Regionen

Werd

Werd an der Reuss: früher eigenständige Gemeinde, seit 1899 Rottenschwil, mit Geschichte beider Flussufer.

Aktualisiert am

Locker bebaute Siedlung Werd zwischen Wiesen und Reuss
Werd in der offenen Reusslandschaft. Aufnahmedatum nicht zuverlässig ausgewiesen. Foto: Franciscus · CC BY-SA 3.0.

Werd ist eine locker bebaute Bauernsiedlung an der Reuss und gehört seit 1899 zu Rottenschwil. Die frühere Gemeinde erstreckte sich auf beide Flussufer. Fähre, Kirchgang und umstrittene Herrschaftsrechte machten den Fluss lange zu einer Verbindung und zugleich zu einer Grenze.

Werd auf einen Blick

Kanton / BezirkAargau / Muri
Heutige GemeindeRottenschwil
StatusOrtschaft / Gemeindeteil; keine eigene politische Gemeinde
ZugehörigkeitSeit 1899 Teil von Rottenschwil
Erste NennungIm 12. Jahrhundert als «Werda»
LageSiedlung links der Reuss; früheres Gemeindegebiet beidseits

Eine Gemeinde an zwei Ufern

Vor 1160 besass das Kloster Muri bereits einen Drittel der Rechte von Werd. Dieser Anteil lag links der Reuss, im späteren Gebiet der Freien Ämter. Die Habsburger verliehen ihn 1361 an Heinrich von Seengen.

Die anderen zwei Drittel gehörten zum rechtsufrigen Kelleramt. Bremgarten erwarb dort 1414 die niedere Gerichtsbarkeit. Versuche des Klosters Muri, die ganze Vogtei zu beanspruchen, stiessen auf Widerstand der eidgenössischen Orte. Nach 1415 waren auch die Hochgerichte beiderseits des Flusses unterschiedlich organisiert; daraus entstanden wiederholt Kompetenzstreitigkeiten.

Mit der Fähre zur Kirche und aufs Feld

Werd war nach Lunkhofen kirchgenössig. Für den Kirchgang und die Bewirtschaftung der Felder am rechten Ufer durfte die Fähre unentgeltlich benutzt werden. Der Flussübergang war damit ein Teil des täglichen Lebens und keine reine Fernverkehrsverbindung.

Reuss mit bewachsenen Ufern bei Werd
Reuss bei Werd flussaufwärts, Aufnahme vom Februar 2023. Foto: Arkelin · CC BY 4.0.

Die Aufnahme der Reuss bei Werd zeigt den heutigen Flussraum mit bewachsenen Ufern. Die historischen Angaben zur Fähre beschreiben frühere Verhältnisse; sie sind kein Hinweis auf einen gegenwärtigen Fährbetrieb.

Von Aristau zu Rottenschwil

1798 wurde Werd der Gemeinde Aristau im helvetischen Kanton Baden zugeteilt. Von 1803 bis 1898 war es wieder eine eigene Gemeinde. Seit 1899 gehört der Ort zu Rottenschwil. Die Gemeindegeschichte nennt den Regierungsratsentscheid am Ende des Jahres 1898; das HLS bezeichnet den anschliessenden Gebietsstand ab 1899.

Die offene Reusslandschaft

Die Regulierung der Reuss und der Bau eines Parallelkanals ab 1860 veränderten den weiteren Rottenschwiler Talraum. Altläufe gingen zurück, zusätzliches Kulturland entstand. Die spätere Reusstalmelioration verband landwirtschaftliche Neuordnung mit dem Schutz wertvoller Landschaftsteile.

Heute ist Werd ein eigener Siedlungsteil innerhalb Rottenschwils. Die gemeinsame Dorfschule führt Kindergarten sowie altersgemischte Unter- und Mittelstufen. Der Gemeindeartikel Rottenschwil erläutert Naturräume und Einrichtungen des Gesamtortes; Werd ergänzt ihn mit der Geschichte beider Reussufer.

Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende. Grössere Karte öffnen. Beim Anzeigen wird die Karte von OpenStreetMap geladen.

Quellen und Orientierung

Weitere Ortsartikel finden sich in der Aargau-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Redaktionell geprüft am 2. Oktober 2026. Keine eigene politische Gemeinde; Gemeindezugehörigkeit im Steckbrief. Für diese Ortschaft wird keine ungeprüfte eigene Bevölkerungszahl angegeben. Die Aufnahmejahre der Fotos stehen jeweils beim Bild.