Zeglingen
Wo zwei Bäche zum Eibach werden: Zeglingen verbindet Dorfleben, Gipsbergbau, die Heuhäuschen der Bergmatten und Ausflüge auf den Zeglinger Berg.
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In Zeglingen treffen nicht nur Strassen aufeinander. Mitten im Dorf vereinigen sich Wisenbach und Nünbrunnbach zum Eibach. Von hier fliesst das Wasser nordwärts durch das Eital Richtung Tecknau und Gelterkinden. Südlich des Dorfes steigt das Gelände zu den Jurahöhen und zur Grenze mit dem Kanton Solothurn an.
Der Ort hat mehrere Gesichter: ein Dorf mit alten Häusern am Bach, eine frühere Bergbaugemeinde und eine weite, landwirtschaftlich geprägte Umgebung mit verstreuten Heuhäuschen. Die Gipsgrube erzählt von industrieller Arbeit; auf den Bergmatten zeigen kleine Holzscheunen, wie aufwendig die Heuernte abseits des Dorfes einst war. Im Winter kann die Staffelalp bei genügend Schnee sogar zum kleinen Skigebiet werden.
Zeglingen gehört zum Bezirk Sissach im Kanton Basel-Landschaft. Mit 528 Einwohnerinnen und Einwohnern am 30. Juni 2026 ist es überschaubar, bietet aber weit mehr Stoff für einen Besuch als einen kurzen Halt an der Dorfstrasse.
Zeglingen auf einen Blick
| Kanton und Bezirk | Basel-Landschaft, Bezirk Sissach |
|---|---|
| Einwohnerzahl | 528 am 30. Juni 2026 |
| Postleitzahl | 4495 |
| Lage | Am südlichen Ende des Eitals, nördlich der Jurakette |
| Höhe im Dorf | Rund 534 Meter über Meer |
| Gemeindefläche | Rund 7,9 Quadratkilometer |
| Gewässer | Wisenbach und Nünbrunnbach; ab ihrem Zusammenfluss Eibach |
| Öffentlicher Verkehr | Bus 104 ab Gelterkinden über Rünenberg und Kilchberg |
| Besondere Themen | Gipsabbau, Bergmatten und Heuhäuschen, Hofgut Mapprach, Staffelalp |
Wo liegt Zeglingen – und wie findet man sich zurecht?
Zeglingen liegt im oberen Baselbiet, südlich von Kilchberg und östlich des Wisenbergs. Die Verbindung nach Norden führt durch das Eital Richtung Tecknau; über die Hochfläche erreicht man Kilchberg und Rünenberg. Nach Süden öffnet sich der Weg in den Solothurner Jura.
Für die Orientierung helfen drei Bereiche: das Dorf im Tal, die ehemalige Gipsgrube im südöstlichen Umfeld und die höher gelegenen Wiesen und Höfe. Ein Besuch des Dorfkerns ist entsprechend etwas anderes als ein Ausflug zur Staffelalp oder über die Bergmatten. Auf der Wanderkarte wirken diese Ziele nah, im Gelände kommen spürbare Höhenmeter dazu.
Die zwei Bäche erklären auch die Form der Landschaft. Der Wisenbach kommt aus dem Raum Wisen, der Nünbrunnbach sammelt Wasser aus den umliegenden Jurahöhen. Nach ihrem Zusammenfluss zieht der Eibach durchs Dorf und weiter in sein enger werdendes Tal.

Die Gipsgrube: Zeglingens industrielle Seite
Gips wurde in Zeglingen bereits im 15. Jahrhundert gewonnen. Später entstanden Gipsmühlen; im 19. Jahrhundert bestanden zeitweise drei davon. Der Rohstoff verband das Dorf mit dem Baugewerbe weit über die unmittelbare Umgebung hinaus.
Mit der Gips-Union aus Läufelfingen erhielt der Abbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen industriellen Massstab. Ab 1910 transportierte eine rund 4,5 Kilometer lange Materialseilbahn das Gestein zur Verarbeitung nach Läufelfingen. Sie war keine Ausflugsbahn, sondern Teil einer Produktionskette: Rohstoff aus der Grube, Transport über das Gelände, Verarbeitung zu Baustoffen.
Die Erläuterungen zum Geologischen Atlas der Schweiz, Blatt Hauenstein, unterscheiden zwei Etappen des Endes: 1986 wurde der Gipsabbau wegen erschöpfter Vorräte eingestellt, danach noch Anhydrit gewonnen. Erst 2003 schloss die Grube vollständig. Wer nur vom Ende des Gipsabbaus spricht, übersieht deshalb einen Teil der späteren Nutzung.

Heute gehört die ehemalige Grube zur Natur- und Landschaftsgeschichte des Ortes. Abbauflächen können nach der Stilllegung neue Lebensräume bilden – etwa offene, wenig bewachsene Stellen und kleine Gewässer. Das macht die Gipsi interessant, bedeutet aber nicht, dass das ganze Gelände frei begangen oder Material gesammelt werden darf. Vor Ort gelten die ausgeschilderten Wege und Schutzbestimmungen.
Vom Trafoturm zum Artenschutzprojekt
Ein aktuelles Beispiel für die neue Nutzung ist das Projekt Artenschutzturm des Vereins Natur am Wisenberg. Im Sommer 2026 begann der Verein, einen früheren Trafoturm in der Gipsgrube entsprechend umzubauen. Zunächst wurde in der Umgebung ein Tümpel ausgehoben; danach wurde der Turm für Arbeiten an Fassade und Dach eingerüstet.
Damit wird ein Überrest der technischen Infrastruktur zum Ausgangspunkt für Naturschutz. Der Projektbericht des Vereins dokumentiert den Beginn der Arbeiten. Der Turm ist deshalb als laufendes Projekt einzuordnen, nicht als bereits fertig ausgestattetes Besucherzentrum.
Bergmatten und Heuhäuschen
Auf den höher gelegenen Wiesen von Zeglingen stehen kleine Scheunen, oft weit weg vom eigentlichen Dorf. Die Heuhäuschen gehören zu den auffälligsten Zeugen der traditionellen Landwirtschaft in dieser Landschaft.
Ihre Aufgabe war praktisch: Das auf abgelegenen Matten gewonnene Heu konnte zunächst nahe am Ernteort gelagert werden. Der aufwendige Transport hinunter ins Dorf liess sich damit auf später verschieben. Die Häuschen erzählen also von Wegen, Arbeitskräften und Transportmöglichkeiten – nicht bloss von einer malerischen Bauform.
Ein im kantonalen Inventar dokumentiertes Beispiel ist das Heuschürli in der Felli, südöstlich des Dorfes nahe der Kantonsgrenze. Es entstand vermutlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der Holzbau besitzt Lüftungsschlitze; auf der Bergseite ist er gemauert. Gerade solche Details zeigen, wie die Bauweise an die Lagerung und an den Standort angepasst war.
Wer die Bergmatten erwandert, begegnet einer weiterhin genutzten Kulturlandschaft. Die Scheunen sind keine frei zugänglichen Unterstände. Vom öffentlichen Weg aus lassen sie sich betrachten, ohne Wiesen, Nutzflächen oder private Gebäude zu betreten. Eine Pause mit Blick über die Matten erschliesst den Charakter dieses Teils von Zeglingen besser als eine möglichst schnelle Gipfeltour.
Hofgut Mapprach: Bauernhof und Basler Landsitz
Am Nordhang des Wisenbergs liegt das Hofgut Mapprach. Die jüngere Hofanlage entstand um 1697 aus den Landkäufen des Pfarrers Johannes Stöcklin. 1747 erwarb Johann Heinrich Jacob de Zaeslin das Gut. Damit kam zum landwirtschaftlichen Betrieb die Nutzung als sommerlicher Aufenthaltsort einer Basler Familie.
Beide Funktionen blieben unter einem Dach verbunden. Wohn- und Wirtschaftsteil bilden einen gemeinsamen Baukörper; die unterschiedliche Nutzung der Geschosse spiegelt die soziale Ordnung des Landsitzes. Dazu kamen ein Park, ein Weiher und kleinere Gartenbauten. Die Anlage steht damit für eine Verbindung zwischen der Stadt Basel und dem ländlichen Jura, die man an diesem abgelegenen Ort vielleicht nicht erwartet.
Eine besondere Ergänzung ist ein Kinderchalet von 1897. Es wurde ursprünglich für den Bäumlihof in Riehen gebaut und später nach Mapprach versetzt. Das aufwendig gestaltete Spielhaus besitzt Wohnstube und Küche samt historischer Ausstattung. Es erzählt davon, wie wohlhabende Familien ihren Kindern im 19. Jahrhundert eine eigene kleine Hauswelt einrichteten.
Mapprach ist ein privates Gut. Die kulturhistorische Bedeutung ist kein allgemeines Zutrittsrecht zu Park, Gebäuden oder Innenräumen. Für einen Ausflug sind öffentliche Wege und ausdrücklich angekündigte Besuchsmöglichkeiten massgeblich.
Staffelalp: Skihütte und kleiner Wintersportbetrieb
Die Skiriege Staffelalp betreibt auf dem Zeglinger Berg eine Skihütte. Im Winter wird sie üblicherweise an Wochenenden von Anfang Dezember bis Mitte März bewirtschaftet. Die genauen Saisondaten und Öffnungstage veröffentlicht der Verein selbst.
Bei ausreichender Schneelage kommt ein etwa 300 Meter langer Schlepplift hinzu, der sich besonders an Kinder und Anfänger richtet. Oberhalb der Hütte wird im Gebiet Felli eine rund 2,5 Kilometer lange Loipe für klassischen Langlauf und Skating präpariert. Das ist ein lokales, von den Schneeverhältnissen abhängiges Angebot.
Hüttenbetrieb und Schneesport sind deshalb getrennt zu prüfen: Eine geöffnete Hütte bedeutet nicht automatisch, dass Lift und Loipe in Betrieb sind. Für einen Winterausflug lohnt der aktuelle Schnee- und Betriebsbericht. Im Sommer kann die Hütte für private Anlässe gemietet werden; daraus folgt keine durchgehende öffentliche Bewirtung.
Wanderideen ab Zeglingen
Die Umgebung eignet sich für sehr unterschiedliche Touren. Für die Planung hilft es, sich zunächst für eine Landschaft zu entscheiden, statt alle Sehenswürdigkeiten in eine einzige Runde zu packen.
- Dorf und Eital: Ein Ortsbesuch lässt sich mit dem Bachraum verbinden. Nördlich von Zeglingen liegt der Giessen am Eibach, auch als Kilchberger Giessen bekannt. Von dort eröffnet sich der weitere Wegraum Richtung Tecknau.
- Bergmatten und Felli: Hier stehen die Hochweiden, Heuhäuschen und der Zeglinger Berg im Mittelpunkt. Gegenüber dem Dorfbesuch sind zusätzliche Höhenmeter und mehr Zeit einzuplanen.
- Mapprach und Wisenberg: In westlicher Richtung liegen die Höfe und Waldhänge unterhalb des Wisenbergs. Der Aussichtsturm auf dem Gipfel gehört zur Nachbargemeinde Häfelfingen.
Die genaue Strecke sollte anhand einer aktuellen Wanderkarte, der Kondition und des Wetters gewählt werden. Die Namen sind dabei hilfreich: Der Giessen am Eibach ist nicht der Rünenberger Giessen am Chrintelbach. Ebenso ist die Staffelalp ein höher gelegenes Ziel und kein Restaurant unmittelbar bei der Bushaltestelle im Dorf.
Geschichte: Wege, Landwirtschaft und Heimarbeit
Das Historische Lexikon der Schweiz nennt Zeglingen 1317 als «Zegningen». Ältere Funde belegen, dass Menschen die Gegend bereits lange davor nutzten. Beim Hof Erlimatt liegt zudem eine Burgstelle aus dem 11. Jahrhundert, deren Geschichte nicht durch schriftliche Überlieferungen geklärt ist.
Wichtig war die Lage an einer Wegverzweigung. Von hier führten Verbindungen Richtung Wisen und Unterer Hauenstein sowie über die Schafmatt Richtung Aarau. Das heutige Gemeindewappen, seit 1944 eine silberne Deichsel auf rotem Grund, greift die Gabelung des Eitals auf.
1461 erwarb Basel das Dorf. Kirchlich blieb Zeglingen mit St. Martin in Kilchberg verbunden. Eine eigene Agatha-Kapelle ist 1503 erwähnt; sie wurde nach der Reformation abgebrochen. Neben Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung gehörte auch die Seidenbandweberei zur örtlichen Erwerbsgeschichte. Im 19. Jahrhundert arbeiteten zahlreiche Haushalte an Bandstühlen.
Die verschiedenen Tätigkeiten ergänzten einander. Zeglingen war weder ausschliesslich Bauerndorf noch reine Industriesiedlung. Felder, Heimarbeit, Wege und Gipsabbau prägten jeweils andere Teile des Lebens. Diese Vielseitigkeit ist noch heute ein guter Schlüssel zum Verständnis des Ortes.
Schule, Verwaltung und Alltag im Dorf
Zeglingen führt mit Rünenberg und Kilchberg die Primarschule am Wisenberg. Kindergarten und Primarschule bis zur sechsten Klasse sind an den Standorten Rünenberg und Zeglingen organisiert. Der Zeglinger Standort befindet sich an der Hauptstrasse 47. Ab der Sekundarstufe spielt Gelterkinden als Schulort eine Rolle.
Für aktuelle Klassenstandorte und Fragen zum Schulweg ist die Schulwebsite zuständig. Auch beim Vereinsleben überschneiden sich die Einzugsgebiete: Der Frauenverein Zeglingen-Kilchberg, Natur am Wisenberg und die Skiriege sind Beispiele für gemeinsame oder örtlich verankerte Angebote.
Die gemeinsame Verwaltung des Verwaltungsverbunds Schafmatt sitzt in Zeglingen an der Wenslingerstrasse 2. Sie betreut neben Zeglingen auch Rünenberg, Kilchberg, Wenslingen und Oltingen. Alle fünf bleiben eigenständige politische Gemeinden. Das Verwaltungsportal führt Formulare, Kontakte und aktuelle Schalterzeiten.
Für grössere Einkäufe und weiterführende Dienstleistungen orientiert sich der Ort unter anderem nach Gelterkinden. Im Dorf selbst sind Landwirtschaft und kleinere Unternehmen Teil des Alltags. Wer hier wohnen möchte, sollte die Verbindung zwischen ländlichem Umfeld und den regelmässigen Wegen in die regionalen Zentren mitdenken.
Einkehren im Rössli
Der Gasthof Rössli gehört zu den bekannten Adressen im Dorf. Nach Änderungen im Betrieb präsentiert sich das Haus im Oktober 2026 mit einem neuen Konzept, bei dem Küche, Wein und Käse eine wichtige Rolle spielen. Die eigene Website nennt regulär Donnerstag und Freitag als Öffnungstage und ergänzt diese mit besonderen Anlässen und Ausnahmen.
Gerade hier lohnt die direkte Prüfung: Ältere Restaurantverzeichnisse und frühere Ankündigungen können ein anderes Bild vermitteln. Für einen Besuch sind deshalb die aktuellen Angaben des Rössli ausschlaggebend. Eine Einkehr am Ende einer Wanderung sollte auf einen tatsächlich geöffneten Tag geplant werden.
Anreise mit Bus oder Auto
Mit dem öffentlichen Verkehr ist Zeglingen über den Bus 104 ab Gelterkinden erreichbar. Die Linie führt über Rünenberg und Kilchberg; in Zeglingen liegen unter anderem die Haltestellen Sagi, Unterdorf und Oberdorf. Das passende Ziel hängt davon ab, ob man ins Dorf, zur Verwaltung oder weiter auf eine Wanderung möchte.
Für die konkrete Verbindung und die Rückfahrt ist der SBB-Fahrplan hilfreich. Zeglingen selbst hat keinen Bahnhof. Bei Touren in die höher gelegenen Gebiete sollten Busfahrt und anschliessender Fussweg zusammen geplant werden.
Mit dem Auto führen regionale Strassen von den Nachbarorten ins Dorf. In den engen Abschnitten teilen sich Fussgänger, Busse und landwirtschaftliche Fahrzeuge den Raum. Für Ausflüge sind ausgewiesene Parkmöglichkeiten zu nutzen; Hofzufahrten und Feldwege müssen frei bleiben.
Dienstleistungen und Inserate aus Baselland
Die Angebote von schweiz.work ergänzen die Ortsinformationen um Dienstleistungen und Inserate aus dem Kanton Basel-Landschaft. Sie können aus Zeglingen oder aus anderen Baselbieter Gemeinden stammen.
Häufige Fragen zu Zeglingen
Welcher Bach fliesst durch Zeglingen?
Im Dorf treffen Wisenbach und Nünbrunnbach zusammen. Ab dort heisst das Gewässer Eibach.
Wird in Zeglingen noch Gips abgebaut?
Nein. Der Gipsabbau endete in den 1980er-Jahren; nach weiterer Anhydritgewinnung wurde die Grube 2003 vollständig geschlossen.
Kann man in Zeglingen Ski fahren?
Bei genügend Schnee betreibt die Skiriege Staffelalp einen kleinen Lift und eine Loipe. Ob sie aktuell geöffnet sind, steht im Betriebsbericht des Vereins.
Was sind die Heuhäuschen auf den Bergmatten?
Landwirtschaftliche Kleinbauten zur Lagerung des Heus nahe bei abgelegenen Wiesen. Sie sind ein charakteristischer Bestandteil der Zeglinger Kulturlandschaft.
Quellen und weiterführende Informationen
Redaktioneller Stand: Oktober 2026. Die Einwohnerzahl bezieht sich auf den 30. Juni 2026.
- Gemeinde Zeglingen und Geschichte und Wappen
- Statistik Basel-Landschaft: Bevölkerung
- Historisches Lexikon der Schweiz: Zeglingen
- Swisstopo: Geologischer Atlas, Erläuterungen Hauenstein, Seite 126; Regionatur: Gipsgruben
- Kantonale Denkmalpflege: Heuschürli und Mapprach
- Natur am Wisenberg: Artenschutzturm, Juli 2026
- Skiriege Staffelalp, Gasthof Rössli, Primarschule am Wisenberg
- PostAuto: Liniennetz Oberes Baselbiet
Bildnachweise und Lizenzen stehen bei den jeweiligen Fotos.