bestimmte ausgeschilderte Rundroute oder Gehzeit wird hier nicht behauptet. Die Karte zeigt die Verwaltung im Dorf; für die Anreise ab Marly oder Freiburg sollte das konkrete Ziel samt letztem Wegabschnitt gewählt werden.

Die öffentliche TPF-Linie 234 Freiburg–La Roche–Bulle bedient die Haltestelle Villarsel-sur-Marly. Sie liegt an der kantonalen Durchgangsstrasse und ist vom historischen Dorfkern zu unterscheiden. Der Fahrplan 2026 zeigt die Verbindung über Marly; für Abfahrten und den letzten Fussweg ist das konkrete Besuchsziel massgeblich.

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende. Grössere Karte öffnen.

Quellen und Datenstand

Recherchiert am 1. Oktober 2026. Zivilrechtliche Bevölkerung: 31. Dezember 2025, publiziert am 26. August 2026. ISOS: Fassung August 2024, in Kraft seit Juni 2026. Das Foto zeigt den Aufnahmezustand von 2011.

Ein geeignetes frei lizenziertes Foto des Kommendehofs ist vorhanden. Weitere eindeutig zugeordnete freie Ortsfotos konnten bei der Recherche nicht gesichert werden.