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Hundwil

Vom Landsgemeindeplatz über die Hundwiler Höhi bis zum Säntis: Hundwil verbindet politische Geschichte, Streusiedlung und Berglandschaft.

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Hundwil in grüner Hügellandschaft vor dem Alpstein
Hundwil mit seiner Kirche und dem Alpstein im Hintergrund, 2008. Foto: Zenit · CC BY-SA 3.0. Verkleinert und JPEG-komprimiert; kein Beschnitt.

Hundwil reicht vom früheren Landsgemeindeplatz bis zum Säntis. Das Dorf liegt im Norden eines ungewöhnlich langgestreckten Gemeindegebiets: Es zieht sich über die Hundwiler Höhi und die Schwägalp bis in den Alpstein. Politische Geschichte, bäuerliche Streusiedlung und Bergtourismus gehören hier zur selben Gemeinde im Kanton Appenzell Ausserrhoden.

Hundwil auf einen Blick

KantonAppenzell Ausserrhoden (AR)
RegionAppenzeller Hinterland; historische Landschaftsbezeichnung
Bevölkerung967 Personen am 31. Dezember 2025 (BFS STATPOP)
AusdehnungRund 24 km²; fast 14 km vom nördlichen Gemeindegebiet bis zum Säntis
DorfhöheRund 790 m ü. M.
BFS-Nr.3002
GemeindeDorf 12, 9064 Hundwil · hundwil.ch

Ein Dorfplatz mit kantonaler Geschichte

Der Platz bei der Kirche ist der historische Bezugspunkt des Dorfes. Hundwil und Trogen teilten sich während Jahrhunderten die Funktion als Landsgemeindeort. Nach der seit 1615 geltenden Regel war Hundwil in den ungeraden Jahren an der Reihe. 1997 fand hier die letzte Ausserrhoder Landsgemeinde statt. Heute ist der Platz Erinnerungsort; die Landsgemeinde ist kein fortbestehendes jährliches Besucherereignis.

Bereits am 23. Mai 1597 beschlossen die reformierten äusseren Rhoden in Hundwil die Landteilung. Die heutige reformierte Kirche wurde mehrfach verändert: 1750 gestalteten Johann Ulrich und Johann Jakob Grubenmann das Kirchenschiff und den Turm um, der heutige Turm entstand 1894. Ein Blick auf das Ensemble zeigt somit politische Kontinuität und baulichen Wandel zugleich.

Grasbewachsener Landsgemeindeplatz mit Häusern an seinen Rändern
Der Landsgemeindeplatz in Hundwil, 2011. Die letzte Ausserrhoder Landsgemeinde fand hier 1997 statt. Foto: Dietrich Michael Weidmann · CC BY-SA 3.0. Verkleinert und JPEG-komprimiert; kein Beschnitt.

Vom Dorf über die Höhi zur Schwägalp

Zum Dorf gehören zahlreiche Weiler, Einzelhöfe und Alpen. Die langgestreckte Form lässt sich im Alltag an den unterschiedlichen Schulwegen ablesen: Das nördliche Gebiet orientiert sich zur Schulanlage Mitledi, der Schulkreis Lehnen arbeitet mit Urnäsch zusammen. Das Wohngebiet Befang und das Schulhaus Lehnen gehören zu dieser südlicheren Siedlungswelt.

Die Hundwiler Höhi ist ein naheliegendes Wanderziel. Das Bergrestaurant nennt für seinen Standort 1’309 m ü. M. Von oben liegen bei entsprechender Sicht das Appenzeller Hügelland und der Bodensee im Norden sowie die Alpsteinkette im Süden vor den Wandernden. Aufstiegsvarianten und aktuelle Angaben zum Gasthaus stehen beim Bergrestaurant Hundwilerhöhe. Die Aussicht ist ein Wetterangebot, keine Garantie.

Dorf Hundwil; die Schwägalp liegt deutlich weiter südlich. © OpenStreetMap-Mitwirkende. Karte grösser öffnen. Beim Anzeigen wird OpenStreetMap geladen.
Bewaldete Hundwiler Höhi über Weiden und verstreuten Höfen
Die Hundwiler Höhi in der Appenzeller Hügellandschaft, 2022. Foto: Adrian Michael · CC BY-SA 4.0. Verkleinert und JPEG-komprimiert; kein Beschnitt.

Auch die Talstation der Säntis-Schwebebahn und «Säntis – das Hotel» auf der Schwägalp liegen auf Hundwiler Gemeindegebiet. Die Zufahrt über Urnäsch macht die Schwägalp deshalb nicht zu einem Ortsteil von Urnäsch. Zugleich überschreitet der Landschaftsraum am Pass die Kantonsgrenze; die st. gallische Seite gehört nicht zu Hundwil.

Für die Reiseplanung im Herbst 2026: Die Säntis-Schwebebahn ist laut Betreiber vom 1. Mai bis Spätherbst 2026 wegen ihrer Erneuerung ausser Betrieb; auch das Gipfelrestaurant ist in dieser Bauphase geschlossen. Auf der Schwägalp bleiben Hotel und Restaurationsbetriebe geöffnet. Massgebend ist die aktuelle Betriebsmeldung der Säntisbahn.

Zusätzlich bestehen auf Teilen der Schwägalp Sperrungen wegen Steinschlaggefahr. Die Gemeinde meldete am 3. September 2026 unter anderem eine Sperrung der gefährdeten Flurstrasse für Fussgänger. Der offizielle Wanderweg Schwägalp–Siebenhütten war von dieser Meldung nicht betroffen. Vor einer Wanderung sind die aktuellen Angaben der Gemeinde und die Sperren vor Ort zu beachten.

Eine alte Gemeinde, Landwirtschaft und textile Heimarbeit

921 erscheint der Name «Huntwilare» in einer Urkunde. Das ist die erste schriftliche Nennung, nicht das Datum einer Dorfgründung. Hundwil war im Mittelalter mit dem Kloster St. Gallen verbunden und gehörte später zu den treibenden Orten der Appenzeller Freiheitsbewegung. Die Untere Rhode trennte sich 1749 als Gemeinde Stein ab.

Milch- und Alpwirtschaft bildeten eine wichtige Erwerbsgrundlage. Dazu kamen Leinwandherstellung, später Stickerei und Plattstichweberei. Die Trennung von Stein und die Hungerkrisen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts belasteten Hundwil schwer. Die bessere Strassenerschliessung ab 1860 half der wirtschaftlichen Entwicklung. Mit der Eröffnung der Säntis-Schwebebahn 1935 erhielt der alpine Gemeindeteil zusätzliches Gewicht.

Viehschau, Silvesterchlausen und Schwägalpschwinget

Die Verbindung zur Landwirtschaft ist im Brauchtum sichtbar. Die Gemeinde kündigt eine Viehschau mit Warenmarkt an und beschreibt das Silvesterchlausen am neuen und am alten Silvester als lebendigen örtlichen Brauch. Wer wegen eines Anlasses anreist, sollte die publizierten Termine und Hinweise der Gemeinde Hundwil berücksichtigen.

Das Schwägalpschwinget findet am Fuss des Säntis auf Hundwiler Boden statt. Es verbindet die Gemeinde mit einem grossen, überregional besuchten Schwinganlass. Dorfveranstaltungen und Schwägalpschwinget haben unterschiedliche Schauplätze; der kleine Dorfkern ist nicht der Austragungsort des Bergfests.

Schule und Alltag in einer Streusiedlung

Die Kinder des nördlichen Gemeindegebiets besuchen Kindergarten und Primarschule in Mitledi. Im Schulkreis Lehnen werden die Standorte mit Urnäsch geteilt: Kindergarten in Befang, die ersten vier Primarschuljahre in Saien und die fünfte und sechste Klasse in Lehnen. Organisatorisch gehört dieser Schulkreis zur Gemeinde Urnäsch.

Hundwil führt keine eigene Sekundarstufe. Die Jugendlichen aus dem Schulkreis Mitledi gehen nach Stein, jene aus Lehnen nach Urnäsch. Die Schulinformationen der Gemeinde verlinken die zuständigen Schulen. Das ist bei einem Umzug hilfreicher als eine pauschale Entfernung zum Dorfzentrum: Wohnlage und Schulkreis bestimmen den konkreten Schulweg.

Anreise und Wege mit aktuellem Blick

Die Appenzeller-Linie von PostAuto verbindet Herisau über Waldstatt, Hundwil und Stein mit St. Gallen. Für das Dorf ist «Hundwil, Dorf» der passende Suchbegriff im Fahrplan. Eine Reise zur Schwägalp ist separat zu planen.

Als redaktioneller Einstieg bietet sich ein Gang um Landsgemeindeplatz und Kirche an, ergänzt um eine Wanderung auf der Hundwiler Höhi oder zu einem der von der Gemeinde vorgestellten Wege. Die «Sprechende Brücke» und der Wasserlehrpfad erschliessen andere Seiten der Landschaft. Bei der Verbindung nach Stein ist die Situation besonders zu beachten: Die Gemeinde meldete Ende September 2026 den Abbruch der alten Rachentobelbrücke. Für Wanderungen gelten die aktuellen Sperrungen und Umleitungen; eine durchgehende Querung wird hier nicht vorausgesetzt.

Quellen und weiterführende Informationen

Geprüft am 1. Oktober 2026. Bevölkerung: BFS STATPOP, 31. Dezember 2025, kantonale Wiedergabe.