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Wittinsburg

Eine Kapelle im Wohnhaus, ein Milchhüsli als frühere Dorfmitte und ein weiter Blick vom For: Wittinsburg entdecken – mit Geschichte, Spaziergängen und dem heutigen Leben auf der Höhe.

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Alte Dorfhäuser an der Oberdorfstrasse in Wittinsburg
Die Oberdorfstrasse in Wittinsburg im Juni 2021. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Wittinsburg ist ein kleines Dorf auf der Hochfläche zwischen Homburger- und Diegtertal. Wer hier spaziert, sieht Bauernhäuser, Brunnen und Gärten. Hinter dieser vertrauten Baselbieter Kulisse verbergen sich ungewöhnliche Geschichten: eine mittelalterliche Kapelle, die zum Wohnhaus wurde, Steingruben, deren Material für Mühlsteine gebraucht wurde, und ein Milchhüsli, an dem einst fast das ganze Dorf zusammenkam.

Heute ist Wittinsburg eine Wohngemeinde mit weniger als fünfhundert Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Landschaft liegt direkt vor der Haustür, Kindergarten und die ersten Primarklassen sind im Dorf. Für viele andere Wege orientiert man sich an den benachbarten Orten und an Sissach. Als Ausflugsziel eignet sich Wittinsburg besonders für Menschen, die einen überschaubaren Dorfrundgang mit einem Spaziergang auf der Jurahöhe verbinden möchten.

Eine Hochfläche über dem Homburgertal

Wittinsburg liegt im Bezirk Sissach des Kantons Basel-Landschaft. Der Dorfkern befindet sich auf rund 575 Metern über Meer, oberhalb von Rümlingen. Westlich schliesst die Landschaft zum Diegtertal an. Im Dialekt wird der Ort Wytschbrg genannt.

Das Gemeindegebiet ist mit 3,21 Quadratkilometern klein, grenzt aber an sieben Gemeinden: Diepflingen, Gelterkinden, Rümlingen, Buckten, Känerkinden, Diegten und Tenniken. Diese Lage erklärt, weshalb Schulwege, Einkauf und Freizeit oft mehrere Dörfer miteinander verbinden.

Kanton / BezirkBasel-Landschaft / Sissach
Bevölkerung458 Einwohnerinnen und Einwohner · Stand 30. Juni 2026
Fläche3,21 km²
Höhenlage des Dorfesrund 575 m ü. M.
Postleitzahl / BFS-Nummer4443 / 2867
BushaltestellenChamber und Bodenacher
Offizielle Websitewittinsburg.ch

Die Form der Landschaft ist für einen Besuch wichtiger als die reine Entfernung. Von den Bahnhöfen im Homburgertal geht es hinauf zum Dorf. Oben öffnen sich Felder und Aussichtspunkte, während die Talhänge stärker bewaldet sind. Wer mit der Bahn anreist, kann den Aufstieg als Teil einer Wanderung wählen oder mit dem Bus bis ins Dorf fahren.

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Was die alten Häuser erzählen

Die Martinskapelle in der Unterdorfstrasse

An der Unterdorfstrasse 7a steht eines der geschichtlich interessantesten Gebäude des Dorfes. Von der Strasse wirkt es heute wie ein Teil der gewachsenen Häuserzeile. Tatsächlich sind darin Reste einer Kapelle erhalten, die dem heiligen Martin geweiht war.

Der mittelalterliche Bau entstand vermutlich im 15. Jahrhundert. Zur Kapelle gehörten ein kleiner Saal und ein mehrseitiger Chorabschluss über dem Hang. Nach der Aufgabe der kirchlichen Nutzung wurde das Gebäude umgebaut, mit Wirtschaftsräumen ergänzt und schliesslich in die Häuserzeile einbezogen. Wer die heutige Bauform betrachtet, sieht somit mehrere Nutzungen übereinander.

Bei Renovierungsarbeiten 1988 kamen ein rundbogiger Eingang und gotische Fenster wieder zum Vorschein. Auf der Hangseite lässt der polygonale Abschluss die frühere Form noch erkennen. Auch ein Gesims im Inneren erinnert an den alten Dachansatz. Das Haus befindet sich in Privatbesitz; eine Besichtigung der Wohnräume gehört nicht zum Dorfrundgang.

Die Geschichte des Platzes könnte deutlich älter sein als die Kapelle. Bei früheren Grabungen wurden Reste von Bestattungen gefunden. Darunter befand sich ein Grab aus Steinplatten, wie es in der Region für das 8. und 9. Jahrhundert typisch ist. Die Archäologie geht deshalb von einem älteren Begräbnisplatz aus. Die sichtbare Kapelle und dieser frühe Friedhof sind zwei verschiedene Zeitschichten.

Der Brunnen und seine zwei Jahreszahlen

Auch der Dorfbrunnen im Unterdorf lohnt einen genaueren Blick. Sein langer Trog erinnert an die Form eines früheren Holzbrunnens. Wasser wurde hier nicht nur für die Haushalte gebraucht; der Brunnen diente auch als Viehtränke.

Die Jahreszahlen 1839 und 1991 bezeichnen unterschiedliche Etappen. Im Winter 1990/91 beschädigte Frost den alten Brunnenstock so stark, dass er ersetzt werden musste. Der neue Stock wurde aus Solothurner Kalkstein gefertigt. Der Trog blieb erhalten und wurde überarbeitet. Die Eichel auf dem Brunnenabschluss ist ein überliefertes Fruchtbarkeitssymbol.

Das kleine Detail zeigt, wie ein historisches Dorfbild weiterlebt. Erhalten bedeutet nicht, dass seit dem 19. Jahrhundert nichts verändert wurde. Reparaturen und neue Bauteile gehören ebenfalls zur Geschichte eines Gebäudes oder Brunnens.

Das Milchhüsli als Treffpunkt

Der kleine Backsteinbau mit dem verzierten Holzdach ist das ehemalige Milchhüsli. Seine Grösse täuscht über seine frühere Bedeutung hinweg. Hier brachten die Bauern ihre Milch zusammen, sie wurde gewogen, gekühlt und in Transportkannen abgefüllt.

Ein Erinnerungsbericht von Wittikultur beschreibt den Weg weiter ins Tal: Der Milchfuhrmann brachte die Kannen zur Bahnstation Sommerau, von wo sie nach Basel gelangten. Auf der Rückfahrt kamen leere Kannen und andere Güter wieder ins Dorf. So war das Milchhüsli ein Bindeglied zwischen den Höfen auf der Höhe und der Stadt.

Zugleich trafen sich hier die Menschen, die Milch ablieferten oder für den eigenen Haushalt holten. Während des Wartens wurden Neuigkeiten und Dorfangelegenheiten besprochen. Die Sammelstelle schloss Ende April 2004; die Milchwirtschaft wurde anders organisiert. Der Bau erinnert bis heute an diesen Teil des Alltags.

Kleines ehemaliges Milchhüsli mit Satteldach in Wittinsburg
Das ehemalige Milchhüsli im Juni 2021. Der kleine Bau erinnert an die frühere Milchsammelstelle des Dorfes. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Stein, Seidenbänder und die Entwicklung des Dorfes

Urkunden des 14. Jahrhunderts nennen den Ort in Schreibweisen wie Wittersperg und Witerberg. Die heutige Endung -burg setzte sich erst später durch. Im Dialekt blieb der ältere Klang mit -berg erhalten. Noch frühere Funde zeigen, dass die Umgebung schon lange vor den schriftlichen Nennungen von Menschen genutzt wurde.

Wittinsburg gehörte zur Herrschaft Homburg. Mit ihr kam es 1305 an den Basler Bischof und 1400 an die Stadt Basel. Kirchlich war der Ort zunächst mit Sissach verbunden und seit der Gründung der Pfarrei Rümlingen 1501 mit dem näher gelegenen Rümlingen. Seit 1814 gehört Wittinsburg zum Bezirk Sissach.

Eine besondere wirtschaftliche Rolle spielten die Steingruben. Dort wurde Tenniker Muschelagglomerat gewonnen, ein Gestein, das unter anderem für Mühlsteine, Türstürze und Fenstergewände Verwendung fand. Die Geschichte des Dorfes besteht deshalb nicht allein aus Landwirtschaft: Auch das Bearbeiten und Verkaufen von Baumaterial brachte Arbeit.

Später ergänzte die Seidenbandweberei den bäuerlichen Erwerb. Sie wurde in den Häusern betrieben und verband die Familien mit der Basler Bandindustrie. Im Jahr 1908 waren noch 52 Bandwebstühle verzeichnet. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor diese Form der Heimarbeit ihre Bedeutung.

Die Bevölkerung wuchs nicht gleichmässig. 1900 lebten hier 241 Menschen, 1960 nur noch 197. Bis 2000 stieg die Zahl auf 335. Die heutigen Wohnquartiere sind damit Teil einer jüngeren Entwicklung, während ältere Wirtschaftsgebäude weiterhin das Bild des Dorfkerns bestimmen.

Die Landwirtschaft erscheint auch im Gemeindewappen: Auf den beiden schwarz-goldenen Hälften steht jeweils eine Kornähre in der Gegenfarbe. Das seit 1944 verwendete Zeichen bezieht sich auf den Ackerbau der Hochfläche. Es ist ein passendes Motiv für eine Landschaft, in der die Felder bis an den Siedlungsrand reichen.

Zur Panoramatafel im For

Das wichtigste ausdrücklich ausgewiesene Aussichtsziel ist die Panoramatafel im For. Sie steht seit 2025 am Strassenkreuz bei Punkt 625 in Richtung Hof Bählweid. Eine Bank lädt zur Pause ein. Eingeweiht wurde die Anlage am Banntag vom 29. Mai 2025.

Von der Hochfläche geht der Blick über die Jurahügel; bei klarer Fernsicht können auch die Alpen erscheinen. Die Tafel hilft, die Landschaft einzuordnen. Ob die weit entfernten Gipfel sichtbar sind, hängt stark von Wetter und Luftklarheit ab. Auch ohne Alpenblick vermittelt der Ort gut, wie die Dörfer, Höhen und Täler des oberen Baselbiets zusammenhängen.

Für einen Spaziergang ab Dorf lässt sich der Aussichtspunkt mit dem alten Ortskern verbinden. Zum Planen hilft die Bezeichnung For, Punkt 625 mehr als eine allgemeine Suche nach «Aussicht Wittinsburg». Auf den offenen Wegen gibt es weniger Schatten als im Wald; an heissen Tagen sind Wasser und Sonnenschutz sinnvoll.

Ein Besuch mit drei Stationen

Zuerst ins Unterdorf: Brunnen und ehemalige Kapelle erklären die ältere Geschichte. Der Blick bleibt auf den öffentlichen Raum beschränkt, denn die Häuser werden bewohnt.

Dann zum Milchhüsli: Der kleine Bau macht die frühere Landwirtschaft anschaulich. Wer anschliessend die umliegenden Felder betrachtet, sieht die Verbindung zwischen Siedlung und Nutzland mit anderen Augen.

Zum Schluss auf die Höhe: Ein Spaziergang zur Panoramatafel ergänzt die engen Dorfstrassen um den weiten Landschaftsblick. Für den Rückweg kann man im Dorf einkehren oder eine passende Busverbindung wählen. Die einzelnen Stationen ergeben zusammen einen abwechslungsreichen halben Tag, ohne dass ein dichtes Besichtigungsprogramm nötig ist.

Einkehren und übernachten

Das Restaurant Bürgin an der Unterdorfstrasse 12 ist ein langjähriger Treffpunkt im Dorf. Der Betrieb geht auf eine 1903 eröffnete Gaststube in einem Bauernhaus zurück und wird heute in vierter Familiengeneration geführt. In den Jahren 1999 und 2000 wurde das Restaurant wesentlich umgebaut und vergrössert.

Zum heutigen Angebot gehören eine überdachte Terrasse und ein Spielplatz. Nach Angaben des Betriebs sind die Restauranträume rollstuhlgängig. Regulär sind Montag und Dienstag Ruhetage. Vor einer geplanten Einkehr sollte man Öffnungszeiten und Betriebsferien prüfen, besonders wenn das Restaurant der feste Abschluss einer Wanderung sein soll.

Es gibt auch eine kleine Übernachtungsmöglichkeit: Der Betrieb führt ein Einzelzimmer und zwei Doppelzimmer. Verfügbarkeit und aktuelle Konditionen werden direkt beim Haus angefragt. Für Gäste, die im oberen Baselbiet mehrere Dörfer zu Fuss entdecken möchten, ist das eine andere Ausgangslage als eine Unterkunft direkt an einem grossen Bahnhof.

Restaurant Bürgin in einem historischen Dorfhaus in Wittinsburg
Das Restaurant Bürgin an der Unterdorfstrasse, aufgenommen im Juni 2021. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Schule und Leben im Dorf

Wittinsburg ist einer der Standorte der Kreisschule Homburg. Der Verbund besteht seit 2015 und umfasst ausserdem Buckten, Häfelfingen, Känerkinden und Rümlingen. Kindergarten sowie erste und zweite Primarklasse können Wittinsburger Kinder im eigenen Dorf besuchen. Die dritte bis sechste Klasse wird in Rümlingen unterrichtet.

Damit ist das Schulhaus nicht nur ein altes Gebäude im Ortsbild, sondern weiterhin Teil des täglichen Dorflebens. Für Familien ist die Aufteilung der Standorte wichtig: Der Schulweg verändert sich während der Primarschulzeit. Die Schulinformationen der Gemeinde führen zur zuständigen Kreisschule und ihrer aktuellen Organisation.

Schulanlage Wittinsburg mit historischem Dachreiter und modernem Anbau
Die Schulanlage Wittinsburg im Juni 2021. Der Ort ist ein Standort der Kreisschule Homburg. Foto: Roland Zumbuehl · CC BY-SA 4.0.

Sport und Begegnungen werden zu einem grossen Teil von Vereinen getragen. Die Turngruppe Wittinsburg besteht seit 1987 und bietet eine Frauen- und eine Männergruppe für Menschen ab 14 Jahren an. Nach eigener Auskunft können die Turnstunden auch ohne Vereinsmitgliedschaft besucht werden. Zum Jahresprogramm gehören neben dem Sport gesellige Anlässe.

Der Frauenverein organisiert unter anderem den Kaffi-Treff im Mehrzweckraum. Wittikultur beschäftigt sich mit Kultur und Dorfgeschichte. Im Gemeindeverzeichnis der Vereine finden sich zudem das Alphorntrio «Mir wei luege», das Trecker Team, Muki-Turnen und weitere Gruppen. Nicht jeder Verein hat jede Woche einen öffentlichen Anlass; für einen Einstieg sind die dort verlinkten Kontakte am hilfreichsten.

Der Banntag verbindet gemeinsames Unterwegssein mit dem Kennenlernen der Gemeindegrenzen. 2025 wurde dabei die neue Panoramatafel eingeweiht. Solche Anlässe zeigen, wie Landschaft und Gemeinschaft in Wittinsburg zusammengehören: Die Umgebung ist nicht nur Aussicht, sondern auch ein Ort gemeinsamer Erinnerungen und Aktivitäten.

Mit Bus, Bahn oder Auto nach Wittinsburg

Wittinsburg hat keinen eigenen Bahnhof. Die Bushaltestellen Chamber und Bodenacher erschliessen das Dorf. Die Linie 108 verbindet Wittinsburg mit Sissach. Seit dem Fahrplanwechsel für 2026 ergänzt am Abend die Linie 110 die Verbindung von Buckten Bahnhof über Känerkinden nach Wittinsburg.

Die Bahnhöfe im Homburgertal liegen tiefer. Für einen Ausflug kann der Fussweg bergauf reizvoll sein; mit Gepäck, Kinderwagen oder wenig Zeit ist der Bus oft die passendere Wahl. Konkrete Abfahrten und Umsteigeverbindungen findet man im SBB-Fahrplan. Für Fahrten über die alte Hauensteinlinie sind auch mögliche Bauarbeiten und Bahnersatz zu beachten.

Mit dem Auto ist die A2 über den Anschluss Diegten erreichbar. Grössere Einkaufsangebote liegen in den umliegenden Zentren, insbesondere in Sissach, Gelterkinden und Liestal. Die Gemeinde nennt ausserdem Diegten und Buckten für nähere Besorgungen.

Für das Wohnen in Wittinsburg zählen deshalb zwei Seiten derselben Lage: der kurze Weg ins offene Land und die Wege zu Arbeit, Einkauf und weiterführenden Schulen. Wer den Ort als möglichen Wohnsitz kennenlernt, sollte ihn sowohl bei einem Spaziergang als auch mit der eigenen künftigen Pendelverbindung erleben.

Dienstleistungen aus Basel-Landschaft

Die folgenden Inserate von schweiz.work zeigen Angebote aus dem Kanton Basel-Landschaft, etwa für Handwerk und Gartenpflege. Sie beziehen sich auf die ganze Region und nicht nur auf Wittinsburg.

Häufige Fragen zu Wittinsburg

Wo steht die Panoramatafel?

Seit 2025 beim Strassenkreuz Punkt 625 im For, in Richtung Hof Bählweid. Daneben befindet sich eine Sitzbank.

Kann man die alte Kapelle besichtigen?

Die ehemalige Martinskapelle ist in ein privates Wohnhaus an der Unterdorfstrasse 7a eingebaut. Sie ist kein frei zugängliches Kirchengebäude; einzelne Baumerkmale sind von aussen erkennbar.

Was war das Milchhüsli?

Eine Sammelstelle für die Milch der örtlichen Bauern und zugleich ein wichtiger Treffpunkt. Der Betrieb als Sammelstelle endete 2004.

Gibt es eine Schule im Dorf?

Ja. Kindergarten und die ersten beiden Primarklassen werden in Wittinsburg geführt. Ab der dritten Primarklasse besuchen die Kinder die Kreisschule in Rümlingen.

Redaktionell geprüft: Oktober 2026. Fahrpläne, Öffnungszeiten und Veranstaltungen vor einem Besuch bei den verlinkten Stellen prüfen.

Quellen und weiterführende Informationen