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Rothenfluh

Ein Runddorf unter der Roten Fluh: Rothenfluh verbindet historische Häuser mit Trockenwiesen, Wald und Wasser. Ein Überblick über Natur, Geschichte und Alltag.

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Rothenfluh im Tal zwischen Wiesen, Obstbäumen und bewaldeten Hängen
Blick über die Wiesen nach Rothenfluh im März 2026. Foto: Zwantzig · CC BY-SA 4.0.

Rothenfluh ist ein Dorf im oberen Ergolztal, über dem die rötliche Felswand der Roten Fluh aufragt. Der Ort mit 834 Einwohnerinnen und Einwohnern gehört zum Bezirk Sissach im Kanton Basel-Landschaft. Sein alter Kern liegt am Zusammenfluss von Ergolz und Dübach. Häuser und Gassen bilden eine auffällige, annähernd ringförmige Anlage.

Die Landschaft ist hier mehr als der Hintergrund des Dorfes. Trockenwiesen, Obstbäume, Felsen, Bäche und wenig gestörte Waldflächen liegen eng beieinander. Dazu kommen historische Gebäude, die vom früheren Dorfleben erzählen: die Kirche auf ihrem erhöhten Standort, das Pfarrhaus und der grosse Komplex des ehemaligen Gasthauses Hirschen.

Rothenfluh auf einen Blick

Kanton und BezirkBasel-Landschaft, Bezirk Sissach
Einwohner834, Stand 30. Juni 2026
Postleitzahl4467
FlächeRund 10,95 km²
GewässerErgolz und Dübach
Namensgebende LandschaftRoti Flue nördlich des Dorfes
Erste schriftliche Erwähnung1196 als Rotenfluo
Anreise mit dem BusLinie 102 über Gelterkinden

Ein Dorf zwischen Bächen und Felsbändern

Rothenfluh liegt östlich von Ormalingen und Gelterkinden. Talaufwärts gelangt man in Richtung Anwil und zu den Talweihern; die umliegenden Höhen gehören zum Tafeljura. Dessen Hochflächen enden an manchen Stellen in markanten Felsbändern. Besonders deutlich ist das an der Roten Fluh unmittelbar über dem Ort.

Der Dübach erreicht im Dorf die Ergolz. Beide Gewässer gliedern den Siedlungsraum, den man auf einem Spaziergang über Gassen und kleine Brücken erkunden kann. Die älteren Häuser stehen vergleichsweise dicht; an den Rändern gehen Gärten, Wiesen und Obstbäume in die offene Landschaft über.

Der alte Kern und die späteren Wohngebiete lassen sich gut unterscheiden. Seit den 1970er-Jahren kamen insbesondere Häuser am Südhang unter der Fluh hinzu. Von höher gelegenen Wegen wird verständlich, weshalb Rothenfluh als Runddorf beschrieben wird: Die Gassen bilden keine einzige lange Strassenzeile, sondern umschliessen einen zusammenhängenden Siedlungskern.

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Roti Flue und Dübach: ein vielfältiger Naturraum

Die Roti Flue ist der Hausberg des Dorfes und ein beliebtes Wanderziel. Ihre Felswand gibt dem Ort den Namen. Oberhalb öffnen sich Ausblicke über das Dorf und die Jura-Landschaft; unterhalb verlaufen Wege entlang der bewaldeten Hänge.

2013 erweiterte der Kanton das bestehende Schutzgebiet Dübach um das Gebiet Roti Flue. Der damals festgelegte Gesamtperimeter umfasst rund 158 Hektaren. Geschützt werden sehr unterschiedliche Lebensräume: artenreiche Magerwiesen und Weiden, strukturreiche Waldränder, Felsen und wenig zugängliche Waldhänge.

Der Gegensatz zwischen den beiden Teilräumen ist besonders interessant. Die Roti Flue ist als Ausflugsziel bekannt und gut wahrnehmbar. Im abgeschiedenen Dübachtal steht dagegen die ungestörte Entwicklung des Waldes im Vordergrund. Nicht jeder naturnahe Bereich braucht zusätzliche Wege oder einen Aussichtspunkt.

Für Besucher bedeutet das: Die signalisierten Wege bieten genügend Möglichkeiten, die Landschaft kennenzulernen. Abkürzungen durch Wiesen, felsige Hänge oder ruhige Waldpartien beeinträchtigen gerade jene Strukturen, die den Reiz des Gebiets ausmachen. Aktuelle Hinweise zu Wegsperrungen veröffentlicht die Gemeinde Rothenfluh.

Wiesen, Höfe und Waldränder bei Rothenfluh und Holingen
Landschaft beim Abstieg Richtung Rothenfluh mit Blick auf Holingen, Dezember 2011. Foto: Traumrune · CC BY-SA 3.0.

Warum die Kulturlandschaft so abwechslungsreich ist

Rothenfluh besitzt viele kleinräumige Landschaftselemente: Hecken, Hochstammobstbäume, wenig gedüngte Wiesen, feuchte Stellen, Bachufer und Feldgehölze. Für Tiere und Pflanzen sind nicht nur die einzelnen Flächen wertvoll, sondern auch ihre Verbindungen. Ein Waldrand neben einer Wiese oder ein Gehölz entlang eines Baches schafft Übergänge zwischen Lebensräumen.

Diese Vielfalt hat mit der langen landwirtschaftlichen Nutzung zu tun. Manche Wiesen bleiben nur dann offen und artenreich, wenn sie passend gemäht oder beweidet werden. Naturschutz bedeutet hier deshalb auch Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftenden. Die Landschaft ist über Generationen entstanden und wird weiter gepflegt und verändert.

Ein örtlicher Akteur ist der Natur- und Vogelschutzverein Rothenfluh–Anwil–Oltingen, NUVRAO. Zu seinen dokumentierten Projekten gehören neue Kleingewässer, Obstbaumpflanzungen und die Aufwertung von Bachlebensräumen. Sogar ehemalige militärische Anlagen wurden für die Vernetzung von Lebensräumen und die Förderung von Fledermäusen einbezogen.

Wandern zur Fluh und zu den Talweihern

Eine von Wanderwege beider Basel beschriebene Route führt von Wegenstetten über die Höhen zur Roten Fluh und hinunter nach Rothenfluh. Sie ist etwa 9,5 Kilometer lang und wird mit rund 2 Stunden 40 Minuten reiner Gehzeit angegeben. Aussichtspunkte und Rastplätze machen sie zu einer abwechslungsreichen Tageshälfte.

Wichtig ist das steile Fluewägli am Abstieg. Der Wanderwegverein beschreibt eine Umgehung für Menschen, die diesen Abschnitt vermeiden möchten. Bei Nässe oder winterlichen Verhältnissen verdient die Wahl des Weges besondere Aufmerksamkeit. Die Routenbeschreibung mit Karte hilft bei der Planung.

Auf der Höhe wird auch ein als Sonnenkalender bezeichneter Platz erläutert. Die Markierungen und eine Informationstafel beschäftigen sich mit Sonnenaufgängen zu bestimmten Zeiten im Jahreslauf. Für den Besuch ist die heutige Vermittlungsanlage interessant; weitreichende Aussagen über eine prähistorische Nutzung sollte man davon getrennt betrachten.

Ein anderes Landschaftserlebnis bieten die Talweiher im oberen Ergolztal zwischen Rothenfluh und Anwil. Statt Weitblick stehen dort Wasser, Uferpflanzen und Wald im Mittelpunkt. Die Weiher lassen sich über die Wanderwege erreichen; die Bushaltestelle Anwil, Talweiher eignet sich ebenfalls als Ausgangs- oder Endpunkt. Mehr zum Gebiet findest du im Ortsartikel über Anwil.

Kirche St. Stephan und historische Häuser

Die Kirche St. Stephan steht auf einer erhöhten Terrasse oberhalb des Dorfes. Ihr Turm mit dem markanten Satteldach ist ein sogenannter Käsbissenturm. Er stammt von 1613 und blieb beim späteren Neubau erhalten. Das heutige Kirchenschiff entstand 1856 nach Plänen von Johann Jakob Stehlin-Burckhardt.

Die ältere Kirchengeschichte reicht weiter zurück. 1525 setzte der Dorfpfarrer Johannes Stucky bereits reformatorische Ideen durch, noch vor der offiziellen Einführung der Reformation durch Basel. Die heutige kirchliche Organisation gehört zur Kirchgemeinde Schafmatt-Wisenberg; die historischen Beziehungen reichen über die Kantonsgrenze nach Kienberg.

Für Veranstaltungen und Besuche informiert die Kirchgemeinde. Die Kirche ist ein genutzter Gottesdienstraum. Wer Architektur und Lage betrachtet, sollte auf laufende Feiern Rücksicht nehmen.

Kirche St. Stephan in Rothenfluh mit Käsbissenturm
St. Stephan mit dem charakteristischen Satteldach des Kirchturms, Aufnahme von 2013. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY 3.0.

Zum historischen Baubestand gehört ausserdem das Pfarrhaus hinter einem grossen Garten. Die Gemeinde verweist auf eine Jahreszahl von 1564 an einem Fenstergewände. Ein Speicherhaus aus dem 17. Jahrhundert erinnert an die Lagerung landwirtschaftlicher Vorräte. Zusammen mit den Bauernhäusern zeigen diese Bauten unterschiedliche Funktionen des früheren Dorfes.

Der Hirschen: mehr als eine ehemalige Gaststube

Der Gebäudekomplex an der Hirschengasse 83 vereinte einst Gasthaus, Landwirtschaft und Metzgerei. Seine heutige Gestalt entstand im Wesentlichen im 19. Jahrhundert, obwohl der Kern älter ist. Mehrere unterschiedlich hohe Giebel prägen die Ansicht.

Besonders aufschlussreich ist der Tanzsaal über den Stallungen. Er zeigt, dass ein Landgasthaus auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt war. Zur erhaltenen Ausstattung gehören Wandverkleidungen und Stuck; am Aufgang finden sich historische Wandbilder mit Motiven aus der Innerschweiz. Eines stammt von Albert Adolf Zehntner und ist auf 1912 datiert.

Die kantonale Denkmalpflege schützt den Komplex seit 2001. Die Beschreibung des historischen Gasthauses ist jedoch keine Aussage über einen heutigen Restaurantbetrieb oder freie Besichtigungsmöglichkeiten. Von den öffentlichen Gassen aus lässt sich seine Bedeutung für das Dorfbild gut erkennen.

Historische Häuser an der Hauptstrasse in Rothenfluh
Häuser an der Hauptstrasse in Rothenfluh, April 2026. Foto: Arkelin · CC BY 4.0.

Wie Rothenfluh entstand

Das heutige Dorf ging aus einer Gruppe mittelalterlicher Siedlungen hervor. Ortsnamen wie Loglingen, Hendschikon und Holwingen erinnern an diese ältere, stärker verteilte Besiedlung. Während manche Weiler verschwanden, entwickelte sich der Bereich um Loglingen zum heutigen Dorf.

1196 bestätigte Papst Coelestin III. dem Basler Domstift Besitz in Rotenfluo. Die Herrschaftsrechte waren später unter anderem mit den Grafen von Thierstein und der Familie Münch von Münchenstein verbunden. Rothenfluh lag an der Grenze zwischen Sisgau und Frickgau; diese Lage beeinflusste auch die Gerichtsbarkeit. 1545 verfügte Basel schliesslich über die gesamten Herrschaftsrechte.

Ursprünglich gab es zwei Kirchen: St. Stephan in Oberrothenfluh und St. Georg in Niederrothenfluh. Die Georgskirche wurde 1534 abgebrochen. Das heutige Dorf bewahrt damit nur einen Teil der älteren Siedlungs- und Kirchenlandschaft.

Im 19. Jahrhundert ergänzte die Seidenbandweberei die bäuerlichen Einkommen. Um die Mitte des Jahrhunderts kam rechnerisch etwa ein Webstuhl auf jeden Haushalt. Später wuchs die Bedeutung des Wohnens und des Pendelns. Die seit 2015 bestehende Interessengemeinschaft für die Geschichte von Rothenfluh sammelt und vermittelt lokale Erinnerungen.

Schule, Vereine und Alltag

Die Schule Rothenfluh liegt am Übergang vom Dorf zur offenen Landschaft. Im alten Schulhaus befinden sich Kindergarten, Unterstufe, Bibliothek und Gemeindesaal; die Mittelstufe nutzt ein Gebäude gegenüber. Die Schule führt einen Kindergarten und die Doppelklassen 1/2, 3/4 und 5/6.

Ein eigener Schwerpunkt ist die Musik. Die Unterstufe wird mit erweitertem Musikunterricht geführt, dazu kommt ein Schulchor. Gemeinsame Aufführungen verbinden die Altersstufen. Die Schulwebsite erläutert das Konzept und nennt die aktuellen Ansprechpersonen.

Im Sport fällt der Inlinehockeyclub Red Rocks auf. Er entstand 1990 aus einer Gruppe hockeybegeisterter Jugendlicher. Heute gehören auch die Junior Rocks zum Verein. Der Hockeyplatz befindet sich in den Unteren Etzmatten; über Trainingsangebote informiert der Club selbst.

Daneben tragen Turnen, Schiesssport, der Frauenverein und Naturschutzaktivitäten zum Dorfleben bei. Der Gemeindekalender nennt beispielsweise Krabbeltreffs, den Räbeliechtliumzug und gemeinsame Pflegeeinsätze. Für den Einkauf im Dorf ist die Chesi als Dorfladen bekannt; grössere Einkäufe und zusätzliche Dienstleistungen lassen sich mit Wegen nach Ormalingen oder Gelterkinden verbinden.

Die Gemeindeverwaltung sitzt an der Hirschengasse 84. Ihre Schalterzeiten können sich ändern; für einen persönlichen Besuch lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Angaben. Die «Gmeini Nochrichte» bündeln lokale Mitteilungen und Informationen aus Vereinen und Gemeinde.

Anreise und ein sinnvoller erster Besuch

Mit dem öffentlichen Verkehr führt der übliche Weg über den Bahnhof Gelterkinden und die Buslinie 102. Die Haltestelle Hirschengasse liegt günstig für den Dorfkern. Wer eine Streckenwanderung plant, kann den Bus auch für die Rückfahrt aus Anwil nutzen. Verbindungen und Anschlüsse sollten für den konkreten Reisetag im Fahrplan geprüft werden.

Für einen ersten Aufenthalt bietet sich zunächst ein Dorfspaziergang mit Kirche, Hirschen und den Gassen an. Danach lässt sich je nach Zeit und Kondition entweder zur Fluh aufsteigen oder dem Tal Richtung Weiher folgen. Beide Landschaftsräume in einen kurzen Rundgang zu pressen, würde die Höhenunterschiede unterschätzen.

Wer länger bleibt, erlebt in Rothenfluh besonders gut das Zusammenspiel von Dorf und Landschaft: historische Gebäude im Tal, landwirtschaftliche Flächen an den Hängen und geschützte Naturbereiche darüber. Gerade diese Übergänge machen den Ort im oberen Baselbiet unverwechselbar.

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Quellen und weiterführende Informationen

Redaktioneller Stand: Oktober 2026. Einwohnerzahl: 30. Juni 2026.