Murten
Murten mit Altstadt, Ringmauer und Museum: Seeufer, Solennität und Licht-Festival, zweisprachige Schulen sowie die heutigen Dörfer bis Clavaleyres.
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Über den Dächern von Murten verläuft ein begehbarer Wehrgang. Von der Stadtmauer schaut man zur Altstadt mit ihren Lauben und weiter zum Murtensee und den Weinbergen des Vully. Unten liegen Museum, Hafen und Seeufer; in den Gassen bleiben Wohnen, Geschäfte und Kultur Teil eines lebendigen Stadtkerns.
Murten / Morat ist der Hauptort des Seebezirks / District du Lac im Kanton Freiburg. Die zweisprachige Gemeinde reicht heute weit über das Stedtli hinaus. Zu ihr gehören mehrere frühere Landgemeinden, darunter seit 2022 auch das zuvor bernische Clavaleyres.
Murten auf einen Blick
| Kanton und Bezirk | Freiburg (FR), See / Lac |
|---|---|
| BFS-Nr. | 2275 |
| Bevölkerung | 9’525 am 31. Dezember 2025; zivilrechtliche Bevölkerung gemäss kantonaler Statistik |
| Sprache | Deutsch und Französisch |
| Erstnennung | 515 als Muratum (HLS); heutige Stadtanlage aus dem späten 12. Jahrhundert |
| Verwaltung | Rathausgasse 17, 3280 Murten |
| Website | Offizielle Gemeindewebsite |
Lauben, Berntor und eine erhaltene Stadtstruktur
Die Altstadt liegt auf einem Plateau ungefähr 20 Meter über dem Seeufer. Ihre Anlage entstand im späten 12. Jahrhundert. Das HLS beschreibt eine Stadtstruktur nach dem zähringischen Hofstättensystem: regelmässige Hausplätze, Gassen und eine Befestigung bilden bis heute das Gerüst.
Der Stadtbrand von 1416 zerstörte viele überwiegend hölzerne Häuser. Beim Wiederaufbau rückten die Fassaden der Hauptgasse bis an die Lauben vor. Die gedeckten Gänge machen die Strasse zu einem zusammenhängenden Stadtraum, während spätere Bürgerhäuser und ihre Fassaden die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zeigen.

Das Berntor bildet einen markanten Zugang. Das Schloss am westlichen Ende geht auf die savoyische Herrschaft zurück; es ist heute Sitz des Oberamts des Seebezirks. Schloss, Rathaus und Kirchen sind somit zugleich historische Gebäude und Teile der heutigen Stadt. Ein Blick von aussen oder ein Gassenspaziergang ist von einer gebuchten Führung und dem Zugang zu Innenräumen zu unterscheiden.
Auf dem Wehrgang über die Dächer
Von der mittelalterlichen Befestigung blieben grosse Teile der Ringmauer und ihrer Türme erhalten. Einige Tore wurden nach 1798 abgebrochen; weitere Abbrüche unterblieben nach dem HLS aus Geldmangel. 1912 wurde die Ringmauer unter Bundesschutz gestellt.
Heute ist der Wehrgang ein öffentlicher Lern- und Aussichtsort. Die Tourismusorganisation nennt täglichen Zugang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. An Fasnacht und Solennität bleibt die Mauer aus Sicherheitsgründen geschlossen. Acht Informationstafeln erläutern die Ereignisse von 1476 und stellen Bezüge zur sichtbaren Umgebung her.
Treppen und Höhen gehören zu diesem Besuch. Kinder dürfen die Anlagen nur begleitet und unter Aufsicht Erwachsener begehen. Geländer und Maueröffnungen sind keine Sitz- oder Aussichtskanten. Für kurzfristige Einschränkungen zählen die Hinweise vor Ort.
Museum in der Stadtmühle an der Ryf
Das Museum Murten an der Ryf 4 befindet sich seit 1978 in der alten Stadtmühle ausserhalb der Stadtmauern. Das Haus selbst erzählt mit seinen Räumen eine über fünf Jahrhunderte reichende Bau- und Nutzungsgeschichte.

Die Dauerausstellung behandelt auf fünf Stockwerken ungefähr 6’000 Jahre Geschichte von Stadt und Region. Dazu gehören Seeufersiedlungen, Kelten und Römer, Handwerk, Handel, Regierung und das Leben hinter den Haustüren. Die Murtenschlacht wird auch multimedial dargestellt. Für Familien gibt es eine Objektsuche; Führungen und Workshops sind separate Angebote.
Am Recherchestichtag läuft noch die Ausstellung «Murten 1476–2026: Das Erbe einer Schlacht» bis zum 4. Oktober 2026. Der Betreiber nennt reguläre Öffnungen dienstags bis samstags am Nachmittag und sonntags von 10 bis 17 Uhr. Für einen späteren Besuch sollten Ausstellungskalender und Öffnungszeiten erneut geprüft werden.
Von Muratum zur gemeinsamen Herrschaft
Das HLS nennt 515 Muratum. Diese frühe Nennung ist nicht das Gründungsjahr der heutigen Stadtanlage. Archäologische Spuren reichen noch weiter zurück: mesolithische Funde, neolithische Ufersiedlungen und bronzezeitliche Gräber zeigen eine lange Nutzung der Landschaft. Der Fundplatz Murten-Segelboothafen gehört zum UNESCO-Welterbe der prähistorischen Pfahlbauten.
Im Mittelalter wechselten Schutz- und Herrschaftsverhältnisse zwischen Bischof, Königtum, Savoyen und benachbarten Städten. 1255 stellte sich Murten unter den Schutz Peters II. von Savoyen. Bern und Freiburg besetzten die Stadt 1475. Am 22. Juni 1476 besiegten die Eidgenossen vor Murten das Heer Karls des Kühnen.
Bis zum Ende des Ancien Régime verwalteten Bern und Freiburg Murten gemeinsam. Die Stadt behielt eigene Rechte; die beiden Orte stellten abwechselnd einen Schultheissen. 1530 nahm Murten die Reformation an. Nach dem Einmarsch der Franzosen 1798 gehörte es zum Kanton Freiburg und verlor die Privilegien gegenüber dem Umland.
Zwei Sprachen, zwei reformierte Kirchen
Deutsch und Französisch gehören zu Murtens öffentlichem Leben. Die Deutsche Kirche entstand aus der mittelalterlichen Marienkapelle. Turm und Schiff wurden in der frühen Neuzeit erneuert; seit 1762 dient sie dem deutschsprachigen Gottesdienst.
Die Französische Kirche geht auf die Katharinenkapelle des Spitals zurück. Nach dem Abbruch während der Kriegsvorbereitungen von 1475–1476 wurde sie innerhalb der Stadtmauern neu errichtet. Sie dient der französischsprachigen reformierten Bevölkerung. Die neugotische katholische Mauritius-Kirche wurde 1885 gebaut.
Die unterschiedlichen Kirchen zeigen, dass Zweisprachigkeit und Konfession zwei verschiedene Ebenen der Ortsgeschichte sind. Heute ist die sprachliche Vielfalt besonders auch im regionalen Schulwesen verankert.
Solennität, geschmückte Brunnen und Lichtkunst
Die Solennität am 22. Juni verbindet ein Fest für die Schuljugend mit dem Gedenken an die Schlacht von 1476. Der Tag ist in Murten Feiertag. Deutsche und französische Abteilungen von Primar- und Orientierungsschule tragen wesentlich zur Organisation bei. Die Stadt nennt die Aufnahme der Tradition in die Schweizer Liste des immateriellen Kulturerbes 2017.
Zum Anlass gehört das Schmücken der Brunnen. Bewohnerinnen und Bewohner dekorieren die Stadtbrunnen, die Lehrerschaft den Schulhausbrunnen vor dem Berntor. Die gemeinsame Arbeit am Vorabend führt die frühere Rolle der Brunnen als öffentliche Treffpunkte fort.
Eine jüngere Form der Stadtkultur ist das Murten Licht-Festival. Die nächste Ausgabe ist am recherchierten Datenstand für 20.–31. Januar 2027 angekündigt. Lichtinstallationen verändern dann zeitweise die Wahrnehmung der Altstadt. Programm, Tickets und allfällige Sonderzugänge stehen beim Veranstalter; die winterliche Veranstaltung ist kein ganzjähriges Angebot.
Vom Hafen an das Seeufer
Altstadt und See liegen auf unterschiedlichen Höhen. Am Hafen und entlang des Ufers öffnet sich der Blick auf Mont-Vully. Die erste Juragewässerkorrektion senkte den Seepegel; 1893 entstand ein neuer Hafen. Die heutige Uferlandschaft gehört damit auch zur Geschichte der Gewässerregulierung.

Die LNM verbindet Murten saisonal mit Stationen am Murten- und Neuenburgersee. Für die Zeit 2.–18. Oktober 2026 weist der Betreiber eine Nebensaison mit Fahrten nur von Freitag bis Sonntag und an Feiertagen aus. Ein Schiffsausflug ist deshalb nach Datum und konkretem Kurs zu planen.
Das Hallen-, Schwimm- und Strandbad der Region Murten liegt an der Lausannestrasse 2. Es verbindet Innenbad, saisonales Freibad und Seezugang. Öffnung und Belegung unterscheiden sich nach Betrieb und Wetter; die Website veröffentlicht die aktuellen Zeiten und den Belegungsplan.
Direkt benachbart bleiben Meyriez / Merlach, Muntelier und Greng eigene politische Gemeinden. Ein zusammenhängender Ufer- oder Siedlungsraum bedeutet hier keine gemeinsame Gemeindeverwaltung.
Die heutigen Ortsteile der Gemeinde
Murten wuchs durch mehrere Zusammenschlüsse: Burg bei Murten 1975, Altavilla 1990, Büchslen 2013 sowie Courlevon, Jeuss, Lurtigen und Salvenach 2016. 2022 kamen Clavaleyres, Galmiz und Gempenach hinzu. Zu Courlevon gehört auch das Dorf Coussiberlé.
Galmiz liegt am Südrand des Grossen Mooses und verbindet Dorf, landwirtschaftliches Umland und einen eigenen Schulstandort. Gempenach liegt auf einem Plateau beim Biberental; Büchslen auf der Höhe östlich des Murtenwalds. Altavilla, früher auch Hauteville genannt, und Burg gehören zur älteren Erweiterung des Gemeindegebiets. Das historische Hauteville bei Murten ist nicht die heutige Gemeinde Hauteville in der Gruyère.
Jeuss liegt in der hügeligen Landschaft südöstlich von Murten. Lurtigen befindet sich zwischen Galmwald und Murtenwald auf einer Anhöhe. Salvenach liegt an der französischen Sprachgrenze. Die drei Dörfer bleiben im regionalen Schulalltag miteinander verbunden: jüngere und ältere Primarklassen werden auf die Standorte verteilt.
Courlevon und Coussiberlé liegen südwestlich der Altstadt. Die Stadt betont die Rolle der Dorfvereine, welche die jeweiligen Ortsidentitäten und den Austausch mit der gemeinsamen Verwaltung pflegen. Die politische Fusion hob das Dorfleben nicht auf.
Clavaleyres war bis Ende 2021 eine bernische Exklave zwischen Freiburger und Waadtländer Orten. Mit der Fusion am 1. Januar 2022 wechselte das Dorf gleichzeitig vom Kanton Bern nach Freiburg. Die Gemeindeübersicht enthält ältere Nachbarnamen; Villarepos ist inzwischen ein Dorf in Courtepin und keine eigenständige Nachbargemeinde.
Ein zweisprachiger Schulkreis mit Dorfstandorten
Die Primarschule der Region Murten umfasst neben Murten auch Muntelier, Meyriez, Greng, Courgevaux und Cressier. Sie führt deutsche und französische Abteilungen. Die Schule ist dadurch eine regionale Einrichtung und nicht bloss die Schule innerhalb der Altstadt.
Die aktuelle deutschsprachige Schulhausübersicht nennt in Murten unter anderem Längmatt, Berntor, Pra Pury und Engelhard. Hinzu kommen die Standorte Galmiz, Jeuss, Lurtigen und Salvenach. Klassenverteilungen können sich ändern; für die jeweilige Zuweisung zählt der aktuelle Schulplan. Die Sekundarstufe 9H bis 11H folgt an der Orientierungsschule der Region Murten.
Die Gemeindeübersicht zur Kinderbetreuung unterscheidet Kitas, ausserschulische Betreuung und Tagesfamilien und beschreibt einkommens- und vermögensabhängige Beiträge. Genannt werden unter anderem Schildli, Schnäggehuus, Heprolino und Famiya.
Die ASB Trésor an der Meylandstrasse 21 betreut Kindergarten- und Primarschulkinder und veröffentlicht Unterlagen für 2026/27. Zum Angebot gehören mehrere Tagesmodule sowie Ferienbetreuung. Der Betreiber beschreibt ausserdem begleitete beziehungsweise organisierte Transporte zu bestimmten Schulstandorten. Ein konkreter Platz erfordert eine Anmeldung; kommunale Beiträge werden separat beantragt.
Regionalzentrum und Ausgangspunkt für Ausflüge
Murten ist Verwaltungs-, Schul-, Handels- und Tourismuszentrum des Seebezirks. Eisenbahnanschlüsse entstanden 1875–1876, 1898 und 1903; die Stadt entwickelte sich später auch als Gewerbe- und Industriestandort. 1973 kauften die SBB Schloss und Park Löwenberg für ein Ausbildungszentrum. Solche Einrichtungen gehören zum Wirtschaftsraum ausserhalb der historischen Gassen.
Die BLS-Ausflugsbeschreibung rechnet vom Bahnhof bis zur Altstadt mit ungefähr zehn Gehminuten. Regionale Busse verbinden die Dörfer und Nachbarorte mit dem Zentrum. Die geprüfte TPF-Linie 546 stellt die Verbindung nach Courgevaux und Courtepin her; für Düdingen und Gurmels ist die PostAuto-Linie 547 relevant. Fahrzeiten und Anschlüsse sind im aktuellen Fahrplan zu prüfen.
Redaktioneller Ausflugsvorschlag: Vom Bahnhof zur Hauptgasse gehen, den Wehrgang während seiner Öffnung besuchen und anschliessend zur Ryf mit Museum und Seeufer hinuntergehen. Für Museum, Schiff oder einen Anlass sollte die Planung an deren tatsächlichen Öffnungs- und Abfahrtszeiten ausgerichtet werden.
Die Karte markiert die Gemeindeverwaltung an der Rathausgasse 17, 3280 Murten.
Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende. Grössere Karte öffnen.
Quellen und Datenstand
Recherche: 2. Oktober 2026. Bevölkerung: zivilrechtlicher Bestand am 31. Dezember 2025, kantonale Publikation vom 26. August 2026. Schul-, Besuchs- und Verkehrsangaben bei den zuständigen Stellen geprüft.